Dresden

Bilder aus dem Haus der Ewigkeit

Jacobs Fotos sind schwarz-weiß und analog. Foto: Marcel-Th. Jacobs

Seit fast 15 Jahren fotografiert Marcel-Th. Jacobs jüdische Friedhöfe. Mehrere Tausend Negative hat der Berliner inzwischen in seinem Archiv. Doch Jacobs hat kein Faible für Morbides. Im Gegenteil – ihn interessieren das Leben, die Lebensgeschichten der Verstorbenen.

»Hinter jedem Grabstein verbirgt sich eine Biografie«, sagt der 53-Jährige. »Jede steinerne Erinnerung gibt einen kleinen Einblick in eine jüdische Alltagskultur, die durch den Nationalsozialismus weitgehend ausgelöscht wurde.« Diese Zeugnisse jüdischer Kultur will Jacobs mit der Kamera bewahren. Er fotografiert ausschließlich schwarz-weiß und analog, um nichts zu verfälschen.

33 Fotografien zeigt das Dresdner Kraszewski-Museum bis zum 10. März 2019. Die Ausstellung unter dem Titel »Haus der Ewigkeit« ist ein gemeinsames Projekt des Kraszewski-Museums, von Hatikva, der Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen, dem Museum der Stadt Breslau und dem »Freundeskreis zum Erhalt der jüdischen Friedhöfe im mitteleuropäischen Kulturraum«.

Premiere In Dresden präsentiert Jacobs seine Bilder erstmals der Öffentlichkeit. Seine Motive fand er bisher in Polen, Tschechien und Deutschland. Auch der alte jüdische Friedhof Dresden gehört zu den bis dato 55 dokumentierten Ruhestätten. Im nächsten Jahr will er »Häuser der Ewigkeit« in der Ukraine ablichten. Der Markt- und Sozialforscher betreibt das Fotoprojekt im Nebenberuf und versteht sich als Dokumentar, nicht als Künstler.

Angeregt durch eine Besichtigung des alten jüdischen Friedhofs in Prag, begann Marcel-Th. Jacobs, mit dem inzwischen verstorbenen Klaus Jacobs Friedhöfe zu »sammeln«. Das Interesse galt und gilt insbesondere der alten jüdischen Friedhofskultur. Herausragend findet Jacobs den jüdischen Friedhof in Warschau, schon wegen seiner Größe. Den jüdischen Friedhof in Lodz fotografierte er, weil dort viele Juden begraben liegen, die die Textilindustrie der polnischen Stadt prägten und sich überaus stark sozial engagierten.

Netzwerk Mithilfe des Anfang dieses Jahres gegründeten Vereins »Freundeskreis zum Erhalt der jüdischen Friedhöfe im mitteleuropäischen Kulturraum« will der Fotograf das Projekt auf eine breitere Basis stellen und ein länderübergreifendes Netzwerk aufbauen. Eine Publikation mit Bildern und Texten über die Friedhöfe und den Biografien der dort Bestatteten ist in Arbeit. 2019 ist die Ausstellung im Jüdischen Museum Rendsburg zu sehen. Gerne möchte Jacobs sie auch in Israel zeigen.

»Es bricht einem das Herz, wenn man sieht, wie verwahrlost manche Friedhöfe sind«, sagt der Fotograf. Mancherorts dient der jüdische Friedhof als Müllabladeplatz, die Grabsteine sind mit Graffiti beschmiert, gelegentlich auch mit antisemitischen. Mit seinen Fotos wirbt Jacobs um Respekt für die »Häuser der Ewigkeit« und will ihnen die Würde zurückgeben. »Das ist so etwas wie meine Lebensaufgabe«, sagt er und erinnert an das Sprichwort »Wirklich tot sind nur jene, an die sich niemand erinnert.«

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