Paul-Spiegel-Preis

»Ansporn und Vorbild«

Bei der Preisverleihung am Montagvormittag: Zentralratspräsident Josef Schuster, Pastor und Preisträger Wilfried Manneke, die Laudatorin Margot Käßmann, die Vizepräsidenten des Zentralrats Mark Dainow und Abraham Lehrer sowie Gisèle Spiegel (v.l.) Foto: dpa

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den evangelisch-lutherischen Pastor Wilfried Manneke für sein jahrzehntelanges Engagement gegen Rechtsextremismus mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet. »Das Engagement von Pastor Manneke ist für uns Ansporn und Vorbild«, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

»Wir dürfen den rechtsextremistischen Umtrieben nicht tatenlos zusehen. Denn wir alle sind für den Zustand unserer Demokratie verantwortlich«, so Schuster weiter. Pastor Manneke beweise mit seinem außergewöhnlichen Engagement Mut und Beharrlichkeit.

Stärke Josef Schuster würdigte zudem den Mut des Pastors. Proteste gegen rechts seien gefährlich, betonte der Zentralratspräsident: »Alle, die mitmachen, nehmen ein persönliches Risiko auf sich.« Besonders gelte dies für die Organisatoren von Demonstrationen.

»Die wenigsten von uns haben diesen Mut und diese Stärke. Mich selbst eingeschlossen«, hob Schuster hervor. Doch sei dieses Engagement bitter nötig. »Wenn wir uns bequem zurücklehnen und viele Missstände einfach als gegeben hinnehmen, wird unsere Demokratie Schaden nehmen. In meinen Augen ist sie bereits gefährdet.«

Schuster verwies auch auf die Gefahren, denen Manneke persönlich ausgesetzt sei. Auch nachdem 2011 ein Brandanschlag auf sein Pfarrhaus verübt worden sei, habe er in seinem Engagement nicht nachgelassen. Selbst seine Kinder seien bereits gemobbt und bedroht worden.

Neonazis Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, betonte in ihrer Laudatio bei der Preisverleihung am Montag in Hannover, Manneke lasse »die Neonazis nicht einfach machen«. Der Pastor aus Unterlüß bei Celle stelle sich den Rechtsextremisten mutig entgegen, auch wenn er beschimpft oder bedroht werde. »So klar sollten alle vernünftigen Menschen mit einem Funken Bildung und Menschenliebe das tun.«

Sie selbst wolle Einschüchterungen und Anfeindungen, Rassismus und Antisemitismus, aber auch Herabsetzung von Menschen muslimischen Glaubens nicht hinnehmen, sagte Käßmann laut Redemanuskript: »Deshalb ist es so wichtig, lieber Pastor Manneke, dass Sie hier stellvertretend für diejenigen stehen, die sich den Neonazis entgegenstemmen.«

Wilfried Mannekes Kampf gegen Rechtsextremismus reicht bis ins Jahr 1995 zurück, als er sich einem Arbeitskreis gegen ein Neonazi-Schulungszentrum anschloss. Der Pfarrer zählt zudem zu den Gründern der Initiative »Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus« der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Zivilcourage Mit dem Preis für Zivilcourage zeichnet der Zentralrat seit 2009 Personen und Initiativen für ihr Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus. Er ist mit 5000 Euro dotiert und nach dem früheren Zentralratspräsidenten Paul Spiegel (1937–2006) benannt.

Zu den bisherigen Preisträgern gehört unter anderem der Verein »Gesicht zeigen!«, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einsetzt. Im Jahr 2015 wurde die Journalistin Andrea Röpke für ihre jahrelange Arbeit gegen Rechtsextremismus mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet. epd/ja

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die Preisverleihung in unserer Ausgabe am Donnerstag.

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