Jüdische Gemeinde Berlin

Der Wahlkampf hat begonnen

Foto: Marco Limberg

Seit vergangenem Freitag stehen die Kandidaten zur Gemeindewahl 2015 fest: Insgesamt haben sich 40 Bewerber zur Wahl der 18. Repräsentantenversammlung (RV) aufstellen lassen. Etwa 9000 wahlberechtigte Gemeindemitglieder sind dazu aufgerufen, am 20. Dezember ihr Votum abzugeben. Bei der diesjährigen Gemeindewahl treten zwei Einzelkandidaten und zwei Bündnisse an: Koach-Berlin 2015 (Hebräisch: Stärke) um den Spitzenkandidaten Gideon Joffe hat 21 Kandidaten gelistet, Emet (Hebräisch: Wahrheit) mit seinem Spitzenkandiadten Sergey Lagodinsky 17.

Die beiden Spitzenkandidaten gehören bereits seit mehreren Legislaturperioden der RV an und sind vor acht Jahren gemeinsam mit dem Bündnis Hillel angetreten. Joffe amtiert derzeit als Gemeindechef. Wenn er gewählt werden sollte, wäre es seine dritte Amtszeit.

erfahrung Neben dem derzeitigen Gemeindevorsitzenden treten für Koach Kandidaten an, die der jetzigen RV angehören, darunter Natalija Apt (Bildungsdezernentin), Eduard Datel (Finanzdezernent), Alexandra Babes (Sozialdezernentin) und Assia Gorban – doch mehr als zehn Koach-Kandidaten sind neu.

Emet schickt ebenfalls einige Kandidaten ins Rennen, die bereits dem Gemeindeparlament angehören, darunter Natan Del, Leonid Golzmann (Jugenddezernent), Mike Delberg und Billy Rückert. Der derzeitige Kultusdezernent Boris Braun tritt nunmehr als Einzelkandidat an, ebenso wie Albert Danilow.

Nach der Wahl werden die Parlamentarier in einer ersten konstituierenden Sitzung zusammenkommen und einen neuen Vorstand wählen, der dann seinerseits den Vorsitzenden wählt. Für die Beschlüsse, die in der RV gefasst werden, sind entweder eine einfache Mehrheit (elf Stimmen) oder eine Zweidrittelmehrheit (14 Stimmen) notwendig.

Bei den letzten Wahlen lag die Wahlbeteiligung bei unter 30 Prozent. Derzeit läuft noch ein Antrag beim Schiedsausschuss der Gemeinde, der die Wahl des Wahlleiters betrifft: Er sei unrechtmäßig in einer RV im vergangenen November gewählt worden, begründen die Antragsteller um Sergej Lagodinsky ihr Vorgehen.

opposition Am Sonntag – zwei Tage, nachdem die Gemeinde die Kandidatenliste auf ihrer Webseite veröffentlicht hatte –, stellte das oppositionelle Wahlbündnis Emet seine Kandidaten und sein Wahlprogramm im Crown Plaza Hotel offiziell vor. Sergey Lagodinsky sagte, die Gemeinde befände sich »nach der schwierigen Zeit der letzten vier Jahre« in einem »katastrophalen Zustand«. Die Wahl im Dezember sei daher »die letzte Chance«, um mit »Ungerechtigkeit, Vetternwirtschaft und Unprofessionalität« des bisherigen Vorstandes aufzuräumen. Er forderte alle Wahlbeteiligten auf, für seine Liste zu stimmen: »Wählt uns, weil wir ein Teil von euch sind«.

Emet konnte sich bei seiner Auftaktveranstaltung über reges Interesse freuen – der Saal platzte buchstäblich aus allen Nähten, die Kandidaten verbreiteten bei einer Podiumsdiskussion Aufbruchsstimmung und stellten die inhaltlichen Kernpunkte des Bündnisses vor: Bewahrung der Einheitsgemeinde, Integrationspolitik, Bildungswesen, Jugendarbeit und die Frage nach der Finanzierung der Gemeindevorstandes.

Sergey Lagodinsky kritisierte, es dürfe »keinen Automatismus« geben, der vorschreibe, dass der Posten des Vorstandes bezahlt werde, wie dies unter Gideon Joffe bisher der Fall gewesen sei. Vielmehr müsse geprüft werden, ob es nicht besser sei, zum Instrument des Ehrenamtes zurückzukehren.

Margarita Bardich warf dem bisherigen Vorstand vor, die Berliner Gemeinde »künstlich in Russen und Deutsche« aufzuspalten, – obwohl die Integration der aus der ehemaligen Sowjetunion emigrierten Juden »bereits erfolgreich abgeschlossen« sei. »Viel wichtiger ist doch«, betonte Bardich, »die Frage nach der Eingliederung der Israelis und amerikanischen Juden«.

jugendarbeit Mike Delberg will sich vor allem der Jugendarbeit verschreiben. Denn diese werde von der Gemeinde »zu häufig noch überhört«. Der Jurastudent hat ein jüdisches Studentenzentrum aufgebaut – allerdings ohne Unterstützung der Gemeinde. Das müsse sich in Zukunft ändern, findet der RV-Kandidat. Denn wenn die Gemeinde in der Lage sei, gute Angebote für die jüdische Jugend zu entwickeln, sei diese auch nicht mehr darauf angewiesen, auf andere jüdische Organisationen auszuweichen.

Wenn das oppositionelle Wahlbündnis den aktuellen Vorstand ablösen will, braucht es dazu am 20. Dezember eine Mehrheit im Gemeindeparlament.

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren nur zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026