Duisburg

Bildung auf Augenhöhe

Angebote für junge Erwachsene Foto: Alexandra Roth

Mit Begeisterung erzählt Sofia Sokolov von ihren Besuchen am Standort in München, dass man gleich nach dem Betreten des Hauses eine besondere Atmosphäre spüre. Die Menschen würden sich im Janusz-Korczak-Haus auf Augenhöhe begegnen, jüdische wie nichtjüdische Besucher aller Altersgruppen seien willkommen. Nun steht Sokolov vor der Aufgabe, die Arbeit der Duisburger Dependance ebenso erfolgreich zu gestalten.

Am Freitag wurde in der Ruhrgebietsstadt das Janusz-Korczak-Haus eröffnet. Damit betreibt die 2009 in München gegründete Europäische Janusz Korczak Akademie neben Berlin jetzt auch eine Bildungseinrichtung an einem zentralen Standort in Nordrhein-Westfalen.

Die Lage mit guter Anbindung nach Düsseldorf und Köln sowie nach Westfalen hinein war ein gewichtiges Argument für die Entscheidung, ein Haus in Duisburg zu eröffnen. Außerdem gebe es eine sehr enge Verbindung zur Gemeinde, betont Sokolov, die die Eröffnung sowie das Programm bis zum Sommer hier plante.

NRW-weit Sitz der Akademie wird allerdings nicht das Gemeindezentrum am Innenhafen sein, sondern ein von der Gemeinde im nördlichen Stadtteil Neumühl betriebenes Büro. Doch das sei unerheblich. »Ich versuche, Veranstaltungen überall in NRW anzubieten, denn wir wollen junge Erwachsene aus der ganzen Region ansprechen«, erklärt Sokolov. »Anfang Juli gehen wir nach Köln, wo wir eine Führung durch die Archäologische Zone machen werden, dort ist der Bau eines Jüdischen Museums geplant.«

Einige andere Veranstaltungen, wie ein Wochenendseminar oder eine interreligiöse Begegnung, sind schon in Duisburg angekündigt. Deshalb darf sich Geschäftsführer Alexander Drehmann die berechtigte Hoffnung machen, dass die Niederlassung der Akademie auch für die Gemeinde eine Bereicherung sein wird. »Wir wünschen uns vor allem Synergieeffekte«, erläutert Drehmann. »Es geht darum, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, 20- bis 35- oder 40-Jährige. Für diese Menschen sollte es regelmäßig Bildungsangebote geben.«

Die Gemeinde unterstützt die Arbeit von Sofia Sokolov, indem sie ihr Räumlichkeiten überlässt und ihre Infrastruktur anbietet. Sie möchte sich aber auch am Programm beteiligen. Besonders im Bereich des interkulturellen Dialogs erwartet Drehmann eine Entlastung durch die Arbeit des Janusz-Korczak-Hauses.

Dass Duisburg in diesem Bereich ein »hartes Pflaster« sein dürfte, darüber ist man sich im Klaren. Man sei sich absolut bewusst, dass es islamistische Strukturen in der Region »in mehr oder weniger geballter Form« gebe, sagt Präsidentin Eva Haller. Sokolov weist auch auf die regelmäßigen Pegida-Demonstrationen hin, die sich in Duisburg wie in kaum einer anderen westdeutschen Stadt etabliert haben.

Dialog »Wir möchten aber keine Chance verpassen, um in einen Dialog zu treten mit jedem, mit dem man vernünftig und mit gegenseitigem Respekt sprechen kann«, betont Haller. »Das ist das Prinzip der Pädagogik von Janusz Korczak«, erinnert sie an den polnischen Arzt und Autor, der sich besonders für Kinder einsetzte.

»Jeder kann seine Meinung haben, aber wir wollen alle zusammenleben, uns kennenlernen und austauschen. Es geht um die Zukunft dieses Landes, dieser Stadt.« Dafür werde man die eigene Position aber niemals aufgeben: »Wir sind eine jüdische Organisation, haben unsere Identität und unseren Glauben. Als ›jewish peoplehood‹ leben wir in der ganzen Welt und respektieren die demokratischen Grundregeln der Gesellschaft.«

Doch nicht nur jüdische Themen sollen in der Bildungsarbeit des Janusz-Korczak-Hauses behandelt werden. »Uns geht es vielmehr um die jüdische Perspektive in vielen Diskussionen«, erklärt Sokolov. »Die Gemeinden konzentrieren sich eher auf die Sozialarbeit und die Theologie. Wir können auch über Religion sprechen, aber aus Sicht der Wissenschaft und Bildung.« Sie habe Unterstützung von der muslimischen, katholischen, evangelischen Seite erfahren, sagt Sokolov. »Die Bereitschaft zur Kooperation ist da.«

Berlin

Israelischer Starkoch auf den Spuren seiner deutschen Großmutter

Schnitzel - das klingt erst einmal sehr deutsch. Dieses Schnitzel allerdings kommt anders daher. Ein Besuch im Berliner Restaurant »Berta«, das ein israelischer Starkoch nach seiner deutschen Großmutter benannt hat

von Nina Schmedding  22.04.2026

78 Jahre Israel

Masal Tow

Auf den Gedenktag Jom Hasikaron folgt der Unabhängigkeitstag Jom Haazmaut. Wir haben Jüdinnen und Juden gefragt, was sie dem Land wünschen

von Katrin Richter  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Berlin

Abbruch nach Antisemitismus bei Makkabi-Spiel

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der antisemitischen Volksverhetzung und Beleidigung

 20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026

Porträt der Woche

Der Klang eines neuen Lebens

Hannah Katz stammt aus Boston und fühlt sich, auch wegen der Musik, in Berlin zu Hause

von Alicia Rust  19.04.2026

Gedenken

Das Buch der Erinnerung

Zu Jom Haschoa las Ilan Birnbaum aus den Schilderungen seines Vaters

von Luis Gruhler  19.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Gedenken

Chemnitz erhält 19 weitere Stolpersteine

Die Stolpersteinverlegung beginnt am Mittwoch, 6. Mai

 17.04.2026