Haggada

Ein Lehrbuch für das ganze Jahr

Lesestoff beim Seder: Jede Familie bevorzugt ihre eigene Haggada. Foto: isrealimages

Es ist nicht erstaunlich, dass man zu allen Zeiten die Haggada sorgfältig studiert hat. Schon oft wurde gesagt, sie sei die am
meisten verbreitete Schrift der hebräischen Literatur. Zur Haggada, die man in fast alle Sprachen übersetzt hat, sind zahlreiche Kommentare unterschiedlicher Art veröffentlicht worden. Das Sammeln von Haggadot fesselt viele Menschen; die einen interessieren sich für Kunstwerke, andere freuen sich über originelle und lehrreiche Toraauslegungen.

Zu den hervorragenden Haggadot, die in diesem Jahr auf den Büchermarkt gekommen sind, gehört ein englischsprachiges Werk von Rabbiner Norman Lamm: The Royal Table.

Vordenker Der Autor, ein Schüler von Rabbiner Joseph B. Soloveitchik, ist einer der prominentesten amerikanischen Toralehrer; viele Jahre amtierte er als Gemeinderabbiner in New York und war danach Rektor der renommierten Yeshiva- University.

Lamm, Jahrgang 1927, der sowohl wissenschaftliche als auch populäre Werke vorgelegt hat, gilt als einer der Vordenker der modernen Orthodoxie in Amerika. Seine Haggada lässt Autoren aus verschiedenen religiösen Schulen zu Wort kommen, ist aber anders aufgebaut als die üblichen Anthologien, die lediglich klassische Erklärungen zusammenstellen.

Lamm kennt die eigentümlichen Probleme unserer Zeit, und er geht mit Vorliebe auf solche Fragen ein, die moderne Juden beschäftigen. Nicht zu jedem Abschnitt der Haggada hat Lamm erläuternde Bemerkungen geschrieben, aber sein Kommentar ist so umfangreich, dass niemand es schaffen wird, sämtliche Passagen am Sedertisch vorzutragen.

Fragen Aus Lamms Haggada sei nur ein Beispiel referiert. In der Haggada heißt es: »Vier Arten von Kindern werden von der Tora gemeint: das kluge, das schlechte, das einfältige, und das Kind, das noch nicht zu fragen versteht.« Wir erfahren, was die Kinder fragen, und was die Erzieher ihnen antworten sollen.

Lamm macht auf die merkwürdige Tatsache aufmerksam, dass nach dem Jerusalemer Talmud die in unserer Haggada gegebenen Antworten auf die Fragen des klugen und des einfältigen Kindes auszutauschen sind. Wie ist das möglich? Lamm macht einen kühnen Vorschlag: »Der Grund für den Austausch liegt darin, dass der Jerusalemer Talmud wahrscheinlich an eine Zeit dachte, in der jemand, der wirklich klug ist, als einfältig angesehen wird, und ein Mensch, der in Wirklichkeit einfältig ist, für einen Weisen gehalten wird. Mit anderen Worten, der Jerusalemer Talmud dachte an eine Zeit wie unsere!«

Lamm behandelt auch die Frage, wie die vier Arten von Kindern sich entwickelt haben. Er beschreibt vier Erziehungsstrategien, die die vier Typen hervorbringen. Diese Analyse der vier Arten von Eltern ist sehr aufschlussreich.

Hohelied Es ist ein alter Brauch, nach dem Abschluss der Haggada noch das Hohelied zu sprechen. Deshalb enthält das hier angezeigte Werk den hebräischen Text dieses Buches und auch ein halbes Dutzend Ansprachen, die Lamm über das Hohelied gehalten hat.

Gerade der letzte Teil von The Royal Table führt uns vor Augen, dass man dieses Werk nicht nur am Pessachfest in die Hand nehmen sollte. Im Rahmen des Torastudiums sind zahlreiche Haggadot als Lehrbücher verwendbar.

Polen

Juden, Protestanten und Sinti und Roma gedenken gemeinsam in Auschwitz

Am Roma-Holocaust-Gedenktag haben hochrangige Religionsvertreter an das Schicksal von Sinti und Roma erinnert

 02.08.2020

Geschichte

Zentralrat der Juden und EKD werben für mehr Wissen über Judentum

Zugleich müsse Tendenzen entgegengetreten werden, die Antisemitismus wieder hoffähig machen

 02.08.2020

»Dialog lebt vom Unterschied«

Rabbiner Julian-Chaim Soussan und der Theologe Joachim Valentin über Zwischentöne, Fehler und Chancen in der christlich-jüdischen Begegnung

von Jan Grossarth  01.08.2020

Talmudisches

Die Zauberer des Pharaos

In dieser kurzen Anekdote zitieren die beiden Ägypter Jochana und Mamre ein bekanntes Sprichwort

von Netanel Olhoeft  30.07.2020

Wa’etchanan

Kein Mann der Worte

Warum Gott ausgerechnet einen schlechten Redner auswählte, um dem Volk die Zehn Gebote zu verkünden

von Beni Frenkel  30.07.2020

Tu beAw

Heilige Gefühle

Warum der Feiertag der jüdischen Ehe nichts mit dem Valentinstag gemeinsam hat

von Rabbiner Raphael Evers  30.07.2020

Corona

Leben ist heilig

Seit einem halben Jahr beherrscht uns das Virus. Wir haben inzwischen gelernt, wie wir uns und andere schützen können

von Rabbiner Avicha Apel  30.07.2020

Dewarim

Blick zurück

Vor seinem Tod erinnert sich Mosche an die 40-jährige Wüstenwanderung

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  24.07.2020

Talmudisches

Erziehung zur Wahrhaftigkeit

Kleine Notlügen im Sinne des Hausfriedens

von Yizhak Ahren  23.07.2020