Amtseinführung

Der Neue in Niedersachsen

Rabbiner Jona Simon Foto: Heide Sobotka

Amtseinführung

Der Neue in Niedersachsen

Rabbiner Jona Simon betreut drei Gemeinden

von Heide Sobotka  06.03.2012 06:40 Uhr

Niedersachsen hat einen siebten Rabbiner. Am Sonntag wurde in Oldenburg Rabbiner Jona Simon in sein Amt eingeführt. Er wird den Landesrabbiner Jonah Sievers in seiner Arbeit unterstützen und die Gemeinden Göttingen, Hameln und Hildesheim betreuen. Simon wurde im November in Bamberg ordiniert.

Er ist Absolvent des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam und hat unter anderem in Sevilla und Jerusalem studiert. Der 33-Jährige lebt mit seiner Frau Alina Treiger in Oldenburg, die hier seit einem Jahr Ortsrabbinerin ist.

Mit Simon und seiner Frau werde es erstmals wieder ein Rabbinerehepaar in der niedersächsischen Stadt geben, sagte die Gemeindevorsitzende, Sara-Ruth Schumann. Dass das möglich geworden sei, habe man dem Einsatz des Landesverbandes aber auch der Stadt zu verdanken, sagte Schumann.

Wünsche Der Oberbürgermeister Gerd Schwandner versprach, das Bündnis zwischen Ort und Gemeinde noch enger zu knüpfen. Oldenburg sei in vielfältiger Weise wegweisend, betonte Landeschef Michael Fürst. Hier habe mit Bea Wyler die erste Rabbinerin amtiert, mit Daniel Alter der erste in Deutschland ausgebildete Rabbiner, sagte Fürst, der die besten Wünsche seines Verbandes überbrachte.

Eine solche Feier sei schon fast der Normalfall für Oldenburg, betonte Oberbürgermeister Schwandner. Doch ganz so selbstverständlich war sie offensichtlich nicht, denn die Gäste waren erlesen. Neben den Honoratioren der Stadt, Vertretern der Religionsgemeinschaften und der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und anderer Gemeinden, der Vizepräsidentin der Carl von Ossietzky-Universität Gunilla Budde, war auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, gekommen.

Sein Kommen, so Schumann, bestätige, »dass kleine Gemeinden sehr wohl ihren Platz in der jüdischen Gemeinschaft haben«. In diesen Worten schwang die Freude über das Geschaffte mit. Stolz war auch Rabbiner Tovia Ben-Chorin, der seinen einstigen Schüler vom Geiger-Kolleg nun als Kollegen begrüßen konnte. Die jüdische Kultur erführe durch Jona Simon wieder eine zukunftstragende Vision, sagte Ben-Chorin. Er gab seinem jungen Kollegen den Psalm 34 mit auf den Berufsweg: »Meide das Böse und suche das Gute.«

Lehrhaus Landesrabbiner Jonah Sievers blieb es vorbehalten, an dem Tag, an dem Rabbiner Leo Trepp sel. A., der als junger Rabbiner in Oldenburg wirkte und nach dem auch das jüdische Lehrhaus benannt ist, seinen 99. Geburtstag begangen hätte, Jona Simon die Tora als Zeichen seines neuen Amtes zu übergeben.

Es reiche nicht aus, neue Synagogen zu bauen, sagte Sievers – sie müssten auch mit Leben gefüllt werden. Deshalb seien Synagogenbau und Rabbinerausbildung zwei Seiten einer Medaille. Mit seiner Amtseinführung trete Simon nun aus dem behüteten Beit Hamidrasch in die wirkliche Welt. Hannovers Kantor Andrej Sitnov begleitete die Feier musikalisch. Aus Simons anfänglicher Skepsis, mit seiner Frau nach Oldenburg zu gehen, sei eine wirkliche Zuneigung zu dieser Stadt geworden, sagte der Rabbiner.

Er könne es kaum erwarten nun, mit der Arbeit zu beginnen. Stolz trug er die erhaltene Tora aus dem Festsaal des Kulturzentrums. Seinen Wahlspruch »Suche den Frieden und jage ihm nach« kann er nun in die Tat umsetzen. Voraussichtlich wird er auch Oldenburg betreuen, denn im Mai erwartet seine Frau ihr erstes Kind. Über mangelnde Abwechslung wird er sich nicht beschweren können.

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Genuss

Küche der Kindheit

Die Foodbloggerin Lena Bakman kocht die bucharischen Gerichte ihrer Großmutter

von Alicia Rust  24.04.2026

Porträt der Woche

Der Landeshausmeister

Alexander Reznitchi ist Afghanistan-Veteran, war Sportlehrer und wurde Techniker

von Brigitte Jähnigen  24.04.2026

Kino

Boxen auf Leben und Tod

Im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage zeigte die Kultusgemeinde die Geschichte des Hertzko (Harry) Haft

von Helen Richter  24.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Musik

Jiddisch und Tango

Ein grandioser Abend mit der Allround-Künstlerin Lea Kalisch

von Nora Niemann  23.04.2026

Berlin

Kontrollzentrum für mehr Sicherheit jüdischer Einrichtungen geplant

Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung: Der Zentralrat der Juden hat Pläne, um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Wie es Sicherheitskräften von Synagogen und Co. eigentlich geht, zeigt eine Umfrage

von Leticia Witte  23.04.2026

Leipzig

Schoa-Überlebender Andrei Moiseenko reist für seinen 100. Geburtstag durch Sachsen

Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde im Alter von 15 Jahren als Zwangsarbeiter nach Leipzig deportiert

 23.04.2026

Jewrovision

Feuerwerk von Talenten

Leipzig feiert ein Comeback, andere Jugendzentren wie Bremen, Hamburg oder Westfalen schließen sich für Auftritte zusammen. Der Countdown zum größten Event für jüdische Jugendliche läuft

von Christine Schmitt  22.04.2026