Nach Gewalt in Köln

Vorsicht vor dem Generalverdacht

Rabbinerin Antje Yael Deusel Foto: Thomas Barniske

Wie sollen Frauen mit sexuellen Übergriffen umgehen? Jedenfalls nicht in der Weise, dass sie sich aus der Öffentlichkeit verdrängen lassen, dass sie sich in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken lassen, und schon gar nicht dadurch, dass sie freiwillig auf Rechte verzichten, die ihnen in unserer Gesellschaft zustehen.

Die Frage ist aber eigentlich eine andere, nämlich: Wie sollen alle – Frauen und Männer – mit sexuellen Übergriffen auf Frauen umgehen? Der entscheidende Punkt liegt darin, dass die Gleichheit einer Frau, wie es angelehnt an ein Zitat von Honoré de Balzac heißt, zwar ein Recht sein mag, sie aber keine Macht der Welt zu einer Realität machen kann.

Denn auch heute noch – mehr als 150 Jahre nach dieser Aussage – sehen sich Frauen, die sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden, vor Gericht oder anderen staatlichen Institutionen zum Teil peinlichen und gar erniedrigenden Fragen ausgesetzt, wie es dazu kommen konnte.

gleichberechtigung Außerdem gibt es in diesem Zusammenhang einen weiteren Aspekt, nämlich die Frage nach Recht und Gleichberechtigung. Hier geht es um elementare Menschenrechte, die sowohl für Frauen wie auch alle anderen Mitglieder dieser Gesellschaft gelten müssen.

Genauso wenig wie Frauen »selbst schuld« daran sind, wenn sie sexuell belästigt werden, sind »alle Flüchtlinge« für die schockierenden Ereignisse in Köln und anderswo verantwortlich zu machen. Denn auch sie sind, unabhängig von politischen Gegebenheiten und vom gesellschaftlichen Status, zuerst einmal Menschen. Sie unter einen »Generalverdacht« zu stellen, ist keinesfalls statthaft. Auch dagegen muss sich die Gesellschaft wehren.

Die Autorin ist Rabbinerin des Minjan Mischkan ha Tfila in Bamberg.

Dewarim

Mosches Vermächtnis

Im fünften Buch der Tora richtet sich die Botschaft direkt an eine neue Generation

von Jacov Rürup  17.07.2026

Talmudisches

Nähe und Liebe

Was unsere Weisen über die Herausforderungen für Paare lehren

von Detlef David Kauschke  17.07.2026

Bein Hametzarim

Die verborgene Struktur der drei Wochen

Warum die Zeit der größten Trauer zugleich auf die endgültige Erlösung verweist

von Valentin Lutset  17.07.2026

Tradition

»Frauen waren schon immer weise«

Seit vier Jahren leitet Rabbanit Yemima Mizrachi Seminare für die Frauen von europäischen Rabbinern. Und definiert damit die Rolle der Rebbetzin neu

von Mascha Malburg  16.07.2026

Streit

Welche liberalen Konversionen werden in Israel anerkannt?

Die Union progressiver Juden behauptet, künftig würden nur Giurim ihres Rabbinatsgericht für die Alija anerkannt. Nun stellt der Zentralrat dies mit Verweis auf die Jewish Agency richtig

 15.07.2026 Aktualisiert

Matot-Mass’ej

Hand in Hand

In der biblischen Erzählung von der Verteilung des Landes wird ein wichtiges Prinzip deutlich

von Rabbinerin Yael Deusel  10.07.2026

Perspektive

»Viele Juden haben das Gefühl, zwischen beiden Seiten zu stehen«

Rabbiner Ammiel Hirsch gilt als eine der bekanntesten Stimmen des Reformjudentums in den USA. Ein Gespräch über Zionismus, Proteste vor Synagogen und den Bruch mit liberalen Milieus

von Alexandra Farkas Bandl  10.07.2026

Talmudisches

Der Garten Eden

Was unsere Weisen über das Paradies lehrten

von Vyacheslav Dobrovych  09.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026