Talmudisches

Die vergessene Bracha

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Im Traktat Berachot 48a wird berichtet, wie König Janai (103–76 v.d.Z.), ein jüdischer Herrscher aus der Hasmonäer-Dynastie, der gegen Ende der Zeit des Zweiten Tempels lebte, und seine Frau, Königin Salome Alexandra, ein Festmahl beendeten, aber nicht wussten, wie man die Bracha, den Segen, am Ende der Mahlzeit richtig rezitiert. Doch Janai hatte zuvor die Mehrheit der Rabbiner töten lassen, da sie mit seinem Wunsch, gleichzeitig Kohen Gadol (Hohepriester) und König zu sein, nicht einverstanden waren. Der einzige verbliebene bedeutende Toragelehrte war Schimon ben Schetach, der Bruder von Königin Salome, den diese unter großer Gefahr versteckte.

Sie sagte ihrem Mann Janai, sie könne ihm einen Rabbiner bringen, wenn er ihr versprechen würde, ihm kein Haar zu krümmen. Der König stimmte zu, Schimon ben Schetach wurde aus seinem Versteck geholt und rezitierte das Tischgebet. Salome setzte ihren Bruder zwischen den Thron des Königs und ihren. Der König sagte zu ihm: »Siehst du, wie viel Ehre ich dir erweise?« Schimon ben Schetach antwortete: »Nicht du bist es, der mich ehrt, sondern die Tora ehrt mich, wie geschrieben steht: Erhöhe sie, und sie wird dich erhöhen; sie wird dich ehren, wenn du sie umarmst« (Mischle 4,8). Da sagte Janai zu seiner Frau: »Siehst du, er akzeptiert keine Autorität.«

Wer war diese Königin Salome?

Wer war diese Königin Salome? Im Talmud und seinen Kommentaren wird sie unter mehreren Namen erwähnt. Sie ist auch als Schel Zion (vgl. Schabbat 16b), Scheilazion und Schalom Zion bekannt. Sie regierte nach dem Tod von König Janai noch mehr als zehn Jahre lang (76–67 v.d.Z.).

Der Midrasch (Bamidbar Rabba 35) sagt, dass zu ihren Lebzeiten der Segen »Wenatati Gischmechem be’itam« – »Regen soll zur rechten Zeit fallen« – (3. Buch Mose 26,4) erfüllt wurde. Es regnete nur freitagnachts, nachdem alle aus der Synagoge nach Hause zurückgekehrt waren, um die Menschen am Schabbat oder unter der Woche, wenn sie arbeiteten, nicht zu stören. Dennoch reichte der Regen aus, um eine außergewöhnlich reiche Ernte zu bringen.

Der Jerusalemer Talmud (Berachot 7,2) und der Midrasch Bereschit Rabba (91,3) enthalten eine andere Version von Schimon ben Schetachs Fluchtgrund. 300 Nesirim, also Männer, die ihr Nasiräergelübde abgelegt hatten und verpflichtet waren, Opfergaben zu bringen, kamen in Jerusalem an, hatten aber nur sehr begrenzte Mittel. König Janai und Schimon ben Schetach einigten sich darauf, die Kosten für die Opfergaben zu teilen. Janai übernahm die Verantwortung für seine Hälfte und bezahlte die Opfergaben. Schimon jedoch fand eine halachisch akzeptable Möglichkeit, die Nasiräergelübde seiner Hälfte aufzuheben und so die Nesirim (und sich selbst) von ihrer Verpflichtung, Opfer zu bringen, zu befreien.

Salome holte ihren Bruder in den Palast zurück

Ein Verleumder kam und provozierte den König, sodass dieser sich über diesen juristisch-halachischen Kunstgriff aufregte, und Schimon ben Schetach war gezwungen zu fliehen. Später, bei einem Abendessen im Haus des Königs, baten persische Gäste den König um ein Gespräch mit dem, wie sie sagten, weisen Gelehrten, der früher immer mit ihnen gespeist hatte. So holte Salome ihren Bruder in den Palast zurück, nachdem sie sich von Janai die Sicherheit Schimon ben Schetachs hatte garantieren lassen.

Es gibt einen Talmud-Vers, der aus dem Standarddruck des Wilnaer Schas, einer bedeutenden Druckausgabe des Babylonischen Talmuds aus dem 19. Jahrhundert, entfernt wurde, sich aber in alten Manuskripten und in Kommentaren zu Sanhedrin 107b findet. Darin heißt es, dass mehrere andere Gelehrte dem Erlass von König Janai entkamen und nach Alexandria in Ägypten flohen. Als Schimon ben Schetach zurückkam, berief er diese Weisen, darunter auch Rabbi Jehoschua ben Perachya und einen seiner in Ungnade gefallenen Jünger (der, wie einige meinen, Joschua von Nasareth geheißen haben soll), nach Israel zurück.

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