Studienwerk

Der erste Stipendiat

Charlotte Knobloch, Rabbiner Walter Homolka und der Preisträger Guy Katz (v.l.) Foto: ELES

»Von jeher war es mir ein besonderes Anliegen, die jungen jüdischen Menschen in unserem Land zu fördern« sagte Präsidentin Charlotte Knobloch am 6. Dezember im Hubert-Burda-Saal des Jüdischen Zentrums in München. An diesem Tag verlieh sie als Schirmherrin des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks (ELES) gemeinsam mit Rabbiner Walter Homolka die erste Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienmedaille an Guy Katz.

ELES ist das zwölfte Begabtenförderungswerk, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Es widmet sich besonders begabten jüdischen Studierenden und Promovierenden. Engagement und Selbstentfaltungsmöglichkeiten sind dabei wichtig.

Charlotte Knobloch erinnerte an das Jahr 2009, als das Studienwerk in Anwesenheit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan in Berlin eröffnet wurde. Die Schirmherrschaft habe sie damals als große Chance begriffen. Neben der finanziellen ist es für sie »gerade auch die ideelle Förderung«, die das Profil diese Werkes ausmacht. Als besonders wertvoll an der Arbeit von ELES bezeichnete die Präsidentin, dass die Geförderten »zu Stützpfeilern der jüdischen Gemeinschaft werden, die sie entscheidend mitgestalten«.

Aufbauarbeit 180 Studierende und Promovierende wurden und werden unterstützt. Der Preisträger Guy Katz war einer der ersten Stipendiaten – nicht nur mit herausragenden akademischen Fähigkeiten und Leistungen, sondern auch mit bemerkenswertem sozialen Engagement, wie Knobloch unterstrich. Katz lebte von 1990 bis 1994 in München, anschließend in Israel, wo er auch seinen Militärdienst leistete. 2004 nahm er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in der bayrischen Hauptstadt auf. Im Studienwerk wurde er der erste Stipendiatensprecher. In der Zeit des Aufbaus von ELES hat Katz, wie Charlotte Knobloch hervorhob, »unverzichtbare Arbeit geleistet«.

Gemeinsam mit Rabbiner Walter Homolka sowie Johannes Frank und Sophie Hoffmann vom Vorstand und der ELES-Geschäftsführung hat Katz, wie er in seiner Dankesrede sagte, beim Aufbau des Werkes mitgearbeitet, »das als Schmelztiegel der jüdischen Gesellschaft in Deutschland gesehen werden kann«. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich unter dem Titel »Interkulturelle Verhandlungen – der besondere Fall von Deutschland und Israel« mit den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel.

Dabei untersuchte Katz genauer, inwieweit die Schoa dabei eine Rolle gespielt hat. Als er sein Studium begann, sagte er, »wusste ich noch nicht, ob für mich eine jüdische Zukunft in Deutschland infrage kommen kann. Mittlerweile ist es mir klar geworden, dass das Judentum in Deutscland eine Zukunft hat und haben muss.« Und als seinen künftigen Wohnsitz hat er sich München ausgesucht.

Theaterkolleg Das Miteinander in ELES zeigten Lina-Mareike Dedert und Naina Moeller in einem Vortrag von gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Historischen Kolleg auf der Burg Hohenzollern oder einem Theaterkolleg in Oberammergau auf. Mit Liedern und eigenen Kompositionen, die er selbst am Flügel begleitete, begeisterte Amnon Selig die Gäste.

Unter ihnen konnte Rabbiner Homolka auch die Vertreter der anderen Studienwerke begrüßen, besonders die des Bischöflichen Cusanuswerks und des Evangelischen Studienwerks Villigst. Für Israel gra- tulierte Herzel Edri vom Münchner Generalkonsulat dem Preisträger.

Mit der Preisverleihung sei ELES aus dem Kleinkind-Alter herausgewachsen, sagte Homolka. Vor allem freue er sich darüber, dass das Werk sich zu einer »wunderbaren Familie« entwickelt habe. Homolkas besonderer Dank galt Charlotte Knobloch, die immer wieder »ganz sanft die eine oder andere Tür geöffnet« habe. »Sie sind eine der leuchtendsten Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Deutschland.«

Diese zeigte sich »dankbar und stolz«, Guy Katz auf seinem Lebensweg begleitet zu haben. »Ganz besonders freuen wir uns, dass Sie sich auch in Zukunft für das Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk und somit für die Förderung junger jüdischer Menschen in Deutschland engagieren werden.«

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