Makkabäer

Wir feiern einen Sieg

Aufstand der Makkabäer Foto: dpa

Jedes Jahr unterscheidet sich das Chanukkafest von dem des Vorjahres. Denn jedes Jahr gibt es andere Konflikte, mit denen man den Makkabäer-Aufstand vergleichen kann. Warum ist das so? Weil wir immer wieder von Neuem lernen müssen, wie teuer es uns zu stehen kommt, wenn wir vergessen, dass Religion nicht nur etwas für unsere Kinder ist. Seit Jahrzehnten haben wir unsere Feiertage und Feste darauf ausgerichtet, dass sie Spaß für die Kleinen sind. Wenn man in den vielen Büchern über das Judentum blättert, wird man schnell erkennen können, dass Chanukka ein fröhliches Lichterfest ist, mit bunten Kerzen, Sufganiot, Dreidel, Schoko-Geld, Latkes in Öl, Geschenken und mehr.

Es geht zwar um all diese Dinge, das ist richtig, aber dahinter steckt eben noch mehr, viel mehr. Das Fest Chanukka dreht sich auch um Freiheit – in religiöser und politischer Hinsicht. Es geht um Widerstand und Krieg, um die Bereitschaft, sich selbst zu opfern (in einigen grausamen Geschichten über die Makkabäer geht es beispielsweise um Eltern, die stolz sind, dass ihre Söhne zu Märtyrern werden, es geht um ein Selbstmordattentat und einen gepanzerten Kriegselefanten), um Aufstand und Bürgerkrieg, um Koalitionen mit anderen Mächten, Belagerung einer Hauptstadt, um Eroberung oder die Zerstörung religiöser und politischer Symbole.

apokryphen Manchmal hat man gar das Gefühl, es ist vor allem makaber, was man da liest, viel mehr, als dass es um die Makkabäer geht. Die Makkabäerbücher finden sich indes nicht in der Bibel, sondern in den »Apokryphen« – den außerkanonischen, das heißt nicht von Gott inspirierten Schriften. Vier dieser Bücher gibt es, von denen eigentlich nur die ersten beiden von Bedeutung sind. Es lohnt sich aber, in ihnen zu lesen, und man sollte nicht unbedingt den Kindern daraus vorlesen.

Warum feiern wir also Chanukka? Wir feiern, weil wir einen Sieg zu feiern haben. Einen Sieg, der mehr als 2200 Jahre zurückliegt. Damals wurden unsere Tradition, Religion, Kultur und politische Identität bedroht. Der Tempel in Jerusalem wurde geschändet, die Juden wurden unterdrückt. Einige indes waren bereit, sich zu wehren und haben dafür einen hohen Preis bezahlt. Sie haben nach vielen Hindernissen und viel Blutvergießen endlich gesiegt. Ihre Gegner, bei denen es sich nicht nur um Fremde und politische Feinde handelte, sondern auch um andere Juden, haben sie besiegt. Und sie haben ihre Tradition wiedereingeführt, sie wiederaufgebaut.

wunder Es gibt eine lange Tradition, aber es gibt nur ein einziges Märchen über ein Wunder, das sich auch nicht in den Makkabäerbüchern findet. Eine kleine Menge Öl brachte eine große Menge Licht hervor. Eine kleine Flasche hatte mehr Ausdauer, mehr Kraft, als man erwarten konnte. Ein weiteres Wunder – oder ein Glaubensbekenntnis –, das wir im »Al HaNissim«-Gebet lesen, war, dass Gott »die Starken in die Hände der Schwachen gegeben hat und die Menge in die Hände der Minderheit«; das bedeutet, dass die Starken von den Kleinen und Schwachen besiegt wurden (Siddur Seder Hatefillot). Aber die Makkabäerbücher beschreiben auch, dass man selbst kämpfen musste, es gab kein einfaches »Wunder«, nach dem alle Feinde plötzlich nach Hause gingen.

Was können wir heute daraus lernen? Auf welcher Seite stehen wir im gegenwärtigen Gaza-Konflikt? Sind wir Opfer, Besetzer oder Sieger? Israel sieht sich als Opfer von Gewalt, während die übrige Welt den jüdischen Staat als den Unterdrücker sieht. Sind wir die »Starken« mit einer großen militärischen Gewalt im Rücken oder die »Schwachen«, ein kleines Land, allein gelassen, lediglich ausgestattet mit großem Mut? Und sind wir bereit, uns selbst – der Erzählung entsprechend – zu opfern?

Es stellen sich viele Fragen. Haben die Aufstände in den arabischen Ländern in den letzten Monaten politische Freiheit oder religiösen Fundamentalismus mit sich gebracht? Haben sie die politische Situation verbessert oder verschlechtert? Tyrannen wurden gestürzt – jedoch oft durch andere Tyrannen ersetzt. Religion ist nicht nur für Kinder. Gerade jetzt haben wir wieder erfahren, was passieren kann, wenn auch Erwachsene ihre eigenen Traditionen ernst nehmen. Lasst uns daran denken, wenn wir duftende Sufganiot essen und »Maoz Tzur« singen. Chag Chanukka Sameach!

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