Neuausgabe

Weisheit, Verständnis, Wissen

Das aufwendig gestaltete »Buch Tanja« begründet die Ideen von Chabad Lubawitsch

von Chajm Guski  24.01.2012 10:14 Uhr

Hebräisch–Deutsch: »Das Buch Tanja«, übersetzt von Rabbiner Levi Sternglanz Foto: pr

Das aufwendig gestaltete »Buch Tanja« begründet die Ideen von Chabad Lubawitsch

von Chajm Guski  24.01.2012 10:14 Uhr

Man sollte eines vorausschicken: Das Buch Tanja, das jetzt erschienen ist, wirkt schon äußerlich auf den bibliophilen Betrachter beeindruckend: Goldschnitt, aufwendige Bindung, Leineneinband, hohe Papierqualität, zwei Lesebändchen. Das reicht aus, um ein wenig Ehrfurcht zu erwecken. Eher selten begegnen einem auf dem deutschsprachigen Markt jüdische Bücher, die so aufwendig hergestellt worden sind.

Ein erstes Aufschlagen des Buches bestätigt den äußeren Eindruck. Deutscher und hebräischer Satz sind gut gelungen, der äußere Rand der Seiten ist farblich vom Inhalt abgesetzt. Auf ihm finden sich Kommentare. Ein Anhang ist auf andersfarbigem Papier gedruckt und setzt sich somit vom eigentlichen Inhalt ab.

Das Buch Tanja von Rabbi Schneor Salman von Ljadi ist ein Buch der Chabad-Bewegung. Verfasst hat es Rabbiner Schneor Salman von Ljadi (1745-1812), der den Chabad-Chassidismus begründet und mit diesem Werk ein Fundament für die Beschäftigung mit seiner Lehre gelegt hat.

Lehre Häufig hört man auch, Das Buch Tanja oder Likkutej Amarim, wie es eigentlich heißt, sei die »schriftliche Lehre« von Chabad. Im Buch Tanja kann man nachschlagen, was Chabad bedeutet: Weisheit, Verständnis, Wissen.

Im ersten Teil des Buches erklärt Rabbiner Salman von Ljadi ausführlich seine Sicht auf das Judentum und belegt alles mit Referenzen aus dem Tanach, dem Talmud, der Mussar-Literatur und im großen Maße auch aus der lurianischen Kabbala. Die Erklärungen auf den Seitenrändern und ein ausführliches Glossar im Anhang nehmen den Leser ein wenig bei der Hand und erklären komplexe Begriffe und auftauchende Namen.

Der Übersetzer der vorliegenden Ausgabe, der Wiener Chabad-Rabbiner Levi Sternglanz, schreibt in seinem Vorwort, das Buch solle eine Anleitung sein, »wie man Liebe und Ehrfurcht erweckt«, »keine Anleitung, wie man die Gesetze beachtet, wofür bereits der Talmud und Schulchan Aruch die genauen Vorgaben liefern« und beschreibt damit, wie das Buch genutzt, ja gelernt werden sollte.

Für das tägliche Studium sind neben den Texten jeweils Tage aus dem jüdischen Kalender angegeben, die den Umfang des täglichen »Lernens« des Buches vorschlagen und so einen Jahreszyklus vorgeben. Eine frühere Fassung der Übersetzung von Rabbiner Sternglanz erschien bereits im Jahr 2000 in Österreich. Die war nur einsprachig und schnell vergriffen. Sie ist über die deutschsprachigen Internetseiten von Chabad verfügbar.

Bedürfnisse Eines der von Rabbiner Schneor Salman immer wiederholten Hauptbegriffe dieses Werkes ist der »Bejnoni«, der – wie es in der Übersetzung heißt – »Durchschnittsmensch«. Beschreiben wird die Hin- und Hergerissenheit zwischen religiösem Streben und weltlichen Bedürfnissen, es formuliert zudem eine Anleitung dafür, wie der Durchschnittsmensch diesen Konflikt lösen kann. Ein Teil des Buches trägt den Titel: »Sefer schel Bejnonim – Buch des Durchschnittsmenschen«.

