Talmudisches

Auf Chessed ist die Welt gebaut

Wer Zedaka gibt, trägt zu Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt, bei und tritt für mehr Gerechtigkeit ein. Foto: Flash 90

Im Traktat Baba Batra (11a) erzählt der Talmud die bemerkenswerte Geschichte von dem wohltätigen König Monobaz II., einem Sohn von Königin Helena.

Als sein Land eine schwere Zeit durchmachte, gab der König seinen gesamten Besitz an Bedürftige ab. Er muss von der Richtigkeit seines Handelns sehr überzeugt gewesen sein, denn als er von seinen Brüdern zur Rede gestellt wurde, nannte er ihnen prompt sechs triftige Gründe für seine Tat.

Vorwurf Der Hauptvorwurf, mit dem sich König Monobaz konfrontiert sah, war, dass er seinen Wohlstand, im Gegensatz zu den Eltern, erstens gemindert hatte und zweitens unnütz weggab.

Der König antwortete darauf, die Eltern hätten den Besitz und Wohlstand lediglich auf Erden gemehrt. »Ich aber mache meinen Reichtum im Himmel«, antwortete er und zitierte aus Psalm 85: »Die Wahrheit vom Himmel lohnt, wenn ihr Almosen gebt. Und die Gerechtigkeit kommt vom Himmel.«

Der König lieferte fünf weitere Gründe für sein Tun, allesamt ebenfalls in der Schrift begründet.

Gerechtigkeit Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, sei hier nur der letzte Grund erwähnt: »Meine Eltern«, sagte der König, »haben das Ihrige verborgen in dieser Welt. Ich aber habe das Meine verborgen in jener Welt, wie der Vers spricht: ›Deine Gerechtigkeit wird dir vorangehen in jener Welt, und die Ehre G’ttes wird deinen Gang beschließen‹« (Jeschajaju 58,8).

Als der König mit seiner Rede fertig war, stimmten ihm seine Brüder zu. Sie sagten, er habe richtig gehandelt, und machten ihm keine Vorwürfe mehr. So hat König Monobaz seine weise Tat auch weise begründet.

Was lehrt diese Geschichte? Dass es erstrebenswert ist, seinen gesamten Besitz zu spenden?

Wohl kaum, da es den halachischen Rahmen sprengen würde, der auch bei Wohltätigkeit ein klares Limit vorschreibt. Aber was lehrt die Geschichte dann?

Zedaka Es ist bekannt, dass gute Taten und das Geben von Zedaka (Spenden) eine der wichtigsten Säulen des Judentums darstellen. Der Talmud Jeruschalmi sagt sogar, dass die Mizwot von Zedaka und Chessed (Barmherzigkeit) genau so bedeutsam sind wie alle anderen Mizwot zusammen.

Wer Zedaka gibt, hilft nicht nur jemandem, der bedürftig ist, sondern er trägt zu Tikkun Olam bei, zur Verbesserung der Welt. Er tritt ein für mehr Gerechtigkeit und wird gleichzeitig selbst belohnt für seine Tat.

So wird klar: König Monobaz betrachtete seine Tat nicht als Verschwendung, sondern für ihn war sie eine Investition. Er sah großen Sinn darin und bereute sein Handeln auch dann nicht, als seine Familie ihn kritisierte.

Synagoge Es wird von einem großen Rabbi erzählt, der auf dem Weg zu seiner Synagoge war. Unterwegs kam ihm ein Mann entgegen. Der Rabbi kannte ihn aus seiner Gemeinde und wusste, dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann war. Der Mann hatte es an diesem Morgen offenbar besonders eilig, denn er übersah den entgegenkommenden Rabbi, und die beiden stießen zusammen.

Nach zahlreichen Entschuldigungen und nachdem beide ihre Fassung wiedererlangt hatten, erkundigte sich der Rabbi bei dem Mann, warum er es so eilig hatte.

»Rabbi«, sagte der Mann, »ich habe ein wichtiges Geschäft zu tätigen, das nicht warten kann. Der Mensch muss doch von etwas leben.« »Das ist richtig«, sagte der Rabbi, »man muss aber auch etwas haben, womit man sterben kann.«

Der Rabbi meinte, dass der Mensch nichts Physisches von dieser Welt mitnehmen kann. Man sollte es daher nicht versäumen, in die Verbesserung des eigenen Charakters zu investieren. Dies geschieht, indem man Tora lernt und Bedürftigen hilft.

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