Schleswig-Holstein

Auszeichnung für einen Überlebenden

Einen kleinen Festakt gab es trotz Corona: Jurek Szarf mit Bundesverdienstkreuz Foto: Inken Schmidt | Stodo.NEWS

Seit vielen Jahren schon setzt sich Jurek Szarf für die Erinnerungskultur ein. Nicht nur mit seinem autobiografischen Buch, sondern vor allem mit unzähligen Schulbesuchen und Vorträgen kämpft der 87-Jährige als einer der letzten Zeitzeugen gegen das Vergessen.

Am 1. September bekam Szarf nun von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Szarf wurde im Dezember 1933 im polnischen Lodz geboren und hatte unter der Diktatur der Nationalsozialisten im dortigen Ghetto gelebt, im Alter von zehn Jahren Zwangsarbeit geleistet und dank seiner Tante drei KZs überlebt, bevor er schließlich im Alter von elf Jahren von der Roten Armee aus dem KZ Sachsenhausen befreit wurde.

Erinnerungsarbeit Bei der Verleihung in Kiel lobte Ministerpräsident Günther: »Jurek Szarf hat sich herausragende Verdienste als Zeitzeuge in der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus erworben.« Durch seine Erinnerungsarbeit und Arbeit an Schulen erfahre besonders die junge Generation, »wie wichtig es ist, sich mit den Themen Antisemitismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen«, betonte der Ministerpräsident weiter.

Günther nahm sich eine halbe Stunde Zeit für ein persönliches Gespräch mit Szarf, der ihm abschließend noch seine Memoiren Ich lebe, um zu überleben schenkte. Zur Preisverleihung wurde Jurek Szarf von seiner Tochter Elke begleitet, die aus Heidelberg angereist war.

Das Verdienstkreuz habe er mit gemischten Gefühlen empfangen, sagte Szarf.

Das Verdienstkreuz habe er mit gemischten Gefühlen empfangen, sagte Szarf. »Als Jugendlicher wurde ich im Konzentrationslager von Nazis bewacht, die mich erschießen wollten, nun stehen immer noch Polizisten mit Waffen vor der Synagoge.«

Manchmal habe er das Gefühl, dass sich wenig verändert habe. Zwar zeige die Auszeichnung den Respekt für sein Engagement in den vergangenen 20 Jahren, sagte Szarf, »doch es ist immer wie ein Rucksack, den ich mit mir trage«. »Dort werde ich ausgezeichnet, und hier muss ich geschützt werden vor Leuten, die uns umbringen wollen«, beschreibt er das ambivalente Gefühl.

Feierrunde Da die Auszeichnung wegen der Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ohne Zuschauer stattfinden musste, gab es in Szarfs Heimatort Stockelsdorf in Schleswig-Holstein einen kleinen Empfang für den Geehrten. Dort wurde der Preisträger zu einer Feierrunde von Vertretern der Gemeinde eingeladen.

Auch Kreispräsident Harald Werner und Bürgermeisterin Julia Samtleben gratulierten ihm für seine jahrelange Arbeit gegen das Vergessen. Die Gemeinde übermittelte in seinem Namen eine Spende an die Gedenkstätte Ahrensbök, deren Arbeit Szarf seit langer Zeit begleitet und unterstützt.

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026

Frankfurt

»Raum geben für Differenzierung«

Zentralratspräsident Josef Schuster skizzierte in seiner Rede zur Eröffnung der Jüdischen Akademie, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut

von Josef Schuster  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert