Berlin

Luther‐Tagung eröffnet

Zentralratspräsident Josef Schuster erhofft sich zum 500. Jubiläum der Reformation 2017 ein deutliches Zeichen der Evangelischen Kirche Deutschlands in der Auseinandersetzung mit den judenfeindlichen Schriften Martin Luthers.

Zum Auftakt der Tagung »Reformator, Ketzer, Judenfeind – Jüdische Perspektiven auf Martin Luther« am Mittwochabend im Französischen Dom in Berlin sagte Schuster, bei dem Jubiläum werde zwar das positive Wirken Luthers im Vordergrund stehen.

Er hoffe aber, bei dieser Gelegenheit würden auch – etwa in einer Erklärung – die Seiten Luthers benannt, »die in keiner Weise zu akzeptieren sind«, so Schuster. In seiner Schrift Von den Juden und ihren Lügen von 1543 hatte der Kirchenreformator dazu aufgerufen, Synagogen anzuzünden und Juden aus ihren Häusern zu vertreiben.

VORABEIT Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte im Gespräch mit Schuster, in der Auseinandersetzung mit Luthers Antijudaismus gebe es in der Kirche bereits »einiges an Vorarbeit«.

Er gehe schon davon aus, dass der Rat der EKD für 2017 eine Erklärung oder eine Form finde, »in der wir sehr deutlich sagen, dass das, was Luther in diesen Schriften von 1538 bis 1543 gesagt hat (…) wirklich ein Irrtum ist, dass das fatale Folgen hat, das wir uns davon distanzieren, dass wir das auch mit dem Evangelium für unvereinbar halten.« Weiter sagte Schneider: »Ich würde mir fast wünschen, dass wir das in Abstimmung mit dem Zentralrat machen.«

Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden betonte in seiner Begrüßung, für Juden gebe es nicht »einen guten oder einen schlechten Luther, es gibt keinen jungen oder alten Luther. Für uns gibt es nur den Luther, dessen Aufforderung, Synagogen abzufackeln und Juden zu vertreiben (…) in das Bewusstsein jüdischer Existenz eingedrungen ist«.

Es gebe sogar die Frage, ob nicht Luthers Gedankengut in seiner Kontinuität »eventuell in den Gaskammern von Auschwitz endete«. Solche Fragen müsse man zulassen, wenn man sich mit einer »derart schillernden Persönlichkeit« auseinandersetze, so Kiesel.

URTEIL Der Studienleiter der Evangelischen Akademie zu Berlin, Christian Staffa, sagte in Abwandelung eines Zitats von Heinrich Heine, es zieme sich wohl, ein »herbes Urteil« über Martin Luther zu sprechen. Protestanten müssten sich über die Ursachen von Gewalt gegen Juden klarwerden. In einer immer wieder von antisemitischen Gedanken und Äußerungen geprägten Gegenwart sei er »mehr als dankbar für diese Kooperation«, betonte Staffa.

Die dreitägige Tagung »Reformator, Ketzer, Judenfeind« wird von der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland in Kooperation mit der Evangelischen Akademie zu Berlin organisiert.

Noch bis Freitag werden sich jüdische und christliche Experten mit Luthers Wirken, seinen pro‐ und antijüdischen Schriften sowie jüdischen Antworten auf die Reformation auseinandersetzen.

Mehr zu der Tagung in der nächsten Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

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