Insgesamt keine leichte Lektüre: Vor allem die Begriffe aus der Kabbala sind nicht unbedingt einfach zu verstehen, stecken hinter ihnen doch weitere Konzepte. In diesem Zusammenhang wird unter anderem erklärt, woher die Bezeichnung »Chabad« kommt und was sie über die Bewegung aussagt. Laut Rabbiner Salman von Ljadi besteht der Intellekt aus den miteinander verwobenen Bestandteilen »Chochma – Weisheit«, »Bina – Verständnis« und »Daat – Wissen«. Chochma und Bina können wörtlich übersetzt werden, verweisen auch auf Begrifflichkeiten aus der Kabbala.

Gleich im ersten Kapitel begegnet dem Leser eine Erklärung, die vor allem von Chabad-Gegnern gerne zitiert wird, nämlich, dass die Seelen der Juden sich von denen der Nichtjuden unterscheiden. Kontext der Aussage und ein Kommentar dazu liegen nun auch in deutscher Sprache mit Original vor.

Eine Liste mit allen Orten, an denen Das Buch Tanja (mehr als 5.000) jemals erschienen ist, zeigt, welche hohe Wertschätzung das Werk genießt. Weltweit wird es gelesen und studiert. Bereits Kinder in Chabad-Grundschulen lernen ganze Kapitel auswendig. Diese ganz besondere Wertschätzung erklärt auch die opulente Ausstattung der vorliegenden Ausgabe. Auf der anderen Seite beweist sie auch, dass es doch möglich ist, qualitativ hohe jüdische Buchprojekte im deutschsprachigen Raum zu realisieren.

Rabbi Schneor Salman von Ljadi: Das Buch Tanja – Likkutej Amarim Tanja. 2 Bde., Kehot Publication Society, Books&Bagels, Zürich 2011. 980 S., 58 €.

Heiligung

Menschliches, Allzumenschliches

Unsere Weisen diskutierten über alle Bereiche des Lebens – auch über so Profanes wie Toiletten

von Rabbiner Netanel Olhoeft  28.10.2021

Großbritannien

Jahrzeit

Zum Gedenken an den früheren britischen Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks

 26.10.2021

Leipzig

Zeitgenössischer Diskurs

Das Rabbinerseminar zu Berlin präsentiert eine Publikation zu aktuellen Themen

 26.10.2021

Wajera

Gebot der Zurückhaltung

Als Sodom unterging, wurde Lot gerettet – weil er an der richtigen Stelle geschwiegen hatte

von Rabbiner Elischa Portnoy  22.10.2021

Talmudisches

Wie Schilf und nicht wie eine Zeder

Wie sich Rabbi Elasar gegen einen hässlichen Mann versündigte

von Rabbiner Avraham Radbil  22.10.2021

Interview

»Das Lernen hat kein Ende«

Mendel Itkin über die Digitalisierung der Talmud-Übersetzung von Lazarus Goldschmidt

von Ayala Goldmann  21.10.2021

Hessen

Josef Schuster spricht zum Reformationstag

Auf Einladung der Evangelischen Kirche hält der Zentralratspräsident einen Vortrag über 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

 20.10.2021

Geschichte

Märtyrer, Heiliger – Judenhasser?

Maximilian Kolbe ging vor 80 Jahren für einen KZ-Mithäftling in den Tod. Vor 50 Jahren wurde er für seine heroische Tat selig- und elf Jahre später heiliggesprochen. Dabei ist der polnische Pater nicht frei jeder Kritik. Wie antisemitisch war er?

von Andrea Krogmann  15.10.2021

Schabbat

Dem Tier keine Schmerzen bereiten

Warum es nur unter bestimmten Umständen erlaubt ist, Kühe am Ruhetag zu melken

von Rabbiner Avraham Radbil  15.10.2021