Purim

Nichts ist so, wie es scheint

Unverzichtbar an Purim: Rasseln und Masken Foto: Getty Images/iStockphoto

Purim

Nichts ist so, wie es scheint

Was hinter den Masken steckt: Am fröhlichsten jüdischen Feiertag soll das Verborgene enthüllt werden

von Yisroel Juskowitz  03.03.2023 08:48 Uhr

An Purim verkleiden wir uns mit Masken und Kostümen. Hinter diesem scheinbar oberflächlichen Brauch verbirgt sich eine tiefere Bedeutung. An Purim erinnern wir uns daran, dass in der Welt nichts so ist, wie es scheint. Die wahre Welt liegt hinter all der Oberflächlichkeit. Tatsächlich bedeuten die Worte der Megillat Esther, der Schriftrolle Esther, auch, das Verborgene (haster auf Hebräisch) zu enthüllen (megaleh). In der Purimgeschichte wird die Maske abgezogen und das Verborgene enthüllt.

Viele der Hauptfiguren in der Esther-Geschichte tragen Masken und geben nicht zu erkennen, wer sie wirklich sind oder was ihre wahren Beweggründe sind. Haman erweckt den Anschein, nur das Beste für den König im Sinn zu haben, als er ihm rät, das jüdische Volk zu vernichten, und täuscht vor, die Juden seien eine Bedrohung für sein Reich, da sie ihren eigenen Gesetzen und Bräuchen folgten und nicht denen des übrigen Persien.

AMALEK In Wirklichkeit wollte er die Juden aus seinen eigenen bösen, völkermörderischen Absichten heraus vernichten, denn er war ein Nachkomme von Amalek, dem alten biblischen Stamm, der am besten für die Vernichtung der Juden geeignet war.

Mordechai verrät nie, dass er ein Verwandter und Freund Esthers ist; er gibt vor, ein einfacher Mensch zu sein, der zufällig das Leben des Königs gerettet hat. Es ist Esther, die dem König am Ende offenbart, dass Mordechai ihr lieber Verwandter ist.

Der Name Gottes wird in der Esther-Megilla nie erwähnt.

Und natürlich trägt Esther selbst eine Maske; sie gibt sich als nichtjüdische Königin aus und verrät uns ihre jüdische Identität erst ganz am Ende der Purimgeschichte.

Und auch der Herr des Universums selbst trägt während der gesamten Geschichte eine Maske. Der Name Gottes wird in der Megilla nie erwähnt. In der Tat scheint die gesamte Purimgeschichte vollständig durch natürliche Ereignisse zustande zu kommen; es gibt keine offenen Wunder in der Geschichte.

TALMUD Auch der Talmud spielt auf diesen Gedanken an, als er fragt: »Wo finden wir in der Tora einen Hinweis auf Esther?« In dem Vers »Anochi Aster, haster mipani«, was so viel bedeutet wie »Siehe, ich will mein Angesicht vor dir verbergen«. Der Name Esther kommt von dem hebräischen Wort Aster (verborgen). In der Tat ist Gott in der ganzen Geschichte verborgen, und es liegt an uns, seine Hand zu sehen.

Das ist die schöne Ironie: Haman versucht, die Hand Gottes in allem zu leugnen, und genau in dieser Geschichte zeigt Gott, dass er tatsächlich die ganze Geschichte inszeniert! Wenn wir die Megillat Esther lesen, »enthüllen wir das Verborgene«, offenbaren wir Gottes lenkende Hand sogar in natürlichen Ereignissen.

In der Tat ist Gott in der ganzen Geschichte verborgen, und es liegt an uns, seine Hand zu sehen.

Purim zeigt uns, dass die ganze Welt eine Maske ist. Die wahre Welt bleibt unter der Oberfläche. Im Leben tragen wir so oft Masken und haben Angst, unser wahres spirituelles Selbst zu zeigen. An Purim tragen wir also absichtlich die Maske, um sie als das zu entlarven, was sie wirklich ist – nichts weiter als eine Fassade. Und wir trinken so viel, dass wir unsere innere spirituelle Freude offen zeigen können. Wir lesen die Megilla und sehen, wie die verborgene Hand Gottes ein für alle Mal enthüllt wird.

Der Talmud vergleicht unser Exil mit der »Nacht« und die Purimgeschichte mit der »Morgendämmerung«. Denn wenn die Morgendämmerung kommt, wird alles enthüllt, und was einst dunkel erschien, ist nun in schimmernden Glanz getaucht.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von aish.com

Talmudisches

Von hellen Tagen und dunklen Nächten

Was unsere Weisen über die Bedeutung von Licht und Dunkelheit lehren

von Vyacheslav Dobrovych  23.01.2026

Chidon Hatanach

Unser Fundament

Der Bibelwettbewerb, der nun in München in eine neue Runde geht, erinnert an den Kern der jüdischen Seele – die Texte der heiligen Schrift

von Rabbiner Dovid Gernetz  23.01.2026

Rezension

Eine Liebe in »bitterböser Zeit«

Die Briefe von Joseph Norden an Regina Jonas eröffnen einen völlig neuen Blick auf die erste Rabbinerin der Welt

von Mascha Malburg  23.01.2026

Bo

Funke der Hoffnung

Die Tora lehrt, wie wir auch in schweren Zeiten nie Glauben und Zuversicht verlieren

von Rabbiner Netanel Olhoeft  22.01.2026

Der Eruv kann auch teilweise aus ergänzten bei der Sigi-Feigel-Terrasse

Schweiz

Ein Eruv für Zürich

Unsichtbar im Stadtbild, spürbar im religiösen Alltag. Die größte jüdische Gemeinschaft der Schweiz spannt einen symbolischen Faden – und macht jüdisches Leben sichtbarer

von Nicole Dreyfus  20.01.2026 Aktualisiert

Talmudisches

Schlechter Atem als Scheidungsgrund

Was unsere Weisen über Mundgeruch wussten

von Detlef David Kauschke  16.01.2026

Rabbi Schalom Scharabi

Jedes Wort eine Intention

Der jemenitische Raschasch ist in unseren Breitengraden kaum bekannt. Dabei hat er schon im 18. Jahrhundert gelehrt, was auch heute wieder gefragt ist: ganz bewusst zu leben – und zu beten

von Vyacheslav Dobrovych  16.01.2026

Waera

Wahre Größe

Mosche blieb stets bescheiden – und ist damit ein Vorbild an vollkommener Demut

von Aviezer Kantor  15.01.2026

Schemot

Mutige Hebammen

Die Tora lehrt, dass Zivilcourage oft im Verborgenen beginnt – bei Menschen, die keine Chronik nennt

von Rabbiner Joel Berger  09.01.2026