Studium

Texte für Noachs Nachkommen

Im Gebet: orthodoxer Jude am Grab des Kabbalisten Yitzhak Lurya (Ari Hakadosch, Arizal, 1534–1572) in Sefad. Foto: Flash 90

Obwohl sich die Tora, die uns am Berg Sinai gegeben wurde, primär auf Juden bezieht, beinhaltet sie auch einen Gesetzeskodex für die ganze Menschheit. Das heißt, die Tora enthält Anweisungen für Juden und Nichtjuden. Der Gesetzeskodex für Nichtjuden wird »Noachs Kodex« genannt.

G’tt gab Adam sechs Gebote: Diene keinen Götzen, betreibe keine G’tteslästerung, töte nicht, stiehl nicht, brich nicht die Ehe, stelle ein Gerichtssystem auf. Ein siebtes Gebot, welches das Verzehren der Gliedmaßen eines lebenden Tieres verbietet, wurde Noach später gegeben. Zusammen stellen diese sieben Gebote Noachs Gesetzeskodex dar, da alle Menschen heutzutage Nachkommen des Noach sind. Maimonides hat entschieden, dass ein gerechter Nichtjude, der diese Gesetze hält, weil G’tt es von ihm verlangt, einen Platz in der zukünftigen Welt zugesichert bekommt.

Götzendienst Eines der sieben Gesetze verbietet Götzendienst. Nichtjuden sollten eine verfeinerte Wertschätzung des Monotheismus und seiner verwandten Konzepte wie G’ttliche Vorsehung und Allwissenheit anstreben. Dies setzt voraus, dass man sich regelmäßig mit den Prinzipien und Details monotheistischen Glaubens beschäftigt.

Im Talmud steht, dass ein Nichtjude, der Noachs Gesetzeskodex studiert, sich den selben hohen Status verdient wie der Hohepriester, der den innersten Raum des Heiligtums betritt. Wenn ein Nichtjude die sieben Gebote vollkommen erfüllen möchte, dann muss er die Einzelheiten sehr wohl kennen. Um die fundamentalen Prinzipien des Monotheismus zu verstehen, kann er bestimmte kabbalistische Texte studieren.

Gesetze Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Nichtjude chassidische oder kabbalistische Texte lesen und studieren kann, die eines der sieben allgemeinen Gesetze oder ihre Ableitungen erklären. Maimonides hat entschieden, dass Juden ihre Umwelt soweit wie möglich beeinflussen sollten, den Gesetzeskodex von Noach zu befolgen. Je mehr wir uns der Messianischen Zeit nähern, umso häufiger wird dieses Phänomen vorkommen, bis die ganze Welt das Wissen um G’tt suchen wird. Juden sollten eine führende Rolle in der Verbreitung von Noachs Gesetzeskodex spielen. Dabei sollte ganz deutlich gemacht werden, dass es uns nicht darum geht, Nichtjuden zum Judentum zu konvertieren.

Die Juden sollten die Führungsrolle als »Volk der Priester und einer heiligen Nation« akzeptieren, die ihnen vor Sinai gegeben wurde. Die Idee des »Volkes der Priester« bedeutet nicht, dass jeder Jude eine »priesterliche Funktion« erfüllt. Die Funktion eines Priesters ist es, den Menschen G’tt, und G’tt den Menschen, nahezubringen. Gleichermaßen ist jeder Jude verpflichtet, G’tt zur Welt, und die Welt zu G’tt, zu bringen.

Zur Zeit gibt es eine weitverbreitete Bewegung der Nachkommen Noachs. Tausende Nichtjuden entdecken den Glauben Noachs wieder. Nichtjuden, die mehr über Kabbala wissen möchten, sollten klare Richtlinien in Bezug auf das Studium des jüdischen Gesetzeskodex’, des universellen Kodex’ und seiner mystischen Dimension erhalten.

Nachdruck (Auszüge aus: »Die Reise nach Innen«) mit freundlicher Genehmigung des Autors, dem Direktor von Chabad Wimbledon, England. Er ist der Gründer der KabbalahUK, www.kabbalahuk.com

Schemot

Mutige Hebammen

Die Tora lehrt, dass Zivilcourage oft im Verborgenen beginnt – bei Menschen, die keine Chronik nennt

von Rabbiner Joel Berger  09.01.2026

Talmudisches

Fledermaus

Unsere Weisen diskutieren: Handelt es sich um ein Kriechtier unter den Vögeln oder einen Vogel unter den Kriechtieren?

von Rabbinerin Yael Deusel  09.01.2026

Piraten

Ahoi vey!

Entführte Rabbiner und Sefarden auf Kaperfahrt: Ein unbekanntes Kapitel jüdischer Geschichte

von Sophie Goldblum  08.01.2026

Wajechi

Wenn Taten Segen bringen

Wie jeder einzelne Mensch durch sein Tun Engel erschaffen kann

von Vyacheslav Dobrovych  02.01.2026

Talmudisches

Sorge dich nicht!

Was unsere Weisen über den Umgang mit Angst und innerer Unruhe lehren

von Detlef David Kauschke  02.01.2026

Begegnung

»Ich sehe keinen Gegensatz zwischen Toralernen und dem Militärdienst«

Die politische Lage in Israel wirft viele halachische Fragen auf. Rabbiner Ofer Livnat versucht, differenzierte Antworten zu geben

von Peter Bollag  02.01.2026

Neujahr

Am achten Tag

Auch Jesus wurde beschnitten – für die Kirchen war das früher ein Grund zum Feiern

von Rabbiner Walter Rothschild  01.01.2026 Aktualisiert

Brauch

Was die Halacha über Silvester sagt

Warum man Nichtjuden am 1. Januar getrost »Ein gutes neues Jahr« wünschen darf

von Dovid Gernetz  01.01.2026

Tradition

Jesus und die Beschneidung am achten Tag

Am 1. Januar wurde Jesus beschnitten – mit diesem Tag beginnt bis heute der »bürgerliche« Kalender

von Rabbiner Jehoschua Ahrens  01.01.2026 Aktualisiert