Frankfurt

Den Kindern etwas Gutes tun

Damit das Lächeln dieser Kinder nicht verschwindet»: Dafür habe man sich versammelt, sagte WIZO-Deutschland-Präsidentin Nicole Faktor am vergangenen Sonntag zum Auftakt der Patenschaftsgala «WIZO Night For Children». Zuvor sahen die etwa 150 Gäste einen Film, der die Arbeit der weltweit größten Frauenorganisation vorstellte – und einige Gesichter der in den WIZO-Einrichtungen betreuten Schützlinge zeigte.

An dem sommerlich-schwülen Abend konnten Faktor und ihre Mitstreiterinnen von WIZO Frankfurt viele alte Weggefährten, aber auch etliche neue Gesichter im Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch begrüßen. Von einer «schönen, alten Tradition» sprach etwa ein langjähriger Gast aus Frankfurt. Zum ersten Mal zu einer WIZO-Gala kam hingegen der Hotelexperte Adnan Azrak. «Wir wollen zuallererst etwas Gutes tun und einen schönen Abend mit angenehmen Menschen verbringen», sagte er der Jüdischen Allgemeinen.

gäste Der Abend begann mit angeregtem Austausch bei kühlen Getränken und Snacks. Hessens Europa-Staatssekretär und Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker (CDU) war ebenso unter den Gästen wie Marc Grünbaum, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Während der Pandemie sind die Spender der WIZO treu geblieben.

«Das fühlt sich gut und richtig an», freute sich Nicole Faktor anlässlich der ersten großen Patenschaftsgala seit 2019. Doch auch in der Corona-Pandemie seien die Spender der WIZO «sehr treu geblieben». Nachdem die Gäste ihre Tischplätze im festlich dekorierten Hotelsaal einnahmen, eröffnete Moderator Ralph Morgenstern die Gala mit einem launigen Auftritt.

Etwas ernster klang unterdessen seine Erklärung, die vor allem an die neuen Gala-Gäste gerichtet war. Die mit 500 Euro bemessene Patenschaft ermögliche es, ein Kind ein Jahr lang in einem WIZO-Kindergarten oder einer WIZO-Vorschule in Israel unterzubringen. «Es sind Kinder jedweder Herkunft und Religion», betonte Morgenstern.

Herausforderungen In ihrer Begrüßungsrede wies Faktor auf zwei große Herausforderungen der vergangenen beiden Jahre hin: die Corona-Pandemie und die Raketenangriffe aus Gaza im Mai 2021. «Die WIZO ist all ihren Schützlingen verlässlich zur Seite gestanden», unterstrich Faktor.

Sie verwies zudem auf die Betreuung von 80 ukrainischen Schülern in israelischen WIZO-Jugenddörfern sowie auf den Einsatz der Frauenorganisation für die Gleichstellung von Mann und Frau. Und natürlich rief Faktor die versammelten Gäste zum Spenden auf.

«So agiert WIZO: leidenschaftlich, mit einer bedingungslosen Hingabe und mit Elan für alle Projekte», sagte Karina Ansos, General-Managerin des Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch, zur Begrüßung. «Und das ist bewundernswert.» Zum zweiten Mal findet die WIZO-Patenschaftsgala in dem Fünf-Sterne-Hotel vor den Toren Frankfurts statt. Abschließend eröffnete Ansos den Spendenreigen: «Wir starten mit 2000 Euro.»

Musik Dann gaben DJ Sivan Neuman und seine «Noya Showband» die Tanzfläche frei, und es gab kein Halten mehr: Ausgelassen tanzten die Gäste zu eingängigen israelischen Hits.

Ebenso stimmungsvoll, wenn auch deutlich getragener, war der anschließende Vortrag hebräischer Lieder durch die Sopranistin Shai Terry, die von André Röll am Keyboard begleitet wurde. Terry, einst Solosängerin in Israels Militärorchester, animierte den Saal zum Mitklatschen.

«Gedanken zur Zukunft der Juden in Europa»: Unter diesem Titel stand der Vortrag des Ehrengastes der Patenschaftsgala. Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn würdigte zunächst die «entkrampfte und entspannte Verbundenheit» der Gala-Gäste.

Rettungsanker Der Staat Israel sei der Rettungsanker für den Fall der Fälle, sagte Wolffsohn. Die zentrale Lehre der jüdischen Geschichte bestehe darin, dass die Juden einen solchen Rettungsanker bräuchten. Illustrierend skizzierte Wolffsohn mehrere aktuelle Gefahrenherde: «Der Kultur-, Kunst- und Medienbetrieb ist nicht nur israelkritisch, sondern stellt Israels Existenz infrage.» Zudem hätten sich in letzter Zeit Islamismus und Linksextremismus in ihrem Judenhass verbündet. Und viele bürgerliche Links­liberale agierten dabei als «nützliche Idioten der Antisemiten», so Wolffsohn.

Israel war, ist und bleibt ein wichtiger Rettungsanker.

Nicht alle, die sagten, sie seien Freunde Israels und des jüdischen Volkes, seien es auch: «Viele unserer Freunde sind Heuchler.» Seinen Vortrag schloss Michael Wolffsohn indes mit einem positiven Signal. «Wir können zuversichtlich sein, weil wir zusammenhalten, und der Zusammenhalt stärkt uns.» Von Zusammenhalt und Engagement zeugen auch die über 520 Patenschaften, die an diesem Abend zusammenkamen.

Bevor sich die Gäste in die laue Sommernacht verabschiedeten, trug die aus der Ukraine geflohene Sängerin Olga Kochetkova zwei ukrainische Lieder vor. Schon zur Tradition geworden, traten Artisten des «Tiger­palast Varieté Theaters» Frankfurt auf. Wie von Nicole Faktor zu Beginn erhofft: Es waren fröhliche Stunden.

www.wizo-ev.org

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