Antisemitismus

Aufarbeitung im Wedding

»Jeder Fall ist einzig, aber es finden sich im Umgang mit den Fällen Muster«, sagt Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum der ZWST. Foto: Rolf Walter/architekturfoto.berlin

Die Ernst-Reuter-Oberschule im Wedding hat sich an die Öffentlichkeit gewandt. »Mit Betroffenheit und in klarer Ablehnung müssen wir mitteilen, dass es in der letzten Woche in unserer Schule zu einem antisemitischen Vorfall gekommen ist, bei dem ein Schüler unserer Schule Diskriminierungen erleben musste«, heißt es in der Erklärung, die Schulleiter Andreas Huth auf der Website des Gymnasiums veröffentlichte.

Der Vorfall hatte sich Mitte Dezember ereignet, die Jüdische Allgemeine hatte darüber berichtet: Ein 18-jähriger Abiturient war in der Schulkantine als »Kindermörder« beschimpft worden, Hitler wurde als »guter Mann« gelobt. Nach dem großen Medienecho hatte sich auch Berlins Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) eingeschaltet und eine »transparente Aufarbeitung des Falles« gefordert. Ihre Behörde hatte der Schulleitung auch nahegelegt, selbst via Mitteilung an die Öffentlichkeit zu gehen.

massnahmen Die Schule teilt mit, sie wolle dem jungen Mann F., der Mitte Dezember nicht zum ersten Mal Opfer einer antisemitischen Attacke wurde, einen Raum zur Verfügung stellen, in dem er seine Pausen verbringen kann. Auch das »Herstellen von Transparenz in der Schulöffentlichkeit«, die »Prüfung aller schulischen und schulrechtlichen Maßnahmen« sowie die Fort- und Weiterbildung für Lehrer und Schüler gehören zum Maßnahmenkatalog, den die Schulleitung angehen möchte.

Eingebunden sind neben der Antidiskriminierungsbeauftragten für die Berliner Schulen, Saraya Gomis, auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin und das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST).

Dessen Leiterin Marina Chernivsky wird ebenfalls die Schule besuchen. »Jeder Fall ist einzig«, sagt sie, »aber es finden sich im Umgang mit den Fällen immer Muster.« An der Schule will sie schauen, inwieweit es dort ein Bewusstsein für Diskriminierungen gibt, ob Antisemitismus als eigenständige Form wahrgenommen wird, und welche pädagogischen sowie fallbezogenen Angebote dort möglich sind. »Jede Schule soll befähigt werden, mit Rassismus und Antisemitismus kompetent umzugehen.«

schritte Unterstützung erhält F. auch vom Antisemitismusbeauftragten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg. »Die Pädagogen sollten in die Lage versetzt werden, Konflikte zu erkennen, bevor sie eskalieren«, sagt er und verweist darauf, wie wichtig es ist, »dass Diskriminierungen früh erkannt werden«.

Am wichtigsten ist allen Beteiligten, dass F. in wenigen Monaten in Ruhe sein Abitur machen kann. Die Aufarbeitung aber dauert noch; auf der Website der Schule heißt es: »Über weitere Schritte informieren wir zeitnah an dieser Stelle.«

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026