Wesel

Das Schaf und das Alef

Probe: Jeder Schauspieler erklärt einen Begriff. Foto: jkt

Nach den guten Erfahrungen, die Ilona Riedel in der Konrad-Duden-Grundschule in Wesel gemacht hat, möchte sie gern weiter mit Kindern Theater machen. Acht- und Neunjährige verschiedener Religionen lernen jüdische Feiertage, das Judentum und Israel kennen, indem sie Theaterszenen einstudieren. Das Schaf und das Alef heißt das Stück, das Dritt- und Viertklässler sich zusammen mit der Düsseldorfer Schauspielerin und Regisseurin erarbeitet haben. Erzählt wird, wie die Schafe Buchstabe für Buchstabe vom Alefbet lernen.

»Jüdische Kultur, oder, dass man ›jiddisch‹ und nicht ›jüdisch‹ spricht und dass die Landessprachen in Israel Hebräisch (respektive Ivrith) und Arabisch sind«, haben die Kinder, während sie ihr Stück einstudierten, einfach so nebenbei gelernt», erzählt Riedel. Sie fügt mit ihrem künstlerischen Einsatz dem kindlichen Umgang mit dem Judentum eine weitere Facette hinzu.

Neue Wege Immer häufiger versuchen Lehrer, ihren Schülern einen Zugang zu Israel und dem jüdischen Leben auf anderem Wege als über den üblichen Religions- oder Geschichtsunterricht zu vermitteln. Ob es um die Recherche der Schicksale von Juden aus den Heimatstädten geht, denen man Stolpersteine setzen lässt, oder um Baumpflanzaktionen für Israel. Wer sich im Kindesalter mit ihm fremden Religionen, Kulturen und Denkrichtungen auseinandersetzt, sagen sie, wird als Jugendlicher und Erwachsener nicht zum Fremdenhasser oder zum Antisemiten. Deswegen engagierte Schulleiterin Sabine Hellebrand die Schauspielerin aus dem nahen Düsseldorf. «Schüler verschiedener Konfessionen lernen da etwas über eine Kultur, die ihnen allen fremd ist. Das ist spannend.»

Fakten Ilona Riedel selbst hat sich Zeit ihres Lebens fürs Judentum interessiert, Hebräisch gelernt und sich in der Judaistik fortgebildet. «Mir liegt es am Herzen, Fakten über Israel und das Judentum zu vermitteln, und das frühzeitig», sagt die Düsseldorferin. Theaterprojekte, bei denen sich die Kinder Inhalt und Aussage selbst erarbeiten und so immer tiefer in das Wissensgebiet einsteigen – «schon aus Neugierde» – scheinen ihr dabei besonders geeignet. Ihre Schul- und Theaterprojekte bestärken sie in dieser Annahme.

Was jetzt als Beitrag für die jüdischen Kulturtage Nordrhein-Westfalen an der Grundschule in Wesel entstanden ist, lässt sich an anderen Bildungseinrichtungen fortführen. Ilona Riedel jedenfalls freut sich schon auf die nächsten Kinder, die mit «wachen Augen und offenen Herzen sich einer fremden Welt öffnen».

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