Meinung

Yair Lapid – Ein Star wird entzaubert

Yair Lapid verspricht viel. Das kann der ehemalige Kolumnenautor und Fernsehmann gut. Er weiß, woran Israel krankt, und präsentiert in blumigen Worten seine Lösungen. Auch als Politiker sonnt sich der Jesch-Atid-Chef gern mit Strahlemann-Lächeln im Blitzlichtgewitter. Besonders am Herzen liege ihm die israelische Mittelschicht, verkündet der neue Finanzminister auf seiner Facebookseite.

Als Beispiel nannte er ebendort die Vorzeigebürgerin Riki Cohen aus Hadera. Ihr, so Lapid, würde er am liebsten persönlich unter die Arme greifen und helfen, über die Runden zu kommen. Allerdings hat er bei seinem Beispiel – Cohen hat monatlich umgerechnet 4000 Euro auf dem Konto – wohl eher an die israelische Oberschicht gedacht, die ihm seinen Wahlerfolg bescherte. Das Durchschnittseinkommen einer Familie liegt bei 65 Prozent dieser Summe. Und 70 Prozent der Israelis verdienen noch weniger.

Haushaltsdefizit Obwohl Lapid offenbar nicht einmal seine Statistik-Hausaufgaben gemacht hat, verspricht er, dass er es während seiner Amtszeit zu keinen griechischen oder zypriotischen Verhältnissen kommen lassen werde. Wie er das bei einem Haushaltsdefizit von mehr als sechs Milliarden Euro schaffen will, sagt er nicht. Mittlerweile weiß aber jeder, dass die Wirtschaft nur mit extremen Einschnitten zu retten ist.

Es wird weniger Kindergeld geben, weniger Sozialleistungen und höhere Steuern. Und das wird in erster Linie kaum Riki Cohen treffen, sondern diejenigen, die schon jetzt nicht mehr wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Doch für die Cohens und Levis in Dimona, Bat Jam oder Aschkelon hat Lapid wenig warme Worte übrig. Die haben ihn ja auch nicht gewählt.

Doch Minister ist man nicht nur für einen Teil, sondern für die gesamte Bevölkerung. Yair Lapid muss sich seiner Verantwortung stellen, die Ärmel hochkrempeln, seine Hausaufgaben machen und dem Land die Reformen präsentieren, die er vor den Wahlen vollmundig versprochen hat. Der Ex-Journalist war jahrelang der Liebling der Nation, daran gewöhnt, für seine Fernsehauftritte bewundert zu werden. Doch der Job des Finanzministers bringt keine schwärmende Fangemeinde. Es ist ist an der Zeit, dass Lapid sein Dauergrinsen abstellt und den Ernst der Lage wahrnimmt. Damit seine Versprechungen keine leeren bleiben.

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Meinung

Kein Geld mehr für die UNRWA

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag einen Stopp deutscher Zahlungen an das Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser gefordert. Warum der Beschluss richtig ist

von Michael Thaidigsmann  27.02.2026

Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Das israelische Bobteam wurde disqualifiziert – doch dahinter steht eine Geschichte von Loyalität, Koexistenz und Mut

von Sabine Brandes  27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig

 27.02.2026

Montréal

Bericht über IDF-Soldaten als Gastredner an jüdischen Schulen löst Angst aus

Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten. Eltern sorgen sich eher darum, dass die Schulen ihrer Kinder bloßgestellt worden seien

 27.02.2026