Diskussion

Miteinander reden und gemeinsam handeln

Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer Foto: Simon Vilk

Jüdische, muslimische und christliche Religionsvertreter haben die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen für die Gesellschaft betont.

In Zeiten, in denen Religion und Glauben für Ausgrenzung und Spaltung bis hin zu Krieg und Terrorismus instrumentalisiert würden, hätten Religionsgemeinschaften eine gemeinsame Pflicht, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, sagte der katholische Augsburger Bischof Bertram Meier am Dienstag in einer Online-Diskussion. Meier ist in der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für den interreligiösen Dialog.

diskussion An der Diskussion nahmen neben Meier der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz (CDU), die evangelische Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, und der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Burhan Kesici, teil.

Die von der Eugen-Biser-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung organisierte Veranstaltung widmete sich dem »Beitrag von Dialogbeauftragten der Religionsgemeinschaften und Vertretern gemischtkonfessioneller Dialogprojekte für ein gelingendes Zusammenleben«.

Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, erklärte, für ihn habe der interreligiöse Dialog zwei Dimensionen.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, erklärte, für ihn habe der interreligiöse Dialog zwei Dimensionen. Zum einen könnten religiöse Spitzenvertreter ein Beispiel geben, wenn sie sich über Themen wie Antisemitismus austauschten. Zum anderen sei es wichtig, den Dialog an der Basis zu stärken und dafür zu sorgen, dass etwa Kinder und Jugendliche verschiedener Religionsgemeinschaften ins Gespräch kämen.

Widmann-Mauz sagte, der interreligiöse Dialog diene als Prävention für gesellschaftliche Spaltung. Als Integrationsbeauftragte wolle sie Zusammenhalt fördern. Die Staatsministerin betonte die große Integrationskraft der Religionsgemeinschaften.

zuhören Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime, Burhan Kesici, sagte, es sei wichtig, dass es beim interreligiösen Dialog nicht um theologische Diskussionen ginge, die oft nicht weiterführten, sondern vor allem um gesellschaftliche Themen und die Frage, wie man miteinander leben könne. Der Dialog bedeute keine Mission. Die Hamburger Bischöfin Fehrs betonte, es gehe beim Gespräch zwischen den Religionen vor allem auch ums Zuhören.

Im Zentrum der Online-Veranstaltung stand der Austausch über Best-Practice-Beispiele der interreligiösen Dialogarbeit, darunter das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zusammen mit jüdischen und muslimischen Partnern initiierte Projekt »Weißt du, wer ich bin?« und die Drei-Religionen-Schule im Bistum Osnabrück.

drei-religionen-schule Die Drei-Religionen-Schule wurde im Jahr 2012 gegründet. Sie ist eine Grundschule, die als Lern- und Lebensgemeinschaft von Schülern, Müttern und Vätern, Lehrkräften und Mitarbeitern konzipiert ist. Über Feste, Projekttage und im alltäglichen Zusammenleben erfahren die Kinder eine authentische Praxis der ihnen erst fremden Religionen ihrer Mitschüler.

Die gesamtgesellschaftliche Relevanz eines solchen Dialogs lasse sich ganz konkret anhand solcher Beispiele ablesen, sagte der Augsburger Bischof Meier. »Es geht nicht nur darum, miteinander zu reden, sondern gemeinsam zu handeln.«

Wale

Leviathan in der Ostsee

Die Aufregung um »Timmy« zeigt: Riesige Meerestiere faszinieren die Menschen bis heute. Schon die Gelehrten im Talmud hatten ihre Theorien über die Bewohner der Tiefe

von Vyacheslav Dobrovych  03.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Talmudisches

Richtig beten

Kawana: Eine bestimmte geistige Haltung ist Vorbedingung für das innere Gespräch mit G’tt

von Yizhak Ahren  01.05.2026

Feiertage

Besondere Zeiten

Die Tora möchte, dass wir uns immer wieder aus unserer Routine lösen, um uns mit unseren Mitmenschen zu verbinden

von Miksa Gáspár  01.05.2026

Forschung

Der Fuchs, die Gans und der Rambam

Eine Illustration in der Kölner Abschrift der »Mischne Tora« scheint auf das Volkslied anzuspielen. Doch dies entstand viel später

von Lorenz Hegeler  30.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Talmudisches

Kraft der Gemeinschaft

Was unsere Weisen über Zusammenhalt lehren

von Rabbiner Avraham Radbil  24.04.2026

Geschichte

Als die Zeit stillstand

Während der Schoa hatten viele Juden keinen Zugang zu einem jüdischen Kalender. Trotz allem fanden sie Wege, um in den Lagern oder im Versteck den Schabbat und die Feiertage einzuhalten

von Valentin Suckut  24.04.2026