Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

Wittenberger »Judensau«: Beschwerde in Straßburg eingereicht

Eine als »Judensau« bezeichnete Schmähplastik ist an der Stadtkirche in Wittenberg zu sehen. Foto: picture alliance/dpa

Michael Dietrich Düllmann, der seit Jahren für eine Entfernung der Wittenberger »Judensau« kämpft, hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Beschwerde eingereicht. Dies geht aus einem Bericht der »Mitteldeutschen Zeitung« hervor. Das Gericht bestätigte dem Blatt den Eingang der Beschwerde.

Die Schmähplastik wurde vor etwa 700 Jahren erstellt. Sie ist an der Stadtkirche in Wittenberg angebracht und zeigt Juden, darunter Rabbiner, mit einem Schwein, einem im Judentum als unrein geltenden Tier. Seit Jahren wird über einen geeigneten Umgang mit der »Judensau« diskutiert.

Entfernung abgelehnt

Eine Informationstafel an der Stadtkirche ordnet die antisemitische Figur kritisch ein. Die Schmähplastik wird darauf erklärt – mitsamt dem dazugehörigen historischen Hintergrund. Es handelt sich offensichtlich um eine Diffamierung der Juden. Möglicherweise sollte diese Minderheit um das Jahr 1300 herum von Wittenberg ferngehalten werden.

Lesen Sie auch

Für Düllmann und andere Kritiker reicht die Informationstafel nicht aus. Sie bestehen auf einer Entfernung der Figur von der Stadtkirche, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Düllmann ging mit entsprechenden Klagen durch zahlreiche Instanzen. Er kämpfte vor dem Oberlandesgericht Naumburg, dem Bundesgerichtshof und sogar dem Bundesverfassungsgericht. Keines der Gerichte ordnete die verlangte Entfernung der »Judensau« an.

Daher ging Düllmann mit seiner Beschwerde in Straßburg noch einen Schritt weiter. Wie die Chancen des jüdischen Klägers beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte stehen, ist unklar. ja

Ausschreitungen in Frankreich

Dobrindt warnt vor Bündnis aus Linksextremisten und radikalen Migrantenmilieus

Der Bundesinnenminister sieht in den gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich eine Gefahr, die auch Deutschland betreffen könnte

 19.10.2026

Anschlagsvorbereitungen in Deutschland

Auswärtiges Amt bestellt iranischen Botschafter ein

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und israelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Nach ihrer Verurteilung in Hamburg vor wenigen Tagen reagiert das Außenministerium in Berlin

 19.10.2026

Nachruf

Hermann »Mano« Höllenreiner ist tot

Mit neun Jahren wird er nach Auschwitz deportiert. Später wird er unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen

 19.10.2026

London

Israel-Unterstützerin gerät wegen ihres Engagements ins Visier der Polizei

Holly Passmore wurde nach einem Aufenthalt in Israel von zwei Polizisten befragt

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026

Berlin

Weimer: Linkspartei öffnet Antisemitismus »Tür und Tor«

Der Kulturstaatsminister fördert die Aufarbeitung des NS-Terrors und des Unrechts in der DDR. Mit einem möglichen rot-grün-roten Senat sieht er die Erinnerungspolitik in Gefahr

 19.10.2026

Sofia

Bombendrohung: Austrian-Airlines-Flugzeug muss auf dem Weg von Tel Aviv nach Wien notlanden

Auf dem Flug von Tel Aviv nach Wien ändert eine Maschine der Austrian Airlines plötzlich ihre Route. Der Grund ist schwerwiegend

 19.10.2026

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026