ZWST

Abgesagt wegen Corona

Für den April abgesagt: Der »Marsch der Lebenden« Foto: ZWST

Wegen der Ausbreitung des Corona-virus kann der diesjährige »Marsch der Lebenden« in Polen nicht wie ursprünglich geplant am 21. April stattfinden. Zu Wochenbeginn hatten die Veranstalter des Gedenkzuges im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau nach Beratungen mit den örtlichen Gesundheitsbehörden ihre Entscheidung bekannt gegeben.

Da es sich um eine internationale Veranstaltung mit 110 Delegationen aus aller Welt handle, »tragen wir die Verantwortung, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen«, heißt es in einer Erklärung der Organisatoren.

An dem drei Kilometer langen »Marsch der Lebenden« nehmen seit über 30 Jahren jedes Jahr im Frühling zu Jom Haschoa, dem israelischen Holocaust-Gedenktag, Tausende vornehmlich junge Juden und Jüdinnen sowie Schoa-Überlebende teil. Die Absage für dieses Frühjahr ist ein Novum.

BEDAUERN Aron Schuster, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), bedauerte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen den Schritt der Veranstalter.

»Die Absage ist aus Perspektive der ZWST sehr bedauerlich, der Verband hat bereits zahlreiche Anmeldungen zu verzeichnen.« ZWST-Direktor Aron Schuster

Im Rahmen ihres Projekts »Achtzehnplus« für junge Erwachsene zwischen 18 und 35 organisiert die ZWST jedes Jahr Delegationsreisen für eine Teilnahme am »Marsch der Lebenden«. »Angesichts der Teilnahme von mehreren Tausend jungen Menschen aus der ganzen Welt ist die erstmalige Absage in der langen Geschichte des Marsches der Lebenden eine nachvollziehbare Entscheidung, um Infektionswege zu unterbrechen«, sagt der ZWST-Direktor.

Man sei zuversichtlich, mit einer umso größeren Delegation als der für April geplanten bei einem Nachholtermin dabei zu sein.
Wann dieser mögliche Ersatztermin stattfinden könnte, ließen die Veranstalter des »Marsches der Lebenden« noch offen.

EINDÄMMUNG Auch andere Veranstaltungen, die von der ZWST organisiert werden, müssen im Bemühen um eine Eindämmung der Corona-Krise notgedrungen abgesagt beziehungsweise verschoben werden. So können auch drei für den März geplante Jugendreisen nach Israel im Rahmen des Programms »Taglit – Birthright Israel« nicht stattfinden. Grund dafür sind die verschärften Einreisebestimmungen der israelischen Behörden, wie die zuständige ZWST-Koordinatorin Viola Sevchuk erklärt.

»Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, auf andere Termine im Sommer auszuweichen, sofern sich die Lage bis dahin verbessert«, sagt Sevchuk. Insgesamt 96 Jugendliche seien von den Reisestornierungen betroffen. Grundsätzlich finde die Entscheidung, ob eine Veranstaltung stattfinden kann oder abgesagt werden muss, immer in Absprache mit den zuständigen Gesundheitsämtern statt, teilt die ZWST mit. Niemandem falle das in der derzeit überaus unübersichtlichen Situation leicht.

Nach reiflichen Überlegungen wurde auch der eigentlich vom 26. bis zum 29. März geplante Jugendkongress in Berlin abgesagt. Das Event soll voraussichtlich im Herbst nachgeholt werden, wie es vonseiten der ZWST hieß.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor dem Hintergrund der stetig steigenden Zahl von Corona-Infizierten in Deutschland mit Blick auf die Absage von Veranstaltungen an das Verantwortungsgefühl der Organisatoren appelliert und empfohlen, Großevents mit mehr als 1000 Besuchern ausfallen zu lassen.

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