Antisemitismus

Berliner Linksjugend auf Abwegen

Solid-Aktion 2019 vor dem Reichstag Foto: Reuters

Erneut sorgt der Jugendverband der Berliner Linken bei seiner Mutterpartei für Irritationen – dieses Mal mit einer israel­feindlichen Erklärung. In einem am 10. April auf einer Vollversammlung gefassten Beschluss wird Israel als »Apartheidstaat« mit »chauvinistischem Charakter« und der Zionismus als »reaktionäre, bürgerliche Ideologie« bezeichnet. Katina Schubert, Vorsitzende der Berliner Linkspartei, dazu: »Selbstverständlich darf man Israel, genau wie jeden anderen Staat, kritisieren.«

Die Grenze sei aber bei einer Infragestellung Israels gegeben, so Schubert im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Sie bezeichnet den Beschluss der Berliner Linksjugend als in Teilen »antisemitisch«. Das müsse Konsequenzen haben. Sie kündigt an, dem Jugendverband die pauschale Finanzierung durch die Partei entziehen zu wollen.

einfluss Dem stimmt Landesvorstandsmitglied Paul Schlüter, der auch dem Jugendverband angehört, zu. Er meint, die Debatte bei der fraglichen Landesvollversammlung sei von einer »antisemitischen Stimmung« und dem Einfluss einer »trotzkistischen, sektenartigen« Gruppe geprägt gewesen. Die habe die Jugendorganisation vor etwa anderthalb Jahren »gekapert«. Für repräsentativ hält Schlüter die in dem Israel-Beschluss zum Ausdruck gebrachten Ansichten aber nicht – weder in der Gesamtpartei noch unter ihren jungen Mitgliedern.

Der Grünen-Politiker Volker Beck hat daran Zweifel. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete hatte der Partei bereits 2011 vorgeworfen, dass sie ein systematisches Problem mit israelbezogenem Antisemitismus habe. In seiner damaligen Rede vor dem Bundestag hatte er die Linken aufgefordert, »sich klarer zu einer Politik gegen Antisemitismus« zu bekennen.

Eine echte Kehrtwende habe er seitdem in der Partei nicht beobachten können, sagte Beck der Jüdischen Allgemeinen. Zwar gebe es bei der Linken »keine monolithische Position zu dem Thema«, dennoch würden »anti-israelische Narrative« durchaus auch von führenden Politikern der Partei gepflegt. Das sei wiederum anschlussfähig für die Positionen der Berliner Linksjugend.

Kurz nach dem Vorstoß Schuberts ruderte die Berliner Linksjugend auf Twitter etwas zurück.

Auch der Landesverband der Linkspartei in der Hauptstadt zeigte sich in Bezug auf die anti-israelische Haltung seiner Jugendorganisation nicht durchweg geschlossen. Der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak wird von der Tageszeitung »nd« mit den Worten zitiert: »Wir sollten unserer Jugendorganisation nicht diktieren, welche Positionen sie einzunehmen hat.« Disziplinarmaßnahmen gegen die Linksjugend lehne er ab, diese sei einfach »ein bisschen linksradikaler als andere«.

Damit wendet sich Koçak gegen die von seiner Parteichefin Katina Schubert vorgeschlagene Sanktion. Sie hatte angekündigt, dem Jugendverband Gelder nur noch projektbezogen zukommen zu lassen. Am 29. April wird darüber der Landesvorstand abstimmen. Kurz nach dem Vorstoß Schuberts ruderte die Berliner Linksjugend auf Twitter etwas zurück. Man habe sich »nie gegen die Partei Die Linke gewandt« und trete mit der Mutterpartei gerne über die Finanzierungsfrage in »Austausch«.

DEMONSTRATION Im Umfeld des Bundesvorstands der Linksjugend ist zu erfahren, dass die heftige Kritik und die angekündigten Sanktionen durchaus Eindruck gemacht hätten. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass das israelfeindliche Positionspapier wieder zurückgezogen werde.

Einige Vertreter der Berliner Linksjugend sendeten allerdings am vergangenen Wochenende ein ganz anderes Zeichen. Sie nahmen an den »palästina-solidarischen« Demonstrationen in Neukölln und Kreuzberg teil, auf denen es wiederholt zu antisemitischen Parolen und Beleidigungen kam. Zwar verurteilte die Linksjugend auf Twitter »vereinzelte antisemitische Vorfälle«, kam insgesamt aber zu einem eindeutigen Fazit: »Richtig starke Demo gewesen!«

Berlin

Mahnmal für zerstörte Synagoge beschmiert

Die Sachbeschädigung des Mahnmals am Lindenufer sei am Mittwochmorgen über die Internetwache der Polizei Berlin angezeigt worden

 21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Schawuot

Alles Käse

Ob Oreo-Cheesecake, israelischer Käsekuchen oder Napoleon-Torte: Familien verraten ihre Lieblingsrezepte und erzählen, warum milchige Desserts zum Fest unverzichtbar sind

von Christine Schmitt  21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026

Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Eindrücke vom Wochenende in Stuttgart

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026