Handyverbot

Abschalten

Foto: Getty Images/iStockphoto

Mal eben eine WhatsApp verschicken, ein YouTube-Video mit den besten Freunden teilen oder ein Foto auf Instagram kommentieren – für Heranwachsende das Normalste auf der Welt. Teenager hängen quasi rund um die Uhr am Smartphone, was Eltern und Lehrer nicht unbedingt begeistert.

Doch problematisch wird dies vor allem dann, wenn das Handy ebenfalls im Klassenraum ständig klingelt oder Pieptöne zu hören sind, weil Mama gerade nachfragt, was der Nachwuchs zum Abendessen wünscht.

SCHULJAHR Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres wird deshalb überall wieder heftig diskutiert, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen generell für alle Schülerinnen und Schüler tabu sein sollte oder inwieweit man sich flexibel zeigen könnte. Die Unesco, die Bildungsorganisation der Vereinten Nationen, hat dazu jedenfalls eine klare Meinung und empfiehlt in ihrem »2023 Global Education Monitoring Report«, dass Smartphones nichts an Schulen zu suchen hätten, weil sie hinderlich für den Lernfortschritt seien. Konzentration und Leistungsfähigkeit würden leiden.

In Holland soll ab 2024 ein absolutes Handyverbot an Schulen gelten.

In unserem Nachbarland Holland soll deshalb ab 2024 an Schulen ein absolutes Handyverbot in Kraft treten. In Frankreich existiert ein solches für Schülerinnen und Schüler im Alter von unter 15 Jahren bereits seit 2018. Hierzulande gibt es keine bundesweit geltende Regel, da alles, was Bildung betrifft, Ländersache ist. Auch können Schulen individuelle Regeln in ihrer Hausordnung festlegen.

»Bei uns herrscht generelles Handy-Verbot«, weiß Daphna Schächter zu berichten. »Alle Schüler der 1. bis zur 4. Klasse dürfen keine Smartphones benutzen«, so die Leiterin der Yitzhak-Rabin-Schule in Düsseldorf. Das gelte ebenfalls für die Zeit, die sie im Schulbus verbringen, der sie von zu Hause abholt und dort auch wieder hinbringt. »In der Schule sind wir immer für die Kinder da, falls es Probleme geben sollte, die einen Kontakt mit den Eltern mit sich bringen.«

ELTERN Was aber neu ist und immer mehr zum Problem wird, das sind Smartwatches, mit denen man ebenfalls telefonieren kann. Auch will Schulleiterin Schächter die Eltern mehr in die Pflicht nehmen, denn manchmal sind sie es, die unbedacht handeln. »Wir möchten vermeiden, dass – wie oftmals in der Vergangenheit geschehen – sie ihre Kinder mitten im Unterricht anrufen, nur um ihnen mitzuteilen, dass heute nicht Mama, sondern die Oma sie abholen würde.«

Ähnlich sieht es am Albert-Einstein-Gymnasium, ebenfalls in Düsseldorf, aus. »Wir sind ohnehin eine voll digitale Schule, jeder Schülerin, jedem Schüler steht ein Tablet zur Verfügung. Deswegen herrscht bei uns absolutes Handyverbot«, erklärt Schulleiter Michael Anger.

Einzige Ausnahme sei der Aufenthaltsraum für die Oberstufe.
Weil es sich nicht um Unterrichtszeit handelt, die dort verbracht wird, ist die Nutzung in diesem Bereich der Schule ausnahmsweise erlaubt.

KLAUSUREN Zudem hat es sich eingebürgert, dass vor Klausuren alle Telefone eingesammelt und anschließend wieder zurückgegeben werden. »Selbstverständlich ist es schon vorgekommen, dass jemand ein Zweithandy in der Tasche hatte und damit auf die Toi­lette gegangen ist«, sagt der Schulleiter.

Und er ist ein wenig selbstkritisch. »Wir als Erwachsene sind nicht unbedingt die besten Vorbilder, weil wir selbst dauernd am Telefon hängen. Aber für uns sind es Arbeitsgeräte, und die Jugendlichen müssen lernen, Smartphones primär als genau solche zu betrachten und daher auch richtig zu nutzen.«

Wer trotz Handyverbots in der Schule beim Telefonieren oder Textnachrichten schreiben erwischt wird, dessen Smartphone kassieren die Lehrkräfte ein.

Wer trotz Handyverbots in der Schule beim Telefonieren oder Textnachrichten schreiben erwischt wird, dessen Smartphone kassieren die Lehrkräfte ein. »Die Schülerin oder der Schüler kann es sich dann am Ende des Schultages wieder bei uns abholen«, berichtet Michael Anger. Passiert das zum wiederholten Male, dürfen die Eltern es schließlich in Empfang nehmen.

PAUSENHOF Rechtlich jedenfalls ist ein Mitnahmeverbot nicht durchsetzbar. Schulen können nicht dagegen vorgehen, wenn sich das Gerät im Rucksack befindet. Nur ausgeschaltet sollte es sein. Für die Nutzung dürfen jedoch klare Regeln formuliert werden. Selbstverständlich gilt ein absolutes Handyverbot im Unterricht. Auf dem Pausenhof hat es ebenso nichts verloren – zu oft kam es in der Vergangenheit zu Mobbingvorfällen, die dann gezielt gefilmt wurden.

Auch das Konfiszieren von Handys ist nur eingeschränkt möglich, beispielsweise, wenn das Gerät im Unterricht stört oder zum Schummeln benutzt wird. Als Bestrafung dafür, dass jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht hat oder häufiger zu spät kam, ist die Wegnahme durch die Lehrkraft jedoch nicht erlaubt.

Dialog zwischen den Religionen

»Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 2026« in Köln eröffnet

Mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den katholischen Judaisten Christian Rutishauser beginnt die einstige »Woche der Brüderlichkeit«

 08.03.2026

Ehrung

Holocaust-Überlebender Leon Weintraub erhält Göttinger Friedenspreis

Auszeichnung für einen Hundertjährigen und für das Schulnetzwerk »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«

 08.03.2026

Internationaler Frauentag

Sie machen die Gemeinden

Wie prägen Frauen die jüdische Community? Wir haben uns bei Vorsitzenden umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  08.03.2026

Porträt

Mit viel Gespür

Franklin Oberlaender ist Familientherapeut, liebt Bücher und das Genre »Film Noir«

von Alicia Rust  08.03.2026

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026