Erinnerungskultur

»Bleibt dran, es lohnt sich!«

Preisverleihung im Jüdischen Museum Berlin Foto: Screenshot Youtube

»Jewish Traces« heißt das Projekt, mit dem die sechs Schülerinnen des Augsburger Maria-Ward-Gymnasiums den diesjährigen Rolf-Joseph-Preis gewinnen konnten. Sie schauten sich das Haus in der Friedberger Straße 9 in Augsburg an – und stellten fest, dass hinter jeder Wohnung eine Geschichte steckt.

Die mehrstöckige Immobilie gehörte dem Installateur Louis Bernheimer (1875–1942). In dem sogenannten Beth Chaluz (Haus der Pioniere) lebten und lernten viele jüdische Auszubildende, die sich auf ihre Ausreise nach Palästina vorbereiteten.

STADTFÜHRUNG Louis Bernheimer selbst und seine Frau Paula hingegen mochten ihre Heimat nicht verlassen und wurden wahrscheinlich in Auschwitz ermordet. Die Schülerinnen haben viel recherchiert und dafür gesorgt, dass Louis Bernheimer im Erinnerungsbuch steht. Und: Sie arbeiten weiter an einer Stadtführung.

Der Rolf-Joseph-Preis ist unter Schülern nach wie vor sehr beliebt: Das zeigte sich auch bei der Preisverleihung, die am Wochenende zum achten Mal im Jüdischen Museum Berlin stattfand. Bereits zum 18. Mal wurden Schüler ausgezeichnet. »Als ich von dem Rolf-Joseph-Preis erfuhr, wusste ich sofort, dass ich mitmachen werde«, sagt Neele Heinke aus Oldenburg.

Der Preis ist unter Schülern sehr beliebt.

»Na, alles koscher?! – Jüdisches Leben damals und heute« lautete in diesem Jahr das Thema. Sie entschied sich, eine Facharbeit zum Antisemitismus in ihrer Heimatstadt Oldenburg zu schreiben, und war am Ende überrascht, wie verbreitet der Judenhass ist. Für ihre Arbeit bekam sie den zweiten Preis. Den dritten Preis erhielten Schüler der Droste-Hülshoff-Realschule Dortmund, die mit dem Projekt »AG gegen rechts – Ein Imagefilm« überzeugten.

SONDERPREIS Ein Sonderpreis wurde der Lehrerin Elisabeth Knopp vom Goethe-Gymnasium in Bad Ems zugesprochen, die zum dritten Mal Schüler auf den Rolf-Joseph-Preis aufmerksam machte und sie begleitete.

»Das Projekt ›Jewish Traces‹ geht weiter – das wärmt unsere Herzen«, sagte Laudator Fabian Herbst von der »Joseph-Gruppe«. »Bleibt dran, es lohnt sich«, gab er den Preisträgern mit auf den Weg und meinte, Rolf Joseph (1920–2012) hätte »jede und jeden Teilnehmer in sein Herz geschlossen«.

Die sogenannte Joseph-Gruppe besteht aus sechs ehemaligen Schülern des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin. Sie hatten als Jugendliche die Biografie des Schoa-Überlebenden aufgeschrieben, im Eigenverlag unter dem Titel Ich muss weitermachen – Die Geschichte des Herrn Joseph veröffentlicht und später den Preis ausgelobt.

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fordert den akademischen Boykott Israels. Der jüdische Student Michael Ilyaev erklärt, warum er das für falsch hält

von Joshua Schultheis  15.04.2026

Programm

Hawdala, ein rotes Sofa und das Geheimnis der Königin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. April bis zum 23. April

 15.04.2026

München

»Die Stimmung ging sofort in Richtung Aufbruch«

Grigori Dratva über einen Anschlag auf das Restaurant »Eclipse Grillbar«, Solidarität und den Blick nach vorn

von Luis Gruhler  15.04.2026

Carolin Bohl sel. A.

Blockiertes Gedenken

Wie sich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen bei der Planung eines Benefizkonzerts für Terroropfer in Israel die Menschlichkeit durchsetzte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Gedenken

»Für mich steht sein ›Hochverrat‹ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit«

Hape Kerkeling sprach anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald über seinen Großvater Hermann, der dort fast drei Jahre inhaftiert war. Wir dokumentieren seine Rede

 13.04.2026