Antisemitismus

Nordkirche distanziert sich

»Völlig unangemessen«: Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt Foto: imago

Die evangelische Nordkirche hat sich von den Äußerungen ihres Bischofs Hans-Jürgen Abromeit distanziert, nachdem dieser in einem Vortrag von einer »Überidentifikation« Deutschlands mit dem Staat Israel gesprochen hatte. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt nannte die Formulierung »völlig unangemessen«.

»Es handelt sich bei dem Vortrag von Bischof Abromeit um seine persönliche Meinungsäußerung. Der Vortrag stellt keine Stellungnahme oder Positionsbeschreibung der Nordkirche dar«, heißt es in einer am Montag in Schwerin veröffentlichten Reaktion auf die Vorwürfe gegen Abromeit.

PALÄSTINENSER Der Greifswalder Bischof hatte in einem Vortrag am 1. August während der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz in Deutschland in Bad Blankenburg von einer »Überidentifikation mit dem Staat Israel« gesprochen. Repräsentanten der Bundesrepublik gingen so weit, das Eintreten für die Sicherheit des Staates Israel zur Staatsräson für Deutschland zu erklären. Da sich der Staat aber als jüdischer Staat verstehe, folge daraus prinzipiell die Benachteiligung der Palästinenser und eine Zurücksetzung ihrer berechtigten Sicherheitsinteressen.

Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt kritisiert Abromeits Äußerung als »völlig unangemessen«.

Abromeit erklärte am Montag, es liege ihm fern, die aus der deutschen Schuld und der christlichen Mitschuld gewachsene Verantwortung für die Sicherheit der Bürger Israels oder das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Er bedauere, dass seine Formulierungen Anlass zu Missverständnissen gegeben hätten.

»UNSÄGLICH« Abromeits Äußerungen hatten ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Auch aus der Politik war Kritik zu hören. Der religionspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, sagte der »Welt«, die Aussagen seien »unsäglich« und machten ihn »fassungslos«.

Der religionspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Castellucci, hatte betont, dass das Eintreten für die Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson »folgerichtig« sei. Er hatte Abromeit jedoch teilweise in Schutz genommen. Den Bischof als Antisemiten hinzustellen, sei überzogen, sagte er der »Welt«.

Er bedauere, dass seine Formulierungen Anlass zu Missverständnissen gegeben hätten, sagt Abromeit .

Der Greifswalder Bischof, der für den Sprengel Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist, hat sich bereits in der Vergangenheit ähnlich geäußert. So sagte er im Jahr 2016 der »Mecklenburgischen und Pommerschen Kirchenzeitung«, die Deutschen seien tief in den Nahost-Konflikt verwickelt, weil sie Verantwortung für die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden übernehmen müssten.

Nur durch die Judenverfolgung sei die Einwanderung nach Palästina so groß geworden, dass dort ein eigener Staat entstehen konnte. »Wir dürfen aber diese Verantwortung nicht zulasten des anderen, im gleichen Land lebenden Volkes, der Palästinenser, wahrnehmen«, hatte er damals gesagt.  epd/ja

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