Leo Trepp

Brückenbauer und Menschenfreund

Biografin Gunda Trepp Foto: Marina Maisel

Die Woche der Brüderlichkeit startete in München im Alten Rathaus unter dem deutschlandweiten Motto »Mensch, wo bist Du? – Gemeinsam gegen Judenfeindschaft«. Für Florian Herrmann, bayerischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, war das Grund genug, in seinem Grußwort »Flagge zu zeigen gegen Antisemitismus«.

Seine Botschaft lautete: »Wir dulden keinen Antisemitismus in Deutschland, und wir gehen mit der ganzen Härte des Rechtsstaats gegen diejenigen vor, die das anders sehen wollen.«

»nostra aetate« Auch Andreas Renz, katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit München-Regensburg, fand deutliche Worte. Er erinnerte daran, dass die Erklärung »Nostra Aetate« 1965 alle Formen des Antisemitismus beklagt und damit einen »Paradigmenwechsel im kirchlichen Verhältnis zum Judentum eingeläutet« habe.

Es sei »ein erster Schritt gewesen und ein mühevoller Prozess«, so Renz, »nachdem sich die ›Lehre der Verachtung‹ so lange und so tief im Denken und in der Haltung aller Kirchen verankert hatte«.

So klare Worte hätten Leo Trepp (1913–2010) wohl gefallen, der sich zeitlebens für Verständigung einsetzte.

So klare Worte hätten Leo Trepp (1913–2010) wohl gefallen, der sich zeitlebens für Verständigung einsetzte. Seine zweite Frau Gunda, die seine Biografie vollendete und vor Kurzem im Jüdischen Gemeindezentrum vorstellte, bestätigt seine unerschütterliche Dialogbereitschaft. Er sei »immer wieder auf andere zugegangen, auch wenn er absolut nicht ihrer Meinung war«.

städte Mit mehreren deutschen Städten war der Gelehrte auf besondere Weise verbunden: In seine Geburtsstadt Mainz kehrte er ab 1983 regelmäßig als Gastprofessor für Judaistik zurück. In Würzburg hatte er als letzter jüdischer Student 1935 an der Philosophischen Fakultät promoviert. Das Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin befähigte ihn zum Amt als letzter Landesrabbiner in Oldenburg bis Dezember 1938.

Seine erste Frau Miriam, Tochter des Amtsvorgängers, setzte alle Hebel für Trepps Freilassung aus dem KZ Sachsenhausen in Bewegung. Seine Flucht führte ihn über England in die USA, wo er erneut – in Harvard und Berkeley – studierte und als Rabbiner tätig war, um schließlich ganz in seiner Tätigkeit als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa College in Kalifornien aufzugehen.

münchen In den 90er-Jahren war Trepp regelmäßig in München zu Gast und hielt jeweils zwei Vorträge: über Mystik, Jerusalem oder jüdische Denker. Einzige Bedingung: Der höchst belesene Gelehrte wollte an den freien Abenden Kulturelles erleben.

Ein einziges Mal waren alle Veranstaltungen bereits ausverkauft. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch selbst organisierte Tickets für einen Ballettabend im Nationaltheater. Für Leo Trepp sollte dieser Münchner Feuervogel von Igor Strawinsky unvergesslich bleiben.

Gunda Trepp: »Der letzte Rabbiner. Das unorthodoxe Leben des Leo Trepp«. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2018, 284 S., 39,95 €

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