Nach Gewalt in Köln

Vorsicht vor dem Generalverdacht

Rabbinerin Antje Yael Deusel Foto: Thomas Barniske

Wie sollen Frauen mit sexuellen Übergriffen umgehen? Jedenfalls nicht in der Weise, dass sie sich aus der Öffentlichkeit verdrängen lassen, dass sie sich in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken lassen, und schon gar nicht dadurch, dass sie freiwillig auf Rechte verzichten, die ihnen in unserer Gesellschaft zustehen.

Die Frage ist aber eigentlich eine andere, nämlich: Wie sollen alle – Frauen und Männer – mit sexuellen Übergriffen auf Frauen umgehen? Der entscheidende Punkt liegt darin, dass die Gleichheit einer Frau, wie es angelehnt an ein Zitat von Honoré de Balzac heißt, zwar ein Recht sein mag, sie aber keine Macht der Welt zu einer Realität machen kann.

Denn auch heute noch – mehr als 150 Jahre nach dieser Aussage – sehen sich Frauen, die sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden, vor Gericht oder anderen staatlichen Institutionen zum Teil peinlichen und gar erniedrigenden Fragen ausgesetzt, wie es dazu kommen konnte.

gleichberechtigung Außerdem gibt es in diesem Zusammenhang einen weiteren Aspekt, nämlich die Frage nach Recht und Gleichberechtigung. Hier geht es um elementare Menschenrechte, die sowohl für Frauen wie auch alle anderen Mitglieder dieser Gesellschaft gelten müssen.

Genauso wenig wie Frauen »selbst schuld« daran sind, wenn sie sexuell belästigt werden, sind »alle Flüchtlinge« für die schockierenden Ereignisse in Köln und anderswo verantwortlich zu machen. Denn auch sie sind, unabhängig von politischen Gegebenheiten und vom gesellschaftlichen Status, zuerst einmal Menschen. Sie unter einen »Generalverdacht« zu stellen, ist keinesfalls statthaft. Auch dagegen muss sich die Gesellschaft wehren.

Die Autorin ist Rabbinerin des Minjan Mischkan ha Tfila in Bamberg.

Der Eruv kann auch teilweise aus ergänzten bei der Sigi-Feigel-Terrasse

Schweiz

Ein Eruv für Zürich

Unsichtbar im Stadtbild, spürbar im religiösen Alltag. Die größte jüdische Gemeinschaft der Schweiz spannt einen symbolischen Faden – und macht jüdisches Leben sichtbarer

von Nicole Dreyfus  16.01.2026

Talmudisches

Schlechter Atem als Scheidungsgrund

Was unsere Weisen über Mundgeruch wussten

von Detlef David Kauschke  16.01.2026

Rabbi Schalom Scharabi

Jedes Wort eine Intention

Der jemenitische Raschasch ist in unseren Breitengraden kaum bekannt. Dabei hat er schon im 18. Jahrhundert gelehrt, was auch heute wieder gefragt ist: ganz bewusst zu leben – und zu beten

von Vyacheslav Dobrovych  16.01.2026

Waera

Wahre Größe

Mosche blieb stets bescheiden – und ist damit ein Vorbild an vollkommener Demut

von Aviezer Kantor  15.01.2026

Schemot

Mutige Hebammen

Die Tora lehrt, dass Zivilcourage oft im Verborgenen beginnt – bei Menschen, die keine Chronik nennt

von Rabbiner Joel Berger  09.01.2026

Talmudisches

Fledermaus

Unsere Weisen diskutieren: Handelt es sich um ein Kriechtier unter den Vögeln oder einen Vogel unter den Kriechtieren?

von Rabbinerin Yael Deusel  09.01.2026

Piraten

Ahoi vey!

Entführte Rabbiner und Sefarden auf Kaperfahrt: Ein unbekanntes Kapitel jüdischer Geschichte

von Sophie Goldblum  08.01.2026

Wajechi

Wenn Taten Segen bringen

Wie jeder einzelne Mensch durch sein Tun Engel erschaffen kann

von Vyacheslav Dobrovych  02.01.2026

Talmudisches

Sorge dich nicht!

Was unsere Weisen über den Umgang mit Angst und innerer Unruhe lehren

von Detlef David Kauschke  02.01.2026