Talmudisches

Im Schweiße deines Angesichts

Was soll man tun, wenn man schwitzt? Schon die Gelehrten des Talmuds diskutierten darüber. Foto: Getty Images/iStockphoto

Talmudisches

Im Schweiße deines Angesichts

Von Hitze, Kühle und Reinlichkeit

von Rabbinerin Yael Deusel  14.08.2020 09:30 Uhr

»Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Brot essen«, lesen wir im 1. Buch Mose 3,19. Aber nicht nur Arbeit zum Zweck des Broterwerbs ist schweißtreibend, auch sommerliche Hitze tut ihren Teil dazu. Hier empfiehlt es sich, auf entsprechende Bekleidung zu achten und sich beispielsweise in kühlendes Leinen zu kleiden. So beschreibt uns bereits die Tora, was ein Kohen, ein Priester, in Ausübung seines Tempeldienstes tragen soll.

Und auch beim Propheten Jecheskel (44,18) lesen wir: »Linnene Kopfbunde seien auf ihrem Haupt und linnene Beinkleider an ihren Hüften, sie sollen sich nicht gürten mit Schweißtreibendem.«

Mikwe Außerdem ist es angeraten, sich gründlich zu waschen, wenn man verschwitzt ist. Dies gilt nicht nur, bevor man in der Mikwe untertaucht, weil Schweiß auf der Haut trennend wirkt (Talmud Nidda 55b), sondern auch, bevor man sein Gebet verrichtet oder sich zum Essen niedersetzt.

Wenngleich auch Schweiß von einer rituell unreinen Person nach talmudischer Auffassung diese Unreinheit nicht direkt überträgt, so ist es doch kaum wünschenswert, damit in Kontakt zu kommen.

Und eine olfaktorische Belästigung ist Schweiß obendrein. Die Mischna lehrt uns, dass alles Übelriechende in Form von Schweiß, Schmutz und Mundgeruch einen Priester für sein Amt im Tempel untauglich macht, solange er sich nicht wäscht und etwas zur Verbesserung seines Atems tut. Bei Frauen galten diese Dinge zudem als ein körperlicher Makel, weswegen man eine Verbindung auflösen konnte (Ketubot 75a).

Parfüm Allerdings sollten sich natürlich auch Männer regelmäßig um Körperhygiene bemühen. Manch einer zog es aber offenbar schon zu talmudischen Zeiten vor, sich lieber einzuparfümieren. Wohl lehrt uns die Baraita, dass dies zwar im Allgemeinen nicht verboten sei, dass es sich aber für einen Schriftgelehrten nicht gehöre, parfümiert auf die Straße zu gehen, ebensowenig soll er aber auch in geflickten Schuhen ausgehen. Ein Gelehrter, der etwas auf sich hält, soll also weder einen geckenhaften noch einen ungepflegten Eindruck erwecken.

Dazu erklärt Raw Scheschet (Berachot 43b), das Verbot von Parfüm gelte nur für die Kleidung, denn am Körper selbst werde das Parfüm durch den Schweiß neutralisiert, nach dem Prinzip eines Deodorants also.

Unsere Weisen empfahlen auch das Tragen von schweißabsorbierender Unterwäsche. Die Mischna nennt uns noch einen weiteren interessanten Vorteil solcher Wäschestücke: Im Ärmel des Unterhemds lässt sich am Schabbat etwas transportieren, was man ansonsten an diesem Tag nicht hinaustragen dürfte.

Badehaus Schwitzen kann man aber auch im Zusammenhang mit Reinlichkeit, nämlich beim Besuch eines Badehauses. Hierzu finden wir im Talmudtraktat Schabbat Diskussionen um die Frage, ob das Schwitzen durch ein Dampfbad am Schabbat oder einem Feiertag erlaubt sei oder nicht.

Aber auch an einem Werktagnachmittag empfiehlt es sich, das Badehaus rechtzeitig vor Mincha aufzusuchen und dafür auch genügend Zeit einzuplanen, um die Gebetszeit nicht zu überschreiten. Es könnte ja, wie Raw Acha Bar Jakow sagt, etwas Unvorhergesehenes passieren, zum Beispiel, dass einer im heißen Dampfbad ohnmächtig wird und erst einmal wieder richtig zu sich kommen muss, bevor er Mincha beten kann.

Bettdecke Bisweilen kann Schwitzen auch heilsam sein; manch eine Krankheit lässt sich so kurieren. Hernach empfiehlt es sich aber unbedingt, Kleidung und Bettdecke zu wechseln, wie uns Schabbat 110b am warnenden Beispiel eines Mannes verdeutlicht, dessen Mantel und Decke nach einem heftigen Schweißausbruch im Heilungsprozess derart von Schweiß durchsetzt war, dass der Stoff zerfiel.

Bei alledem sollte man sich aber immer vor Augen halten, was Maimonides, der Rambam, sagt, dass nämlich die äußerliche Reinlichkeit allein nichts nützt, wenn nicht auch unsere Gedanken und unser Herz rein sind und wir uns entsprechend benehmen.

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