Feiertage

Pessach ist das jüdische Fest der Freiheit - und der Frauen

Rabbinerin Elisa Klapheck Foto: Rafael Herlich

Feiertage

Pessach ist das jüdische Fest der Freiheit - und der Frauen

Die Rolle und Verdienste von Frauen würdigen - dafür ist Pessach eine gute Gelegenheit, sagen Rabbinerinnen. Warum sie das meinen und welchen Ausdruck diese Perspektive findet

von Leticia Witte  11.04.2025 14:35 Uhr

Überlebenswillen und Zuversicht unter widrigen Umständen: Das zeichnet Frauen nach Auffassung von Rabbinerin Ulrike Offenberg durch die Zeiten hindurch aus. Es handele sich um eine »starke spirituelle Kraft«, die bis in die Gegenwart hinein Ermutigung gegen Verzweiflung gebe, sagte die Hamelner Rabbinerin anlässlich des jüdischen Festes Pessach. »Solche Geschichten von Heldinnen haben sich auch am und seit dem 7. Oktober ereignet, und auch im Kampf des ukrainischen Volkes spielen Frauen eine zentrale Rolle.«

Pessach ist eines der wichtigsten jüdischen Feste. Es erinnert an den überlieferten Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei - und gilt somit als Fest der Freiheit. In diesem Jahr beginnt es am Samstagabend und endet am 20. April. Zeitgleich an diesem Tag begehen Christinnen und Christen mit Ostern ihren höchsten Feiertag.

Ohne Frauen keine Befreiung aus der Knechtschaft

Offenberg erklärte, dass Frauen bereits in der Pessachgeschichte eine wichtige Rolle gespielt hätten. Ein Beispiel sei die Rettung des Babys Mose durch Frauen. »Ohne diesen Mut und die Zivilcourage, sich über den Befehl des Pharao zum Kindermord hinwegzusetzen, wäre die ganze Befreiung Israels aus der Knechtschaft nicht in Gang gekommen.«

Ähnlich argumentiert die israelische Rabbinerin Dalia Marx in ihrem Buch »Durch das Jüdische Jahr«. Und: »Wir sollten nicht vergessen, dass der Kampf um Gleichheit und Freiheit aller Menschen, hinsichtlich der Gleichberechtigung der Geschlechter und auch in anderen Bezügen, noch lange nicht vollendet ist.« Marx verweist darauf, dass sich heute viele Menschen um gleichberechtigte Pessachtraditionen bemühten.

Pluralität jüdischen Lebens

In diese Richtung geht etwa die »Egalitäre Pessach Haggada«, die die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck herausgebracht hat. Das Buch enthält - anders als übliche Haggada-Schriften - auch sprachlich die Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie religiöse, politische, spirituelle und feministische Kommentare, um die Pluralität jüdischen Lebens auszudrücken.

Am Vorabend von Pessach steht das Sedermahl auf dem Programm, bei dem die Passagen vom Auszug aus Ägypten gelesen und Speisen mit symbolischer Bedeutung gegessen werden. Familien und Freundeskreise lesen und singen an dem Abend aus der Haggada.

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Israel

In Deboras Fußstapfen

Seit 2018 versuchen Frauen, an den Halacha-Prüfungen des Oberrabbinats teilzunehmen. Nun ist es ihnen gelungen

von Sophie Goldblum  08.05.2026

Talmudisches

Die Zahl 80

Was unsere Weisen über die wahre Stärke im Alter lehren

von Avi Frenkel  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Medien

Worte wiegen schwer

Was dürfen Journalisten? Auch Pressekodex und Gesetz kennen Grenzfälle. In der jüdischen Ethik wirft der Chafetz Chaim einen interessanten Blick auf die Frage, was an die Öffentlichkeit gehört

von Mascha Malburg  07.05.2026

Behar–Bechukotaj

Vom Joch befreit

Wie der Ewige seinem Volk die Last der Unterdrückung nimmt

von Rabbiner Avraham Radbil  07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026