Religions for Peace

»Dem Guten eine Stimme geben«

Rabbiner David Rosen über interreligiösen Dialog und Hoffnungen auf einen neuen Kurs in den USA

von Ayala Goldmann  29.11.2020 09:20 Uhr

Rabbiner David Rosen Foto: privat

Rabbiner David Rosen über interreligiösen Dialog und Hoffnungen auf einen neuen Kurs in den USA

von Ayala Goldmann  29.11.2020 09:20 Uhr

Herr Rabbiner Rosen, die internationale Konferenz der interreligiösen Organisation »Religions for Peace« in Lindau musste wegen Corona diesmal hybrid stattfinden. Haben Sie reale Begegnungen vermisst?
Ja, ein Online-Meeting ist nicht dasselbe. Obwohl wir etwa 800 Teilnehmer hatten und das Treffen Mitte November sehr gut organisiert war. Aber bei den meisten Konferenzen spielen sich 90 Prozent der wichtigen Angelegenheiten nicht während des Programms ab, sondern bei Gesprächen auf den Fluren und beim direkten Austausch. Gerade bei interkulturellen Treffen sind persönliche Begegnungen ganz zentral.

Wie stellen Sie sicher, dass interreligiöser Austausch mehr ist als nur Gespräche zwischen Rabbinern und Pastoren?
»Religions for Peace« fördert die Begegnung unter jungen Leuten und bringt Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft zusammen. Für mich ist aber auch der theologische Austausch mit Angehörigen anderer Religionen inspirierend und bereichernd. Dialog ist mehr als Reden, und Begegnungen können viel bewirken.

Intoleranz und Hass auf Minderheiten nehmen in vielen Ländern zu. Was kann der interreligiöse Dialog da ausrichten?
Niemals in der Geschichte der Menschheit gab es so viel interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit wie heute. Unser Problem ist, dass gerade die sogenannten sozialen Medien das Sensationelle und Destruktive in der Welt unter die Lupe nehmen und verbreiten, nicht das Gute. Es ist richtig, dass Antisemitismus und Fremdenhass wachsen. Genau deshalb bleibt es eine Herausforderung, dem Guten eine lautere Stimme zu verleihen.

Sie sind Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee (AJC). Werden Intoleranz und Hate Speech mit Joe Biden als künftigem US-Präsidenten wirksamer bekämpft als bisher?
Ich habe als Mitarbeiter des AJC kein Mandat meiner Organisation, die US-Adminis­tration zu kritisieren. Aber das, was in den vergangenen Jahren von höchster Ebene aus den USA kam, könnte man als unsensibel und als Lizenz für die negativsten Elemente der amerikanischen Gesellschaft bewerten, sichtbar und hörbar zu werden. Ich hoffe, dass dies mit einer neuen Administration sozial weniger akzeptabel wird und die Antworten darauf effektiver werden.

Ein zentraler Kritikpunkt aus interreligiöser Sicht an US-Präsident Donald Trump waren die Einreisebeschränkungen für Menschen aus muslimisch geprägten Ländern in die USA. Wie denken Sie darüber?
Die Geschichte hat gezeigt, dass Einwanderung gut für Gesellschaften ist, und gerade Amerika führt das perfekt vor Augen. Der Versuch, Einwanderung zu unterbinden, wenn ein Land Kapazitäten für Integration hat, ist kontraproduktiv und bedeutet, sich in das eigene Knie zu schießen.

Mit dem Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee (AJC) sprach Ayala Goldmann.

Schawuot

Nur kein Neid

Rabbinische Gedanken zur Solidarität während der Pandemie und Missgunst in Zeiten der Impfaktion

von Rabbiner Julian-Chaim Soussan  12.05.2021

Treffen

»Das muss stoppen. Das muss mit aller Kraft bekämpft werden«

Zentralrat der Juden und Deutsche Bischofskonferenz warnen vor wachsendem Antisemitismus

von norbert demuth  12.05.2021

Israelhass

»Mit Null-Toleranz begegnen«

Vorstand der ORD verurteilt Angriffe auf Synagogen in Bonn und Münster

 12.05.2021

Deutscher Koordinierungsrat

Orthodoxer ins Präsidium

Rabbinerkonferenz plädiert für stärkere Verankerung im interreligiösen Dialog

 12.05.2021

Behar-Bechukotaj

Ein ganzes Jahr Schabbat

Warum das Schmitta-Gebot zweimal in der Tora steht

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  07.05.2021

Talmudisches

Gewalttätige Menschen

Wie Rabbi Jose ben Kiper in Nehardea verprügelt wurde

von Yizhak Ahren  07.05.2021

Rechtspopulismus

Rabbiner: Forderung nach Kippa- und Kopftuchverbot spaltet

Marine Le Pen will religiöse Kopfbedeckungen verbieten - die Europäische Rabbinerkonferenz reagiert mit scharfer Kritik

 06.05.2021

Dialog

Meinungsaustausch von Zentralrat der Juden und Bischofskonferenz

Das Treffen soll am 12. Mai in Frankfurt am Main stattfinden

 06.05.2021

Rabbi Sacks

Seine Stimme ist nicht verstummt

Die Essays des britischen Gelehrten zur Parascha werden jetzt auch auf Deutsch verbreitet

von Ayala Goldmann, Detlef David Kauschke  06.05.2021