Tagung

Demokratische Werte

Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer Foto: Stefan Laurin

Welchen Wert hat die Demokratie? Dieser und anderen Fragen gehen noch bis zum 3. September 140 Stipendiatinnen und Stipendiaten von 14 verschiedenen Begabtenförderungswerken nach. Darunter auch Vertreterinnen und Vertreter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks. Bevor die Teilnehmer während der laufenden Woche herausarbeiten werden, welche politischen und religiösen Werte eine diverse und pluralistische Gesellschaft tragen und stark machen, kamen sie am vergangenen Sonntag zur Sommerakademie im Haus Villigst in Schwerte zusammen.

In seinem Grußwort wies Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats, auf die Bedeutung intellektueller Offenheit hin: »Die Frage, wie der andere etwas sieht, und immer in Betracht zu ziehen, dass er vielleicht doch recht oder zumindest ein bisschen recht haben könnte, ist in der Demokratie eine der entscheidendsten Eigenschaften. Ob es am Ende auch der Wert der Demokratie ist, werden Sie nach diesen Tagen intensiver politischer Bildung vielleicht beantworten können.«

toleranz Lehrer zitierte einen Gedanken des 2018 verstorbenen israelischen Schriftstellers Amos Oz, der in einem Essay einen Fanatiker als jemanden beschrieben hatte, der sich nicht durch Lautstärke auszeichne, sondern durch den Mangel an Toleranz gegenüber Andersdenkenden, durch kompromisslose Selbstgerechtigkeit, einen Mangel an Sentimentalität sowie Stumpfheit.

In einem Kurzvortrag zum Thema »Demokratie und Toleranz« wies Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie und Direktor des Forschungszentrums »Normative Ordnungen« an der Goethe-Universität Frankfurt, darauf hin, dass Toleranz ein schillernder Begriff sei. Es gebe eine Toleranz, die darauf beruht, dass diejenigen, die an der Macht seien, Minderheiten eingeschränkte Rechte zugestehen würden.

Als Beispiel nannte er die mittelalterlichen Regeln, wonach es Juden erlaubt war, in bestimmten Bezirken einer Stadt zu leben. Dem entgegen stehe die Idee der Toleranz aus Respekt, die Minderheiten toleriert, weil sie dieselben Grundrechte haben wie die Mehrheitsgesellschaft. Es gebe jedoch auch Grenzen der Toleranz: »Beim Thema Rassismus diskutieren wir nicht über Toleranz, sondern über Rassismus. Da müssen klare Grenzen gesetzt werden.«

podiumsgespräch Bei einem anschließenden Podiumsgespräch diskutierten die Religionswissenschaftlerin Hannan Salamat, Frederek Musall, Professor für jüdische Philosophie und Geistesgeschichte an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, und Aladin El-Mafaalani, Soziologe und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Uni Osnabrück, miteinander.

Hannan Salamat berichtete von Projekten in München, bei denen gläubige Juden und Muslime zusammenarbeiteten, und das nicht nur zum Thema Religion, sondern auch im kulturellen Bereich: Die Menschen seien mehrdimensional, man könne sie nicht auf ihre Religion beschränken. Frederek Musall sagte, man müsse sich beim Nachdenken über Demokratie auch mit der Frage beschäftigen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. »Das ist eine Frage, die uns Angst macht.«

El-Mafaalani machte klar, dass die demokratischen Gesellschaften nicht auf Werten, sondern auf Faktoren wie einer gemeinsamen Geschichte und einer ethnischen und religiösen Homogenität beruhen. »Das alles wurde von den emanzipatorischen Bewegungen angegriffen und zerstört.« Künftig werde man in einer hyperdiversen Gesellschaft leben. Die Zukunft läge im Nebel, man müsse Wege finden, mit Konflikten innerhalb der Gesellschaft neu umzugehen, denn die alten Fundamente würden nicht mehr tragen.

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Ferien

Spiel, Spaß, Werte

Gerade beginnt der dritte Turnus der ZWST-Machanot. Bildungsreferentin Liya Cinciper über Heimweh, Handyzeiten und Kühlung bei Hitze

von Helmut Kuhn  13.08.2026

Hitze

Kühl beten, kühl bleiben

Gemeinden und jüdische Einrichtungen bekommen die hohen Temperaturen sehr zu spüren. Einige behelfen sich mit kalten Tüchern, manche mit Ventilatoren, andere haben Klimaanlagen

von Katrin Richter  13.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Wiesbaden

Hessen verlängert Staatsvertrag mit jüdischen Gemeinden

Die Zahlungen an jüdische Gemeinden steigen schrittweise

 12.08.2026

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Gedenken

Stolpersteine für jüdische Familie Frank in Erfurt

Als Zwölfjährige wurde Ingeburg Geißler nach Theresienstadt deportiert. Jahrzehnte später erzählt sie von ihrem Schicksal. Ihre Stimme soll nun bei der Gedenkveranstaltung erklingen

 11.08.2026

Porträt der Woche

Aus Erfahrung handeln

Marina Koren hat Ausgrenzung erlebt und unterstützt heute Betroffene von Hassgewalt

von Gerhard Haase-Hindenberg  09.08.2026