EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Talmudisches

Den Neumond bezeugen

Vom Zeitpunkt des Neumonds hingen sämtliche jüdischen Feste sowie die Zeremonien im Tempel ab. Foto: Thinkstock

Talmudisches

Den Neumond bezeugen

Wer die neue Sichel sah, meldete es dem Sanhedrin

von Netanel Olhoeft  17.07.2017 18:41 Uhr

In der frühen rabbinischen Zeit wurden die Monatsanfänge nicht durch Berechnungen festgelegt, sondern durch die Sichtung der neuen Mondsichel. Zeugen des Neumonds strömten zum Sitz des Sanhedrin, dem obersten jüdischen Gericht, damit die Führung des Volkes den neuen Monat heiligen und gemäß einem Toragebot der Allgemeinheit verkünden konnte.

Das war sehr wichtig, schließlich hingen sämtliche jüdischen Feste sowie die Zeremonien im Tempel davon ab. Und wie am Sinai gesagt, durfte vor Gericht nichts ohne zwei oder mehr Zeugen behandelt werden (5. Buch Mose 19,15).

Mischna Wie die Weisen mit den benötigten Zeugen umgingen, darüber ist einiges bekannt. So berichtet die Mischna (Traktat Rosch Haschana) davon, dass die Zeugen nicht vergrault werden durften. Das Gericht war vielmehr angehalten, sie zu umwerben. Denn sie sollten sich daran gewöhnen, regelmäßig zu den Monatsanfängen vor dem Beit Din zu erscheinen.

Selbst wenn die Neumonde im Nissan und Tischri – von ihnen hängt die Mehrzahl der Feste ab – am Schabbat gesichtet wurden, durften sich Zeugen dennoch auf den Weg zum Sanhedrin machen, auch wenn sie dadurch die von der Halacha vorgegebene Maximalstrecke, die am Schabbat gelaufen werden darf, überschritten.

Zeugen, die aufgrund einer Krankheit gehbehindert waren, durften trotz des Trageverbots am Schabbat ihren Esel mitnehmen oder sich gar in ihrem Bett transportieren lassen. Sogar zusätzliche Gegenstände durften sie tragen, wie Schlagstöcke, um sich gegen Räuber zu verteidigen.

Der Talmud berichtet, dass Rabbi Akiwa einst 40 Zeugenpaare auf ihrem Weg zum Gericht anhielt und sie zurückschickte, da das Beit Din eine so große Menge nicht benötige. Doch die anderen Gelehrten rügten ihn dafür. Sie meinten: Wenn man die Zeugen diesmal vergraule, würden sie beim nächsten Neumond vielleicht nicht wiederkommen, und dann hätte der Sanhedrin am Ende gar keine Zeugen mehr.

Daher wurden alle willigen Zeugen vor Gericht willkommen geheißen. Man vernahm sie ungeachtet der Tatsache, dass man nach zwei koscheren Aussagen bereits hätte aufhören können.

Anreiz Man bereitete ihnen im Beit Jasek, einem dafür extra eingerichteten Hof, große Mahlzeiten, damit sie ein angenehmes Erlebnis hätten. Denn die meisten Zeugen waren zwar gutherzig, doch zuweilen auch etwas träge. Daher lockten die Weisen sie mit Mahlzeiten und feinen Getränken, um ihnen noch einen weiteren Grund zu liefern, die Mizwa zu erfüllen.

Eigentlich sollen die Gebote ja aus der Erkenntnis ihrer Richtigkeit erfüllt werden (Awot 1,3). Doch wie Maimonides, der Rambam (1135–1204), schreibt, sei es moralisch unproblematisch, einen zusätzlichen Ansporn zu geben.

Als Beispiel führt Maimonides kleine Kinder an. Sie sind noch nicht in der Lage, die Mizwot aus der Erkenntnis heraus zu erfüllen, dass sie wahr sind, sondern sie benötigen eine Süßigkeit als Belohnung. Obwohl sie die Gebote anfänglich vor allem wegen der Aussicht auf Belohnung befolgen, gewöhnen sie sich dadurch allmählich an das korrekte Verhalten. Und je älter sie werden, desto mehr gelangen sie zu der Erkenntnis, dass die Mizwot um ihrer selbst willen zu halten sind.

Dies gilt nicht nur für Kinder, sondern in gewissem Maße auch für die meisten Erwachsenen. Es braucht seine Zeit, bis sie »me Chail el Chail« (Psalm 84,8) gehen, sich also aus einer immer reineren Stärke dem G’ttlichen annähern.

Aleeza Ben Shalom

»Wir suchen nach Körper und Seele«

Als Star der Netflix-Serie »Jewish Matchmaking« ist sie international bekannt und kommt auch nach Deutschland. Funktioniert die jüdische Liebe hierzulande anders?

von Mascha Malburg  26.10.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  26.10.2026

Lech Lecha

Mut zur Veränderung

Unsicherheit ist Teil jedes neuen Anfangs – doch manche Wege öffnen sich erst, wenn wir sie betreten

von Rabbiner Boris Ronis  23.10.2026

Talmudisches

Das Gebet am Ende der Mahlzeit

Tischgebete kennen alle Weltreligionen. Doch während sich beispielsweise Christen vor dem Essen für das »tägliche Brot« bedanken, steht in der jüdischen Tradition der Dank am Ende der Mahlzeit. Aus einem ganz besonderen Grund

von Detlef David Kauschke  23.10.2026

Talmudisches

Bier

Was unsere Weisen über Getränke und ihre Wirkung lehren

von Rabbinerin Yael Deusel  21.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Erlösung

Nur ein scheinbarer Gegensatz

Warum wir an die Ankunft des Maschiach glauben sollten – aber nicht an einen Zeitpunkt

von Vyacheslav Dobrovych  16.10.2026

Noach

Die Entstehung der Vielfalt

Wie nach der Sintflut eine neue Ordnung der Menschheit ihren Anfang nahm

von Yonatan Amrani  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026