NPD-Verfahren

Zweites Scheitern

Das Bundesverfassungsgericht ist dem Antrag des Bundesrats, die NPD zu verbieten, nicht gefolgt. Foto: dpa

Die NPD, so hat es das Bundesverfassungsgericht beschlossen, »will die bestehende Verfassungsordnung durch einen an der ethnisch definierten ›Volksgemeinschaft‹ ausgerichteten autoritären Nationalstaat ersetzen«. Alles, was für ein Verbot dieser Partei sprach, haben die Karlsruher Richter am Dienstag bestätigt. Nur, verboten wurde die rechtsextreme Partei nicht. Es fehle derzeit an konkreten Hinweisen, »dass dieses Handeln zum Erfolg führt«.

In der jüdischen Gemeinschaft überwiegt die Enttäuschung. »Ein Verbot wäre sehr wichtig und ermutigend gewesen«, sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

nazipartei Von einem »Schlag ins Gesicht für die jüdischen Holocaust-Überlebenden« sprach Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutsch- land. Die Argumente der Richter könnten aus Sicht der Mehrheitsgesellschaft vielleicht zutreffen, »aus der Sicht der Minderheitsgesellschaft und gerade der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland greift die Argumentation des Verfassungsgerichts jedoch zu kurz«. Es seien ja nicht Friedhöfe oder Kindergärten der Mehrheitsgesellschaft, die die Polizei schützen müsse, sondern die Friedhöfe, Kindergärten und Synagogen der Minderheit. »Als Nachfolge- staat des Deutschen Reiches sollte sich Deutschland keine Neonazi-Partei leisten.«

Auch der Potsdamer Politikwissenschaftler und Rechtsextremismusexperte Gideon Botsch sieht Auswirkungen auf das jüdische Leben in Deutschland: »Nun können Rechtsradikale offen nationalsozialistisch agieren und haben wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem National-
sozialismus nichts mehr zu befürchten.« Gerade Juden seien durch »diesen brachialen Antisemitismus gefährdet«.

Die NPD habe sich während des schwebenden Verbotsverfahrens zurückgehalten. »Diese Zurückhaltung wird sie jetzt aufgeben.« Zudem fühlten sich auch andere rechtsextreme Parteien wie »Die Rechte« oder »Der III. Weg« ermuntert, »nun offen nationalsozialistisch auftreten zu können, ohne ein Verbot fürchten zu müssen«.

katastrophe Von einer »Katastrophe« spricht der Göttinger Politologe Samuel Salzborn. »Das Verbot an einer Realisierungschance für die Umsetzung dieses Kampfes gegen die Demokratie zu messen, ist nicht nur weltfremd, sondern mit Blick auf die bisherigen zwei erfolgreichen Parteiverbotsverfahren auch eine juristisch höchst merkwürdige Einschätzung.«

In der Geschichte der Bundesrepublik waren die rechtsextreme Sozialistische Reichspartei 1952 und die Kommunistische Partei Deutschlands 1956 verboten worden. »Es muss befürchtet werden«, so Salzborn, »dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts einmal als Auftakt des Untergangs der ›wehrhaften Demokratie‹ der Bundesrepublik in den Geschichtsbüchern stehen wird: Denn wenn man so lange wartet, bis die Feinde der Demokratie die reale Macht haben, diese zu zerstören, dann wird es zu spät sein.«

Einen »tragischen Tag für die wehrhafte Demokratie« beklagte das Internationale Auschwitz Komitee (IAK). Dessen Vizepräsident Christoph Heubner fragte: »Wie kann es sein, dass diejenigen, die den Holocaust nicht nur klammheimlich bejubeln und in vielen Kommunen ständig neue Kapitel des Hasses provozieren, im demokratischen Spektrum bleiben dürfen und vom Staat weiter bei Hetze und Gewalt gegen die Demokratie alimentiert werden?«

verfassungsschutz Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verkündete nach dem Urteilsspruch, dass die NPD weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dass die Karlsruher Richter die NPD als schwach und unbedeutend einschätzen, wertete der Minister aber als »starkes Zeichen«, dass »wir in den letzten Jahrzehnten die Auseinandersetzung mit der NPD erfolgreich geführt haben«.

Vonseiten der Länder, die das Verbot beantragt hatten, wird nun ein Ende der staatlichen Finanzierung für die NPD gefordert. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), seine saarländische Kollegin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und etliche andere äußerten sich ebenfalls in dieser Richtung.

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026