Talmudisches

Von Schweinen

Das Schwein: »Dieses soll euch unrein sein« (3. Buch Mose 11,7). Foto: Getty Images/iStockphoto

Das Schwein gilt heute als »das« unkoschere Tier schlechthin. Die erste Quelle dafür finden wir in der Tora. Dort, wo die Speisegesetze erklärt werden, heißt es: »Was unter den vierfüßigen Tieren geteilte Klauen hat, wovon nämlich die Klauen ganz durchgespalten sind, und was wiederkäuend ist, das dürft ihr essen« (3. Buch Mose 11,3).

Es folgen dann Beispiele von Tieren, für die das meiste zutrifft, die aber keine Wiederkäuer sind. Das Schwein steht als Letztes in dieser Liste: »… auch nicht das Schwein, denn es hat zwar geteilte Klauen, und seine Klauen sind durchgespalten, es käut aber nicht wieder. Dieses soll euch unrein sein« (11,7).

UMWELT Das Schwein war Teil der nichtjüdischen Umwelt. Man konnte sehen, dass sich das Tier von allem ernährte und sich im Dreck suhlte. Die Weisen nahmen an, dass man diesen Dreck nicht einfach abwaschen könne. So heißt es im Talmud: »Rabbi Papa sagte: Die Schnauze des Schweins gleicht vorüberziehendem Kot (…), selbst wenn es aus dem Fluss kommt« (Berachot 25a).

In Kidduschin (49b) heißt es: »Zehn Kab Aussatz kamen in die Welt, neun erhielten die Schweine.« Und in Schabbat 155b sagt Rabbi Papa: »Es gibt kein Tier, das ärmer ist als ein Hund, und keines, das reicher ist als ein Schwein.« Der Hund sei auf jemanden angewiesen, das Schwein kann alles fressen.

Rabbi Jehuda sagt: »Es wird gelehrt: Man darf einem Hund Futter geben, nicht aber einem Schwein. Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Für die Ernährung des einen bist du verantwortlich, für die des anderen nicht.«

Hirten Indirekt kann man im Talmud lesen, dass das Hüten von Schweinen den Juden nicht erlaubt war. Denn in Bawa Kamma 80a geht es um Hirten, die nicht religiös waren oder erst jüdisch geworden sind und noch Schweine besaßen. »Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Hirte Buße tut, so verpflichtet man ihn nicht, sofort zu verkaufen, vielmehr kann er nach und nach verkaufen. Ebenso verpflichtet man nicht einen Proselyten, dem Hunde und Schweine als Erbschaft zugefallen sind, diese sofort zu verkaufen, vielmehr kann er sie nach und nach verkaufen.«

Absolut undenkbar war jedoch, dass ein Jude Schweine züchtet. In Bawa Kamma (82b) heißt es: »Nirgendwo darf man aber Schweine züchten.«
Die Rabbinen beobachteten, dass die Innereien der Schweine denen der Menschen ähneln. So heißt es in Ta’anit (21b): »Einst berichtete man Rabbi Jehuda, dass unter Schweinen eine Seuche ausgebrochen sei; da verfügte er ein Fasten.«

Der Talmud fragt: »Demnach wäre Rabbi Jehuda der Ansicht, eine unter einer Tierart ausgebrochene Plage gelte als unter allen Arten ausgebrochen?« Und dann antwortet der Talmud auch gleich, Schweine hätten eine Besonderheit, denn: »Ihre Därme gleichen denen der Menschen.«

Fleisch Das Schwein ist nicht koscher und darf daher nicht gegessen werden. Muss man deshalb aber auch auf den Geschmack von Schweinefleisch verzichten? Nein, sagt Jalta, die Frau von Rabbi Nachman, im Talmud (Chullin 109b): »Jalta sprach zu Rabbi Nachman: Merke, der Allbarmherzige hat für alles, was er uns verboten hat, Entsprechendes erlaubt: Blut ist verboten, aber stattdessen erlaubte er Leber.«

Jalta spielt darauf an, dass die Leber offenbar nach Blut schmeckt, und nennt ein paar weitere Beispiele für Erlaubtes und Unerlaubtes, darunter auch das Schwein: »Der Verzehr von Schweinefleisch ist verboten, aber man darf das Gehirn des Schibuta-Fischs essen.« Dessen Geschmack scheint offenbar dem von Schweinefleisch zu ähneln.

Im Laufe der Zeit wurde der Schibuta-Fisch als Barbus Grypus identifiziert. Es ist eine Art größerer Süßwasserkarpfen, der unter anderem im Euphrat-Tigris-Becken sowie in iranischen Flüssen vorkommt, die in den Persischen Golf münden.

Doch man fragt sich: Woher unsere Weisen wohl wussten, wie Schweinefleisch schmeckt?

Spiritualität

Königliche Hilfe

Was Queen Elizabeth II. mit dem Gebet »Awinu Malkenu« zu tun hat

von Dovid Gernetz  24.09.2022

Einheit

Gemeinsamer Nenner

An Rosch Haschana ist es besonders wichtig, Differenzen zu überwinden und zusammenzufinden

von Rabbiner Avichai Apel  23.09.2022

Machsorim

Zum Mitlesen

Der Berliner Verlag »Jüdisches« bringt Gebetbücher für die Hohen Feiertage mit gleichwertiger Übersetzung heraus

von Chajm Guski  23.09.2022

ORD

Auf ein besseres Jahr 5783

Angesichts des Krieges in der Ukraine ist der Wunsch nach Frieden immer und überall präsent

von Rabbiner Avichai Apel  23.09.2022

ARK

Innen und außen friedlich

Wir beten in diesem Jahr nicht nur für Sicherheit in Israel, sondern für alle Menschen und Länder

von Rabbiner Andreas Nachama  23.09.2022

Instrumente

»Tag des erschütternden Tons«

Welches ist der Klang des Neujahrsfestes: Widderhorn, Posaune oder Trompete?

von Rabbinerin Ulrike Offenberg  22.09.2022

Nizawim

Reue, Buße, Umkehr

Gott hat dem Menschen den freien Willen gegeben – dazu gehört auch der Wille, neu anzufangen

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  22.09.2022

Vorsätze

Das Alte hinter sich lassen

Warum Rosch Haschana eine gute Gelegenheit ist, sich selbst zu erneuern

von Rabbiner David Kraus  22.09.2022

Ki Tawo

Sei dankbar!

Die Tora ruft dazu auf, das Gute zu suchen, auch im Schlechten

von Rabbiner Tom Kucera  16.09.2022