Jubiläum

Kein gewöhnlicher Almanach

Nach 20 Jahren beeindruckender Kleinarbeit erscheint ein winziger Rückblick durchaus angebracht. Von diesem Privileg einer Jubiläumsbilanz macht Jehonatan Kiebitz, der seit einigen Jahren in Ramat Bet Shemesh (Israel) lebt, ausgiebig Gebrauch. In einem »Rundbrief«, der seinem neuen Hawdala-Kalender 5773 (2012–2013) beigefügt ist, schildert er die Geschichte seiner Arbeit und spricht dabei vom Abschluss seines Entwicklungsprojektes. Mal abwarten, ob dem rührigen Rentner nicht im nächsten Jahr doch noch weitere Neuerungen einfallen werden.

Ungewöhnlich ist der Hawdala-Kalender von Kiebitz deshalb, weil er etliche Angaben enthält, die man in einem Werk dieser Art nicht erwartet. So hat Kiebitz den kühnen Versuch unternommen, jeweils in einer Zeile den Inhalt des Wochenabschnittes und den der Prophetenlesung (Haftara) zusammenzufassen. Aufmerksamen Lesern bleibt die Aufgabe, den Zusammenhang zwischen beiden Schriftlesungen zu entdecken.

In den letzten Ausgaben des Hawdala-Kalenders findet sich der Hinweis auf den überlieferten Psalm der Woche. Wer wissen will, warum ein bestimmter Psalm dem Wochenabschnitt zugeordnet wurde, muss beide sorgfältig studieren (oder womöglich im Buch Verknüpfungspunkte nachschlagen, das Kiebitz im Jahre 2010 verlegt hat).

Kundendienst Von einem nützlichen Kalender, den er regelmäßig zu Rate zieht, erwartet der praktizierende Jude nicht nur präzise Informationen, sondern auch genaue Zeitangaben: Wann beginnt der Schabbat und wann endet er? Diese Zeiten hängen von der geografischen Lage ab. In Stockholm beginnt der Ruhetag nicht zur gleichen Zeit wie zum Beispiel in München. Kiebitz hat sich die Mühe gemacht, für jeden Distrikt, aus dem eine Bestellung kommt, die Zeiten auszurechnen – das nennt man Kundendienst.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Hawdala-Kalender in zwei Formaten vorliegt. Als Wandkalender enthält er prächtige Bilder im DIN-A4-Format. Diese Auflockerung durch schöne Fotos fehlt in der Tischkalender-Ausgabe, die deshalb auch etwas preiswerter ist. Zusätzliche Erläuterungen zum jüdischen Jahr und Kalender bietet der Verlag als Sonderdrucke an (genannt Mappe 1 und Mappe 2). Diese Glossen, Daten und Grafiken waren früher Bestandteile des Kalenders, jetzt sind sie unabhängig zu erwerben.

Der bekannte Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch, der Begründer der Neo-Orthodoxie, die auch »Frankfurter Orthodoxie« genannt wird, bemerkte einmal, des Juden Katechismus sei sein Kalender.

Das von Kiebitz entwickelte Kalender-Werk kann interessierten Juden und Nichtjuden helfen, sowohl den Kreislauf des jüdischen Jahres als auch die Gedankenwelt, die mit den Zyklen innig verbunden ist, besser zu verstehen.

Jehonatan Kiebitz: »Hawdala-Kalender 5773«. Ramat Bet Shemesh 2012, Wandkalender 18 €, Tischkalender 14 €, Mappe 9 €

München

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