Quellen

Hauptfigur der jüdischen Mystik

Schimon Bar Jochai in der Kabbala Denudata von 1677 Foto: dpa

Um Lag BaOmer ranken sich viele Legenden, die oft im Zusammenhang mit dem Bar-Kochba-Aufstand stehen. An diesem Tag soll die geheimnisvolle Seuche geendet haben, der die Schüler Rabbi Akiwas zum Opfer fielen – aber auch die Jahrzeit von Rabbi Schimon Bar Jochai wird gefeiert. Schimon Bar Jochai, ein bedeutender Gelehrter seiner Zeit, gehörte zur dritten Generation der Tannaim, die ungefähr von 130 bis 160 wirkte. Laut Talmud (Berachot 28a) studierte er zunächst an der Akademie in Jawne, wurde jedoch später ein Schüler von Rabbi Akiwa.

Über 300-mal wird Schimon Bar Jochai in der Mischna erwähnt, häufig auch im Talmud. Zwei wichtige Werke aus diesem Bereich werden ihm direkt zugeschrieben: die Mechilta de Rabbi Schimon Bar Jochai (unter anderem auch Sifri genannt), ein Midrasch zu ausgewählten Stellen im 2. Buch Mose, und Sifre, ein halachischer Kommentar zu Teilen des 4. Buches Mose. In beiden Schriften ist seine Autorenschaft jedoch umstritten – als gesichert gilt nur, dass sie aus der Schule Akiwas stammen.

Die Lehren Schimon Bar Jochais zeichnen sich dadurch aus, dass er einer Sache stets auf den Grund geht. Er sucht die Beweggründe für die Entscheidung, eine Halacha zu formulieren – diese Gründe arbeitet er heraus und baut darauf rational seine eigene Argumentation auf.

Seine haggadischen Lehren sind mit einer bestimmten Mystik verbunden. So erwähnt er zum Beispiel ein magisches Schwert, das Mosche auf dem Berg Sinai von G’tt erhalten haben soll, oder schreibt Mosche Wunderkräfte zu. Von den Kabbalisten wurde er als Autorität angesehen, und der Sohar erschien zunächst als Midrasch de Rabbi Schimon Bar Jochai.

Manuskript
Im 13. Jahrhundert erregte ein »Fund« in Spanien große Aufmerksamkeit: Mosche ben Schem Tow de Leon (1250–1305) behauptete, in den Besitz eines Manuskriptes von Schimon Bar Jochai gekommen zu sein, das dessen mystische Lehren beinhalte. De Leon veröffentlichte das Werk, das schnell Verbreitung fand und grundlegend für die Entwicklung der Kabbala wurde.

Der wie ein Kommentar zur Tora aufgebaute Sohar war auf Aramäisch verfasst und sollte von Schimon Bar Jochai während seines erzwungenen Aufenthaltes in der Höhle verfasst worden sein. Jitzchak von Akko (13./ 14. Jahrhundert), ein Kabbalist und Student des Ramban, hatte jedoch sofort Zweifel an der Echtheit – er hatte nie von solch einem Manuskript gehört und stellte umfangreiche Nachforschungen an. Sie endeten mit der Aussage der Witwe des kurz zuvor verstorbenen de Leon: Ihr Mann habe das Buch ganz allein verfasst und es nur als Werk des Schimon Bar Jochai ausgegeben, damit es sich besser verkaufen ließe und schnellere Verbreitung fände.

AuthentizitäT Im Laufe der Jahrhunderte setzten sich immer wieder Rabbiner und Gelehrte mit der Frage der Authentizität des Sohar auseinander. So wies Elija Delmedigo (1458– 1493) darauf hin, dass der Sohar im Talmud erwähnt worden wäre, hätte Schimon Bar Jochai den Sohar geschrieben.

Rabbiner Jakob Emden (1697–1776) untersuchte das gesamte Werk bis ins kleinste Detail und fand gut 300 einzelne Belegstellen gegen das angebliche Alter des Sohars. Damit hatte er die Grundlage für alle spätere Kritik geschaffen. Sogar der Chatam Sofer (1762–1839) ordnete den Sohar in eine wesentlich spätere Periode ein. Gershom Scholem (1897–1982) stellte ebenfalls fest, dass de Leon wohl selbst der Autor war und der Sohar zwischen 1275 und 1286 geschrieben wurde.

Auch heute geht die Forschung weiter. Aber wenn sich auch die Analysen verfeinern, das Ergebnis ist nicht überraschend: »Die logischste Schlussfolgerung, basierend auf einer umfassenden und objektiven Analyse zur Entstehungszeit des Sohar...« schreibt Ephraim Rubin, »ist, dass alle Abschnitte zwischen 1275 und 1305 geschrieben wurden«.

Kabbala Unabhängig jedoch davon, ob man Schimon Bar Jochai tatsächlich für den Verfasser hält, ist er in jedem Fall eine Hauptfigur in der Entwicklung der jüdischen Mystik, und der Sohar mit seinen Berichten über die Offenbarungen g’ttlicher Mysterien das klassische Werk der Kabbala.

Lech Lecha

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