Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In Deutschland ist eine Organentnahme bislang nur zulässig, wenn ein Toter zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Foto: picture alliance / SZ Photo

Eine mögliche Widerspruchslösung bei der Organspende würde aus Sicht des Zentralrats der Juden in Deutschland die Religionsfreiheit verletzen. »Im Judentum wird die Organspende grundsätzlich als große Wohltat angesehen. Eine pauschale Erlaubnis für die Entnahme und Wiederverwendung aller Organe der Verstorbenen zu medizinischen Zwecken gibt es im Judentum allerdings nicht«, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2025.

Die Entscheidung, ob ein Organ einem gestorbenen Spender entnommen werden darf, sollte demnach dem jüdischen Religionsgesetz zufolge immer im Einzelfall unter Berücksichtigung unterschiedlicher Umstände entschieden werden. »Dem Willen des Spenders kommt dabei die wesentlichste Rolle zu«, heißt es.Norm statt freiwilliger Wohltat

Die Einführung der Widerspruchslösung würde die Organspende jedoch zur »allgemein gültigen Verpflichtung« machen. »Sie würde eine freiwillige Wohltat zu einer Norm machen, die den Willen des Spenders nur dann berücksichtigt, wenn er dieser Spende widerspricht.« Hier sieht der Zentralrat eine »eindeutige Verletzung der Religionsfreiheit«.

Diese Haltung habe der Dachverband von mehr als 100 jüdischen Gemeinden in einem Positionspapier dargestellt und die Bundestagsabgeordneten darüber informiert, heißt es.Forderungen nach Widerspruchslösung

In Deutschland ist eine Organentnahme derzeit nur zulässig, wenn ein Toter zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Um mehr Organspenden zu gewinnen, gibt es Forderungen nach einer Widerspruchslösung: Danach gilt jeder Bürger als Organspender, der dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat.

Unter der Ampel-Koalition hatte es im Bundestag einen Vorstoß zur Einführung der Widerspruchslösung gegeben. Der Bundesrat setzt sich weiterhin für eine entsprechende Gesetzesänderung ein. Zu den Kritikern einer Widerspruchslösung gehört auch die katholische Kirche. kna

Debatte

Laschet wirft EU-Außenbeauftrager Kallas Antisemitismus vor

Die EU-Außenbeauftragte hatte Israel mit Apartheids-Südafrika verglichen. Jetzt fordert der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ihren Rücktritt

 14.06.2026

Hessen

Lehrer nach Kritik an Krieg in Gaza suspendiert

Seine Instagram-Posts über den Gaza-Krieg wurden ihm zum Verhängnis: Bereits seit Ende 2025 ist ein hessischer Gymnasiallehrer mit einem Dienstverbot belegt. Gerichte müssen klären, ob die Suspendierung des Pädagogen verhältnismäßig war

 14.06.2026

Wahlen

Wie CDU und SPD Ministerpräsidenten-Ämter im Osten verteidigen wollen

Die AfD will in Ostdeutschland nach der Macht greifen. CDU und SPD zeigen, wie sie den Kampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aufnehmen wollen - und setzen unterschiedliche Akzente

von Christopher Kissmann, Iris Leithold, Verena Schmitt-Roschmann, Basil Wegener  14.06.2026

Wirtschaft

Hacker greifen staatliche Banken in Iran an

Ein Hackerangriff hat mehrere staatliche Banken im Iran getroffen. Zeitweise waren Online‑Zahlungen im ganzen Land gestört – ein weiterer Schlag gegen Irans ohnehin fragile Infrastruktur

 14.06.2026

Iran

Getöteter Ayatollah Chamenei soll am 9. Juli beerdigt werden

Die Beisetzung von Ajatollah Chamenei findet im Trauermonat Muharram statt – Millionen Menschen sollen Abschied nehmen. Unklar ist, ob sein Sohn und Nachfolger Modschtaba teilnimmt

 14.06.2026

Krieg

Wird noch heute ein Iran-Abkommen unterzeichnet?

Laut US-Präsident Trump und dem Vermittler Pakistan soll bereits heute eine erste Übereinkunft zur Beendigung des Iran-Kriegs unterzeichnet werden. Wird es tatsächlich dazu kommen?

 14.06.2026

USA

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem

von Anna Ringle  14.06.2026 Aktualisiert

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert