Beschneidung

Millionenfacher Eingriff

Sauber und steril: chirurgische Instrumente für die Brit Mila Foto: Flash 90

Schätzungsweise sind weltweit zwischen einem Sechstel (Studie von N. Williams und L. Kapila) und einem Drittel (Untersuchung von Doreen Anne Crawford) aller Männer beschnitten, das entspricht zwischen 600 Millionen und 1,2 Milliarden männlicher Personen. Unter den abrahamitischen Religionen wird die rituelle Beschneidung von Knaben nicht nur bei Juden und Muslimen, sondern auch von christlichen Kirchen, wie etwa der Koptischen, der Äthiopisch-Orthodoxen und Eritreisch-Orthodoxen Kirche sowie von afrikanischen Religionsgemeinschaften vorgenommen.

hadrian Die Hellenen schätzten die intakte Vorhaut und tolerierten den jüdischen Brauch der Brit Mila nicht. In 2. Jahrhundert vor der Zeitrechnung verbot Antiochos IV. Epiphanes die Beschneidung. Die Einführung der Todesstrafe war einer der Gründe des Aufstandes der Makkabäer. Drei Jahrhunderte später verbot der römische Kaiser Hadrian ebenfalls die Beschneidung, einer der Gründe des Bar-Kochba-Aufstandes.

In modernen Zeiten war die Beschneidung in der UdSSR zwar nicht de jure, doch de facto verboten. Trotzdem ließen sich Juden, denen die Ausreise verweigert wurde, sogenannte Refuseniks, heimlich beschneiden. Für die meisten von ihnen blieb die Beschneidung aber unmöglich.

Heute ist die religiöse Beschneidung in den meisten Ländern der Welt zugelassen. 2008 urteilte der finnische Obergerichtshof, dass die rituelle Beschneidung erlaubt ist. 2011 versuchte eine Bürgerinitiative in San Francisco ein Referendum zum Verbot der Beschneidung zu organisieren. Die Volksbefragung wurde aber noch vor dem Urnengang von einem Gericht für verfassungswidrig erklärt. Kurz danach erließ der Staat Kalifornien ein Gesetz, das regionale Verbote von Beschneidung untersagt.

schweden Nur Schweden schränkt die rituelle Beschneidung ein, indem es verlangt, dass rituelle Beschneider eine Bewilligung des Gesundheitsministeriums einholen, und Beschneidungen ab dem Alter von zwei Monaten nur mit örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Die Brit Mila wird in Schweden weiterhin praktiziert. Übrigens ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht nur kein Gegner, sondern sogar ein Befürworter der Beschneidung. Verschiedene Studien bestätigen und betonen immer die gesundheitlichen Vorteile einer frühen Beschneidung. Auch Frauen sind weniger gesundheitsgefährdet, wenn ihre Partner beschnitten sind.

Kinder von Sozialschwachen haben Anspruch auf staatliche Kostenübernahme ihrer Erstkommunion. Dementsprechend urteilte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Jahr 2002, dass ein sozialhilfeberechtigtes muslimisches Kind ebenfalls Anspruch darauf hat, dass die ärztlichen Kosten der rituellen Beschneidung vom Sozialamt getragen werden.

Video

Pessach verstehen: Bedeutung, Bräuche und Traditionen

Rabbiner Dovid Gernetz erläutert die religiöse und historische Bedeutung von Pessach

von Jan Feldmann  01.04.2026

Chol HaMoed

Warum der Esel?

Das Grautier steht in der biblischen Geschichte für die Kraft, die den Menschen an seine niederen körperlichen Bedürfnisse bindet

von Vyacheslav Dobrovych  01.04.2026

Schemini

Fremdes Feuer

Wer mehr tut als geboten, läuft Gefahr, dass Frömmigkeit zur Selbstdarstellung wird

von Rabbiner Bryan Weisz  01.04.2026

Meinung

Hauptsache, Israel steht am Pranger!

Palmsonntag in Jerusalem und auf Social Media: Ein Rückblick

von Wolf J. Reuter  01.04.2026

Mascha Malburg

Jerusalem ist allen heilig

Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den israelischen Behörden. Unsere Redakteurin wünscht sich nach dem neuesten Vorfall an der Grabeskirche mehr gegenseitiges Verständnis

von Mascha Malburg  31.03.2026

Psychologie

Mizrajim ist wie die Enge in der Brust

Aus chassidischer Sicht geht es an Pessach nicht darum, der Bitterkeit schnellstmöglich zu entfliehen. Wir müssen sie durchleben

von Rabbiner David Kraus  31.03.2026

Exodus

Türen öffnen, Freiheiten erobern

Der Auszug aus Ägypten ist ein Appell, den Mut zu haben, uns der Welt zuzuwenden – auch wenn sie noch so bedrohlich erscheint

von Shoshana Ruerup  31.03.2026

Essay

Das fünfte Glas

Beim Seder füllen wir voller Hoffnung einen Becher Wein für Elijahu – doch er bleibt unberührt. Es ist eine Geduldsprobe, ein ritualisiertes Sehnen. Wir wissen: Seine Zeit wird kommen

von Rabbiner Noam Hertig  31.03.2026

Talmudisches

Der jüdische Sindbad

Wenn Wale zu Inseln werden: Was unsere Weisen über die Abenteuer des Rabba bar bar Hana erzählen

von Detlef David Kauschke  29.03.2026