Meinung

Wissen macht nichts

Mit »Lehrertraining«, »Handreichungen für Pädagogen« und einer großen Konferenz will die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, den Antisemitismus bekämpfen. Was könnte man schon dagegen haben? Vielleicht dies: Es taugt leider nichts! Der Grundgedanke, mit Bildung könne man Menschen gegen Judenfeindlichkeit immunisieren, hat leider mit der Realität des Antisemitismus nur sehr wenig zu tun. Da muss man noch nicht mal an die Rolle erinnern, die die Herren, die sich gerne als »deutsche Elite« bezeichnen, im NS-Regime einnahmen. Die Gegenwart genügt, leider: Ob im Bundestag Israel als Apartheidstaat verunglimpft wird, ob ein führender Ökonom Kritik an Managern mit Pogromen gleichsetzt, ob man von Nachbarn hört, dass Juden gut mit Geld umgehen können, besonders intelligent sind, Hakennasen haben, den Holocaust für ihre Zwecke instrumentalisieren oder auch, dass die Jüdin eine rassige Schönheit ist. Das alles ist Judenfeindlichkeit, und das alles hört man beinahe überall, auf jedem Bildungsniveau. Antisemitismus mit mehr Wissen über Juden überwinden? Ihn einfach zu bekämpfen, wäre doch auch mal einen Versuch wert.

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Gespräch

Jüdische Stimme am Vatikan

Viktor Eichner vom Jüdischen Weltkongresses hat ein großes Ziel: sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen – vor allem beim Heiligen Stuhl

von Sabine Kleyboldt  02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026