Stuttgart

Am Klavier die Besten

Belegten in ihrer Altersklasse den ersten Platz: Mika Alkabetz (l.) und Ofer Stolerov Foto: Edgar Layher

Den 21-jährigen Ofer Stolerov und den elfjährigen Mika Alkabetz trennen zehn Jahre. Aber sie verbindet die Liebe zur Musik. Beim diesjährigen Internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb haben beide in ihrer Altersklasse den ersten Platz in der Kategorie Klavier belegt. Bei einer Rekordbeteiligung von 64 Teilnehmern aus zehn Ländern ist der Wettbewerb in der Stuttgarter Gemeinde mit einem Festkonzert zu Ende gegangen.

Ofer Stolerov war eigens aus Jerusalem nach Stuttgart angereist, um beim Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb vorzuspielen. Sein Lehrer an der Jerusalemer Musikakademie, Vadim Monastyrski, der in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Wettbewerb in der Stuttgarter Gemeinde als Juror teilnahm, hatte ihn dazu ermuntert.

Chopin Erste Teilnahme Für Ofer Stolerov war es sein erster internationaler Wettbewerb. Dass er ihn gleich gewinnen würde, damit hat der junge Pianist nicht gerechnet. »Das Niveau hier war sehr hoch. Ich wollte einfach nur gut spielen.« Dann aber hat der Musiker, dessen Eltern in den 90er-Jahren aus St. Petersburg nach Israel eingewandert waren, mit seiner Interpretation von Beethoven, Chopin, Rachmaninov und Gil Shochat die Jury überzeugt.

Ofer Stolerov spielt Klavier, seit er sechs Jahre alt ist. Zunächst war es ein Hobby, erzählt der junge Israeli, bis er mit 15 ein Schlüsselerlebnis hatte. »Ich habe im Radio das 2. Klavierkonzert von Rachmaninov gehört. Das hat mich tief beeindruckt, und ich dachte, so will ich auch spielen.« Seitdem bestimmt das Klavierspielen sein Leben.

Er übt jeden Tag oft bis zu sieben Stunden lang. Das ist anstrengend, gibt der 21-Jährige zu, und manchmal muss er sich zwingen, zu spielen. »Aber ohne Musik kann ich nicht mehr leben. Wenn ich ein Stück dann perfekt vor Publikum spielen kann, erfüllt mich das.«

Nächstes Jahr macht Stolerov, der neben dem Studium bei der israelischen Armee angestellt ist, seinen Abschluss an der Jerusalemer Musikakademie. »Mein Ziel ist es, mich als Musiker weiterzuentwickeln und die Technik zu verbessern, um mein Repertoire zu erweitern.« Inspiration findet er in der Musik von Johannes Brahms, Frédéric Chopin oder Alexander Skrjabin.

Dirigent Der junge Israeli weiß noch nicht, ob er später als Konzertpianist arbeiten will. »Um diesen Beruf auszuüben, muss man einer der Besten sein.« Wie gut er schon jetzt ist, hat Ofer Stolerov bei dem Wettbewerb in Stuttgart bewiesen. Dennoch bleibt er bescheiden. Einen großen Traum für die Zukunft hat der Jerusalemer aber: einmal im Orchester des russischen Stardirigenten Valery Gergiev mitzuspielen.

Jetzt will er noch ein paar Tage in Stuttgart bleiben, um sich die Stadt und vor allem das Mercedes-Benz-Museum anzuschauen. Und danach geht es für ihn nach Krakau – zum nächsten Musikfestival.

»Fantasition« Der elfjährige Mika Alkabetz kann sich bei Ofer Stolerov noch so einiges abschauen. Aber auch er ist schon ein richtiger Musiker. Mika hat den ersten Platz in der Kategorie Klavier bei den unter Zwölfjährigen belegt. Und das mit einem eigens komponierten Stück. »Ich habe es ›Fantasition‹ genannt«, erzählt der Junge, der noch etwas schüchtern wirkt. Mit seinen Eltern, die aus Israel einwanderten, wohnt Mika in Stuttgart, wo er auf die Waldorfschule geht.

Zum ersten Mal hat Mika auf dem Klavier gespielt, als er fünf war. »Er wollte selbst damit anfangen. Wir sind keine musikalische Familie und haben ihn nicht gedrängt«, sagt sein Vater Gil Alkabetz. Lange hat es nicht gedauert, bis der junge Pianist auch seine Liebe zum Schreiben eigener Musik entdeckte.

Das Komponieren hat Mika so richtig gepackt. Aus einzelnen Takten setzt er heute große Stücke zusammen. »Es macht mir Spaß, schöne Musik zu schreiben und sie dann anderen vorzuspielen.« Der Elfjährige ist ein fröhliches Kind, und so komponiert er meistens fröhliche Stücke.

Musiklehrerin
Seine neuen Werke spielt Mika zuerst seinen Eltern und danach seiner Musiklehrerin Margarita Volkova-Mendzelevskaya vor. »Die hat meist noch einige Verbesserungsvorschläge«, sagt der Elfjährige, dem vor allem die Werke von Johann Sebastian Bach gefallen – »wegen der vielen Akkorde und Kontrapunkte«.

Beim Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb hat Mika nun schon zum vierten Mal teilgenommen. Schon einmal war er Erster. Dass er diesen Erfolg bei der großen Konkurrenz dieses Jahr wiederholt hat, macht seine Eltern und seine Klavierlehrerin jetzt natürlich umso stolzer.

Wenn Mika so weitermacht, kann aus ihm einmal ein großer Musiker werden. Mit seinem Berufswunsch hat sich der Elfjährige jedenfalls schon festgelegt: Er will Komponist werden. »Auch weil ein Komponist nicht so viel üben muss wie ein Pianist. Beim Üben bin ich manchmal faul«, sagt Mika mit einem Lächeln.

Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb
Begründet von der aus Moskau stammenden Konzertpianistin und Musikpädagogin Margarita Volkova-Mendzelevskaya hat sich der Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb von einer zunächst lokalen zu einer internationalen Talentschmiede entwickelt. An zwei Tagen stellten diesmal 64 junge Musiker zwischen sieben und 29 Jahren ihr Können in den Kategorien Streich- und Blasinstrumente, Gitarre, Klavier, Kammermusik und Gesang unter Beweis. Die jungen Talente kamen in diesem Jahr aus zehn Nationen. Es war die neunte Auflage des Wettbewerbs, der von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) unterstützt wird. Preise gab es in den Altersgruppen und in extra ausgelobten Sonderkategorien.

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