Köln

242 Patenschaften

»Wohltätigkeit, perfekte Organisation, Gemeinnützigkeit – das verbinde er mit WIZO, sagt André Kuper und fügt hinzu: «Gerade in diesen Tagen ist es wichtig, Seite an Seite mit der jüdischen Gemeinde zu stehen.» Rhetorisch fragte der Präsident des nordrhein-westfälischen Landtags: «Ist es nicht jedes Jahr ähnlich?»

Denn auch vor einem Jahr, als Kuper einer der prominenten Gäste beim traditionellen Ball der Kölner Gruppe der «Women’s International Zionist Organisation» (WIZO) war, wurde in verschiedenen Reden an den bedrohlichen Lebensalltag in Israel und an antisemitische Vorfälle in Deutschland erinnert.

Daher müsse er nun eigentlich über Halle oder andere antisemitische Straftaten sprechen, sagt der Politiker. Doch statt der immer wieder notwendigen Verurteilung dieser Taten eine weitere hinzuzufügen, setzt Kuper einen anderen Akzent und betont: «Jedes Jahr gibt es auch zahlreiche Menschen, die gegen Antisemitismus aufstehen und sich zu Israel bekennen.» Sein Appell an die rund 260 Gäste im festlich gestalteten Ballsaal der «Wolkenburg»: «Wir stehen zusammen, und das bleibt – egal, was kommen mag.»

Schirmherrin Ein solch persönliches Zeichen setzte auch die Schirmherrin der Veranstaltung. «Unterstützung, insbesondere für Frauen und Kinder, die wirklich Unterstützung brauchen, Zuverlässigkeit in der Pflege von Kontakten, ein hohes Engagement sowie ein großer freundschaftlicher Zusammenhalt – das ist für mich WIZO», betont die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

«Viele können von Chancengerechtigkeit nur träumen.» Henriette Reker

Ihre Verbundenheit zu Israel reiche bis in die Jugendzeit zurück, als sie das Land bereiste, erzählt sie. Das Stadtoberhaupt berichtet von ihrem jüngsten Besuch in einem über den Städtepatenschaftsverein Köln – Tel Aviv betriebenen Kindergarten, der sie sehr bewegt habe. «Viele Kinder können von Chancengerechtigkeit nur träumen; daher ist es unsere Aufgabe, dazu beizutragen, zukünftigen Generationen eine gute friedliche Welt zu hinterlassen.»

Ehrenamtliche Henriette Reker würdigte überdies nicht nur die WIZO mit ihren weltweit rund 250.000 Ehrenamtlichen, sondern insbesondere «das unermüdliche Engagement der Kölner WIZO-Frauen».

Schon Wochen vorher sei der WIZO-Ball in der Rheinmetropole ausgebucht, wundert sich WIZO-Deutschland-Präsidentin Nicole Faktor und bezeichnet dies als jährlich zu beobachtendes «Kölner Phänomen». Es brauche gar keine Erinnerungs-E-Mail mehr, meint Faktor und lobt in dem Zusammenhang die engagierte Arbeit der Kölner WIZO mit ihrer Vorsitzenden Orly Licht.

In diesem Jahr lautet das Kölner WIZO-Motto «Feel the love». Faktor beschreibt, wie die Frauenorganisation sich für Menschen jeden Alters – unabhängig von Herkunft und Religion – in Israel einsetzt.

Perspektiven Wie schwierig es für die WIZO indes ist, sich für eine bessere Zukunft und Frieden in Israel einzusetzen und insbesondere Kindern Chancen und Perspektiven für ein besseres Leben zu eröffnen, macht Faktor mit Blick auf die aktuelle Situation deutlich. «Vor wenigen Wochen flogen Raketen sogar bis hinter Tel Aviv – das ist eine andere Dimension im Vergleich zum letzten Jahr, als ich auch hier stand, während Raketen auf Israel flogen.»

Die WIZO hat biblische Vorbilder, sagt Rebbetzin Sarah Brukner.

Eine besondere Anerkennung gibt es auch von Sarah Brukner. Denn nach Ansicht der Rebbetzin kommen die Vorläuferinnen der WIZO schon in der Bibel, genauer im Buch Exodus, vor. «Zwei Welten, drei Frauen, ein Ziel: ein Kind zu retten», fasst Brukner die biblische Darstellung von der Rettung Mose zusammen, der als Baby in einem Körbchen auf dem Nil trieb. «Welche Chancen hatte das drei Monate alte Baby zu überleben?», fragt Brukner und erinnert daran, dass die Tochter des Pharaos, die das Kind entdeckte, so reagierte, wie eine Frau reagieren muss: «Sie hat Erbarmen.»

Empathie Mithilfe der Schwester Miriam gelingt es den Frauen aus so unterschiedlichen Lebenswelten, die Mutter von Moses ausfindig zu machen und dem Kind eine Zukunft zu geben. «Diese Frauen sind Vorbilder für alle WIZO-Frauen, wenn es darum geht, Kindern eine gute Umgebung für Bildung und Zukunft zu schaffen.»

Die von Nicole Faktor als «wunderbare und tolle WIZO-Gäste» gewürdigte Festgesellschaft, die von der glänzend aufgelegten «Vogue Live Showband» aus Paris und der charmanten Moderatorin Katja Burkard ebenso professionell wie unterhaltsam durch die rauschende Ballnacht geführt wird, nimmt die Reden sehr gut auf und unterbricht diese immer wieder mit Applaus. 242 Patenschaften für jeweils 500 Euro stehen in den frühen Morgenstunden fest: 242 Kinder in Israel haben somit für ein Jahr einen sicheren Betreuungsplatz.

wizo-ev.org/uber-wizo-2/wer-wir-sind-was-wir-tun-2/

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Berlin

Zusammen genießen

Zum fünften Mal fand das Koschere Streetfood-Festival statt – mit Geschmäckern von fast überall

von Katrin Richter  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026