Transplantation

Nierenspender sind Lebensretter

Effizienter als Dialyse: Nierentransplantation Foto: Getty Images / istock

Eine völlig neue Form der Wohltätigkeit wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Heute wird diese Art der Nächstenhilfe bereits in vielen Ländern praktiziert. Die Rede ist von der Spende einer Niere. Diese Transplantation hat Tausenden von Kranken das Leben verlängert oder sie sogar gerettet. Nieren gehören zu den lebenswichtigen Organen des Menschen. Wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen, man spricht von Niereninsuffizienz, ist schweres Leiden die Folge.

Dialyse Zwei Behandlungsmethoden stehen zur Wahl: die Dialyse und die Nierentransplantation. Mediziner sind sich darüber einig, dass die Transplantation – soweit individuell möglich – die weitaus bessere Lösung ist. Eine eindrucksvolle Statistik verdeutlicht dies: Mehr als 90 Prozent der Dialysepatienten sterben während der ersten zehn Jahre der Behandlung. Hingegen starben weniger als 30 Prozent der Patienten, die eine fremde Niere erhielten, in den zehn Jahren nach der Operation. In mehr als der Hälfte der Fälle funktionierte die transplantierte Niere sogar noch nach 25 Jahren.

Man unterscheidet zwischen der Transplantation einer menschlichen Leichenniere und einer Nierentransplantation von einem lebenden Spender. Die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Hilfe ist wesentlich günstiger, wenn eine lebende Person eine Niere zur Verfügung stellt. Eine solche Handlung ist ein großer Akt der Wohltätigkeit!

 

Der Autor erzählt auch seine eigene Geschichte – und warum er sich selbst entschieden hat, eine Niere zu spenden.

Der junge israelische Toragelehrte, Rabbiner Jischai Sarig, hat ein sehr lesenswertes und informatives hebräisches Werk geschrieben, um gesunde Juden zu ermutigen, eine Niere für einen kranken Menschen zu spenden. Bekannte Autoritäten haben ihm Empfehlungsbriefe (hebräisch: Haskamot) geschrieben, die im Buch abgedruckt sind. Der Autor referiert und diskutiert nicht nur zahlreiche halachische Texte, die die Nierentransplantation behandeln, sondern er erzählt ausführlich auch seine eigene Geschichte und warum er selbst eine Niere gespendet hat.

Tests Es ist in Israel offensichtlich gar nicht leicht, in den Kreis der Nierenspender zu gelangen, die für ihr Organ übrigens kein Geld bekommen. Kandidaten müssen bereit sein, sich einer Reihe von Prüfungen zu unterziehen (sogar der umstrittene Rorschach-Test wird durchgeführt). Sarig lässt eine Reihe von Frauen und Männern zu Wort kommen, die eine ihrer Nieren anderen überlassen haben; alle sprechen von einem erhebenden Erlebnis. So sagte ein Spender: »Es ist, wie wenn jemand ein Kind von einem hohen Balkon stürzen sieht, und er fängt es auf und rettet damit sein Leben.«

Die religionsgesetzlichen Erörterungen, die sich über viele Seiten erstrecken, sind im Rahmen des Toralernens zu studieren. Hier seien nur die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchungen von Sarig mitgeteilt. Niemand ist verpflichtet, eine Niere zu spenden. Aber eine solche Spende ist beim heutigen Stand der Medizin nicht verboten, obwohl die Operation dem Spender gewisse Unannehmlichkeiten wie OP-Schmerzen und erheblichen Zeitverlust bereitet. Sich zugunsten eines Kranken von einer Niere zu trennen, ist erwünscht und sehr lobenswert!

Nicht nur Psychologen mag sich folgende Frage aufdrängen: Warum sind Menschen bereit, eine ihrer Nieren zu spenden? Im Falle toratreuer Juden lautet die Antwort: Weil es ein Gebot der Tora ist, kranken Menschen zu helfen. Fromme Spender sind gewillt, eine lebensrettende Handlung auch dann auszuführen, wenn sie sich einer medizinischen Prozedur unterziehen müssen. Die Altruismus-Forschung könnte sicher noch andere Motive aufdecken.

Jischai Sarig: »Bochen Klajot Welev« (hebräisch). Hozaat Sifriyat Bet-El, Jerusalem 2018, 287 S., 79 NIS

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