Talmudisches

Schawuot – Fest der Tora

Alle haben damals am Sinai die Tora bekommen – auch dieser kleine Junge. Foto: TR

Talmudisches

Schawuot – Fest der Tora

Was die Gemara über das Wochenfest schreibt

von Chajm Guski  03.06.2022 09:27 Uhr

Schawuot ist in der Tora noch nicht das Fest der Toragebung, sondern es ist Chag HaKatzir, das »Fest der Ernte« (2. Buch Mose 23,16), Chag HaSchawuot, das »Fest der Wochen« (34,22) oder Jom HaBikkurim, der »Tag der Erstlingsfrüchte« (4. Buch Mose 28,26). Diesen Bezeichnungen ist gemein, dass sie einen Bezug zum landwirtschaftlichen Jahr haben.

Das trifft auch auf die Bezeichnung »Schawuot« zu, denn laut der Tora (3. Buch Mose 23, 9–21) sollten sieben volle Wochen, also 49 Tage, gezählt werden, beginnend mit dem zweiten Tag Pessach – vom Tag, an dem ein »Omer« (ungefähr 3,6 Liter) Gerste im Tempel dargebracht werden sollte, bis zum letzten Tag, an dem ein Weizenopfer dargebracht wurde.

symbolik Woher kommt also diese zusätzliche Bedeutung der Toragebung, die heute einen wichtigen Teil der Symbolik dieses Tages bestimmt? Offenbar durch die Berechnung des Datums für die Gabe der Tora, denn ausgerechnet für dieses wichtige Ereignis gibt es in der Tora selbst kein konkretes Datum.

Ausgehend davon, dass im 2. Buch Mose 12 vom Auszug am 15. Nissan erzählt wird und im 19. Kapitel davon, dass das Volk im dritten Monat (Siwan) in der Wüste Sinai ankam, wurde über das konkrete Datum gestritten. Im Traktat Schabbat (86b) heißt es, »am Sechsten des Monats wurden den Kindern Israels die Zehn Gebote gegeben. Rabbi Josej sagt, am Siebten dieses Monats«.

Und auf welches Datum fällt Schawuot? Es heißt im Talmud (Rosch Haschana 6b): »Raw Schmaja hat gelehrt: Schawuot fällt manchmal auf den fünften Siwan, manchmal auf den sechsten Siwan und manchmal auf den siebten.« Das liegt daran, dass die Monate Nissan und Ijar 29 oder 30 Tage haben können – je nach der kalendarischen Situation – und Schawuot kein eigenes Datum hat, sondern am 50. Tag der Omerzählung ist. Beide Daten fallen also zusammen. Seitdem steht fest: An Schawuot wurde die Tora gegeben.

Schawuot ist ein besonderer Tag, weil an ihm die Tora gegeben wurde.

Im Traktat Pessachim (68b) wird dies ganz beiläufig erklärt: Schawuot ist ein besonderer Tag, weil an ihm die Tora gegeben wurde. Mar, der Sohn von Rawina, fastete das gesamte Jahr, ausgenommen an Schawuot, Purim und am Vorabend von Jom Kippur. Warum Schawuot, fragt der Talmud? »Weil dies der Tag war, an dem die Tora gegeben wurde.«

Auf dem gleichen Blatt des Talmuds wird auch von Rabbi Josef erzählt, der sich für diesen Tag ein drittgeborenes Kälbchen herrichten ließ. Denn, »wenn es nicht dieses Ereignis gegeben hätte, wie viele Josefs würden dann über die Märkte laufen?« Damit meinte er, dass er nur durch das Studium der Tora einen besonderen Namen erlangt hatte – ansonsten wäre er irgendein Josef geblieben.

Landwirtschaft Aber auch der landwirtschaftliche Aspekt wird genannt. So galt das Wetter an Schawuot offenbar als Zeichen dafür, wie es weitergehen würde. Es heißt in Bawa Batra (147a): »Drei Dinge befahl Achitofel seinen Kindern: Lasst euch nicht auf Streitigkeiten ein; begehrt nicht auf gegen die Regierung des Hauses Davids; wenn das Wetter an Schawuot klar ist, so soll man Weizen säen. Mar Zutra sagt, er habe gesagt: bewölkt.

In Nehardea sagte man im Namen Rabbi Jakows: Unter klar ist nicht vollständig klar zu verstehen, und ebenso ist unter bewölkt nicht ganz bewölkt zu verstehen; wenn es bewölkt ist und der Nordwind (die Wolken) fortträgt, so heißt dies schon klar.« Legendär ist wohl auch der Reichtum der Ernte, der schon an Schawuot sichtbar war. So erzählt Rabbi Jehuda im Namen Raws (Bawa Batra 146a): »Einst sandte jemand in das Haus seines Schwiegervaters an Schawuot neuen Wein, frisches Öl und neue Leinengewänder. Was lehrt uns das? Wenn du möchtest, sage, es lehrt die Großartigkeit des Landes Israel.« Es sei so großartig gewesen, dass die Ernte schon an Schawuot so umfangreich war.

Der säkular gefärbte Zionismus des wiedererrichteten Staates Israel hat den Fokus verstärkt auf die Ernte und die Erstlinge gelenkt. Wieder im eigenen Land, hat dieser Aspekt heute eine andere Bedeutung als in der Zeit der Diaspora.

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