Studium

Das virtuelle Klassenzimmer

Zuerst war es nur eine fixe Idee. Warum eigentlich, fragte sich Arik Speaker vor einiger Zeit, müssen Rabbiner und Schüler sich immer in den Gemeinderäumen treffen, um zu einem Schiur zusammenzukommen? In Zeiten von Internet und Online-Konferenzen wäre es doch viel praktischer, Schiurim in virtuellen Klassenzimmern abzuhalten.

Da die Vorteile auf der Hand lagen und der ehemalige Rabbinerassistent der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) ein Mann der Tat ist, realisierte er seine Idee von einem virtuellen Klassenzimmer ebenso rasch wie professionell. In Zusammenarbeit mit der ICZ, der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) sowie Torah Mitzion München entstand so im vergangenen Jahr das jüdische Online-College LILMOD.org. Dieser Tage nun hat bereits das zweite Semester des Lernprojekts begonnen.

dreisprachig Unter dem Leitmotiv »Let my people know« werden dieses Mal insgesamt sechs Semesterkurse für unterschiedliche Niveaus auf Deutsch, Russisch und Hebräisch angeboten. »Wir wollen das Judentum in seiner Tiefe und Breite für alle überall auf der Welt zugänglich machen. Das ist heute möglich durch moderne Videokonferenztechnologie«, erklärt Speaker das Projekt.

Mitmachen kann man bequem und zeiteffizient von zu Hause aus. Erforderlich ist lediglich eine Internetverbindung über einen PC, ein Smartphone oder einen Tablet-PC sowie eine Webcam, damit man von den anderen Teilnehmern gesehen und gehört wird und aktiv am Unterricht teilnehmen kann.

Für die Vorträge und die Diskussion ausgewählter Themen aus dem Tanach wurden namhafte Dozenten gewonnen wie Rabbiner Noam Schlesinger und Rabbiner Yeshaya Balog. Das Angebot richtet sich an die jüdischen Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Teilnahme ist für Mitglieder der ICZ und der IKG kostenlos. Mitglieder anderer Gemeinden bezahlen 75 Euro pro Kurs für das ganze Semester.

Die Auswertung der Kurse aus dem ersten Semester jedenfalls stimmt positiv. Von den bisherigen rund 80 Teilnehmern können sich 90 Prozent vorstellen, erneut Veranstaltungen des Online-Colleges zu besuchen. Wohl auch deshalb verfolgt Speaker mit LILMOD.org ehrgeizige Pläne.

Für das kommende Jahr soll das Angebot auf Südamerika und Osteuropa ausgeweitet werden. Mittelfristig sollen Nordamerika, Israel und Frankreich dazukommen. »Unser Traum«, sagt der Initiator, »ist, ein weltweites College zu schaffen, wo jeder, überall auf der Welt, direkten Zugang zu vertieftem, jüdischem Lernen auf höchstem Niveau und in seiner Sprache hat.«

Porträt

Stil auf Rädern

Der Swing-Musiker Andrej Hermlin sammelt Oldtimer – und fährt sie, statt sie nur in der Garage zu bewundern. Ein Besuch in Pankow

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Reform

Hilfe im Alltag

Familien mit behinderten Kindern sorgen sich, dass ausgerechnet die Unterstützung gekürzt wird, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht

von Christine Schmitt  05.08.2026

Erfurt

Schicht um Schicht

Dort, wo eben noch Parkplätze waren, wird seit wenigen Tagen nach einem Stück jüdischer Geschichte gegraben. Erst mit dem Bagger, dann von Hand

von Katrin Richter  05.08.2026

Geschichte

Bedrohlich aktuell

Ein Forschungsprojekt von NS-Dokuzentrum und Lenbachhaus untersucht, wie völkische Gedanken vor dem Ersten Weltkrieg wirkten

von Luis Gruhler  05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026