Talmudisches

Olivenöl

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Wenn man Rabbi Jochanan, der im Land Israel lehrte, vertraut, dann ist der Verzehr von Olivenöl nicht die schlechteste Idee. Im Talmud (Menachot 85b) wird der Satz aus dem Buch Schmuel (2. Schmuel 14,2) diskutiert: »Da schickte Joaw nach Tekoa und ließ von dort eine kluge Frau holen.« Natürlich stellt sich die Frage, warum aus Tekoa? Und Rabbi Jochanan beantwortet die Frage: »Da sie dort an Olivenöl gewöhnt waren, waren sie weise.«

Daraus lernen wir heute zwei Dinge: Olivenöl scheint gut für die kognitiven Fähigkeiten zu sein – und noch viel simpler: Dem Talmud waren Oliven als Nahrungsmittel bekannt. Die Mischna (Tru­mot 1, 8–9) nennt drei Formen, in der uns Oliven begegnen: als Rohstoff für Öl, konservierte Oliven (gesalzen, in Wein oder Essig eingelegt) und natürlich roh zu verzehrende Oliven.

In der Tora ist das Detail wichtig, dass es sich beim Öl für die Menora um handgepresstes handelt

Als Rohstoff dienen sie bereits in der Tora für das Öl, das die Menora im Zelt der Begegnung speist: »Und du gebiete den Kindern Israels, dass sie dir Olivenöl bringen – reines, ausgepresstes, zur Beleuchtung, um die Lampen beständig anzustecken« (2. Buch Mose 27,20). In der Tora ist das Detail, dass es um »reines Olivenöl« geht, also um Öl, das handgepresst wurde, wichtig. Auf diesen Unterschied weist Raschi (1040–1105) in seinem Kommentar hin. Nur so könne gewährleistet werden, dass das Öl wirklich keine Rückstände enthalte.

Viel bekannter in der Tora ist jedoch eine andere Nennung. Im 1. Buch Mose: Nach der Flut sandte Noach eine Taube aus, die Land suchen sollte. Zunächst fand sie keines und kehrte zurück. Nach sieben Tagen wurde sie erneut entsandt – und kam mit einem Olivenblatt »aleh-zajit«, häufig fälschlich als Olivenzeig überliefert. Daraus hat der Talmud abgeleitet, dass das Olivenblatt und die Olive Symbole für die Annahme des gʼttlichen Willens seien.

Im Traktat Eruwin (18b) wird erzählt, dass die Taube zu Gʼtt sprach: »Herr der Welt, es ist besser, dass meine Nahrung bitter wie eine Olive ist, aber vollkommen in Deiner Hand, als so süß wie Honig, aber vollständig abhängig von den Menschen.« Der Prophet Jirmejahu (11, 16–17) geht so weit, das Volk Israel selbst mit einem Olivenbaum zu vergleichen: »Einen reich belaubten Ölbaum schön an Frucht und Gestalt nannte dich früher der Ewige; aber da er jetzt dein Getümmel hörte, zündete er Feuer an um ihn, und sie brachen seine Zweige ab.«

Der Midrasch schließt den Kreis zum Leuchter. Zum »Lied der Lieder«, Schir haSchirim Rabba (1,2), wird gelehrt: »Wie Olivenöl Licht in die Welt bringt, so bringt auch das jüdische Volk Licht in die Welt, denn es heißt: ›Völker sollen unter deinem Licht gehen‹« (Jeschajahu 60,3).

Pressen für Olivenöl (Bejt Habad) werden im Talmud mehrfach genannt

Pressen für Olivenöl (Bejt Habad) werden im Talmud mehrfach genannt, etwa im Traktat Sanhedrin (26a). Resch Lakisch sah einen Mann, der im Weinberg in einem Schabbatjahr Weinranken stutzte: »Da sprach er zu ihnen (seinen Begleitern): Ein Priester stutzt da. Sie erwiderten ihm: Er kann sagen, er brauche die Ranken als Flechtwerk für seine Olivenpresse.« Er dürfe also davon Gebrauch machen, weil er nichts für landwirtschaftliche Zwecke sammle. Resch Lakisch entgegnet ihnen mit einem Wortspiel, das Lazarus Goldschmidt (1871–1950) wie folgt übersetzt hat: »Das Herz weiß, ob zu einem Flechtwerke oder zu einem Schlechtwerke.«

Die Olive gehört darüber hinaus zu den »Schiwat HaMinim«, den »sieben Arten« des Landes Israel, die besonders zu nennen sind. So heißt es im 5. Buch Mose (8,8), das Land Israel sei »ein Weizen- und Gerste-, Wein- und Feigen- und Granatapfelland und ein Oliven- und Dattelland.«
In der Mischna und im Talmud waren Oliven eine Speise für arme und reiche Menschen zugleich. Arme aßen sie häufig roh mit Brot oder in Salz getaucht (Maaserot 4,3). Reiche Menschen konnten sich Oliven leisten, die mit mehr Aufwand vorbereitet wurden. Die Olive ist also »bloßes« Nahrungsmittel und Symbol zugleich. Eine Erinnerung daran, dass es im Judentum eigentlich nichts ausschließlich »Weltliches« gibt.

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