Justiz

Bronzener Charakterkopf

Die Büste von Fritz Bauer des Künstlers Pavel Feinstein steht im Foyer des Bundesjustizministeriums. Foto: xpess.berlin

Justiz

Bronzener Charakterkopf

Der Berliner Künstler Pavel Feinstein hat eine Büste von Fritz Bauer geschaffen – sie soll an Recht und Menschlichkeit erinnern

von Maria Ugoljew  02.07.2020 11:29 Uhr

Auf einer mannshohen Stele steht seit Dienstagabend im Foyer des Bundesjustizministeriums in Berlin eine bronzene Fritz-Bauer-Büste. Kritisch schaut der Jurist und Initiator des erstes Auschwitz-Prozesses seinem Gegenüber in die Augen – als wollte er ihn mahnend an die Vergangenheit erinnern.

Gefertigt wurde die Büste von Pavel Feinstein, einem in Berlin lebenden Künstler mit russisch-jüdischen Wurzeln. Er habe sich im Vorfeld viele Fotos von Fritz Bauer angeschaut und auch noch einmal so einiges über ihn gelesen, sagte der 60-Jährige während der Einweihungsveranstaltung.

Dann habe er losgelegt und versucht, eine Büste zu schaffen, die Fritz Bauer ähnlich sieht. Vier Monate habe er bis zur Fertigstellung gebraucht. Mit dem Ergebnis sei er »zufrieden«, sagte Pavel Feinstein, der sich bisher vor allem als Maler und Zeichner unter Kunstkennern einen Namen gemacht hat.

Und mit dieser Meinung war er nicht allein. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sagte anerkennend: »Du hast dich in sein Leben hineinversetzt, das sieht man, ich finde das Ergebnis einfach super.«

Justitia Warum eine bronzene Fritz-Bauer-Büste im Justizministerium besser aufgehoben ist als eine Justitia-Statue – darüber sprach Christine Lambrecht (SPD) in ihrer Danksagung. »Wenn Sie die Justizministerien und Justizpaläste dieser Welt betreten, dann empfängt Sie in aller Regel die Göttin der Gerechtigkeit«, sagte die Politikerin.

»Sie erscheint uns als junge Frau in erhabener Geste, eine Toga bedeckt ihre anmutige Gestalt.« Dass an ihrer Stelle nun eine Fritz-Bauer-Büste steht, sei auf den ersten Blick womöglich ungewöhnlich – doch im Hinblick auf die deutsche Vergangenheit ein logischer Schritt. »Es waren auch und gerade Juristen, die die Schoa – das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte – organisiert und routiniert verwaltet haben. Und sie haben sich nicht geschämt, das unter den Augen von Justitia zu tun«, sagte sie. »Diese furchtbaren Juristen haben Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten.«

Ausnahme In der deutschen Juristenschaft habe es nur wenige mutige Ausnahmen gegeben. »Fritz Bauer war eine solche mutige Ausnahme«, sagte Christine Lambrecht und rief den Gästen dessen Biografie in Erinnerung.

Fritz Bauer warnte früh vor den Nationalsozialisten.

Der engagierte Sozialdemokrat und Sohn einer jüdischen Familie warnte früh vor den Nationalsozialisten. Als Richter beteiligte er sich am Generalstreik gegen ihre Machtübernahme. Er wurde zweimal verhaftet und monatelang interniert. Er floh, tauchte unter und schrieb aus dem Exil gegen die nationalsozialistischen Verbrechen an.

Auch nach seiner Rückkehr aus dem Exil scheute er sich nicht, als engagierter Richter und Beamter politisch Stellung zu beziehen. Er setzte sich dafür ein, die Vergeltungsstrafe als ein Relikt autoritärer Denk- und Handlungsmuster abzuschaffen, weil er sie als unvereinbar mit dem Grundgesetz ansah.

ns-Unrecht Als Generalstaatsanwalt gehörte er zu den ersten Juristen, die in der jungen Bundesrepublik ernst gemacht haben mit der Verfolgung des NS-Unrechts. Fritz Bauer war es, der den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess initiierte. Die Akten dieses Prozesses sind von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe »Memory of the World« aufgenommen worden. »Zu Recht«, betonte Christina Lambrecht.

Auf dem alltäglichen Weg zur Arbeit werde die Büste die Mitarbeiter des Ministeriums nun stets daran erinnern, »Juristen zu sein, die dem Gesetz und Recht, der Menschlichkeit und dem Frieden nicht nur Lippendienst leisten«, zitierte Ministerin Lambrecht Fritz Bauer. Der bronzene Charakterkopf steht nun im Eingangsbereich des Hauses, dessen Foyer bereits seinen Namen trägt.

Frankfurt

Transparentes Haus

Die Jüdische Akademie des Zentralrats will ihren Besuchern ein vielseitiges Angebot machen

von Ayala Goldmann  04.11.2026

Düsseldorf

Ein Abend voller Sorge und Hoffnung

Die Jüdische Gemeinde ehrt Wirtschaftsministerin Mona Neubaur mit der Josef-Neuberger-Medaille

von Stefan Laurin  04.11.2026

Tel Aviv

Wie Andrea Kiewel sich endlich traute

Andrea Kiewel überrascht sich selbst und überwindet ihre Scheu vor dem Widerspruch – wegen Halloween

von Andrea Kiewel  04.11.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

 04.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026