Einspruch!

Wir wollen nicht kapitulieren

Wir Juden in Frankreich hatten lange Zeit das Gefühl, allein und isoliert zu sein. Die Mehrheitsgesellschaft schien nicht zu verstehen, dass der islamistische Terror uns bedroht. Nach den Demonstrationen vom Sonntag, bei denen in ganz Frankreich Millionen Menschen auf die Straßen gingen, glauben wir, ein Großteil der Gesellschaft versteht unsere Ängste und weiß, dass der Dschihad eine Bedrohung für die gesamte französische Gesellschaft ist.

Die Regierung hat uns größte Anstrengungen zugesagt, das maximal Mögliche für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu tun: Im ganzen Land stehen Tausende Polizisten und sogar Soldaten vor Synagogen und jüdischen Schulen, um uns vor physischen Angriffen zu schützen.

Radikalisierung Es geht aber nicht nur um die Sicherheit. Was es auch braucht, sind langfristige Aktionen. So muss dringend etwas gegen die Radikalisierung junger Muslime getan werden. Wir sprachen in den vergangenen Tagen mit der Regierung über die Gefahr, die in dieser Hinsicht von den sozialen Medien, von arabischen Fernsehsendern und von radikalen Moscheen ausgeht.

Viele Gemeindemitglieder sind voller Angst und wollen deshalb nach Israel gehen. Das ist eine persönliche Entscheidung. Ich möchte über niemanden urteilen, der Frankreich verlässt und auswandert, ich respektiere das. Es ist nicht die Aufgabe jüdischer Institutionen, jemandem zu sagen, ob er gehen soll oder nicht. Aber wir halten es für wichtig, daran zu erinnern, dass die jüdische Gemeinde in Frankreich auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurückblickt.

Wir sind durch die Schoa gegangen und durch antisemitische Bombenanschläge in den 80er-Jahren. Also werden wir auch vor den Dschihadisten nicht kapitulieren. Damit die Feinde der Juden Frankreichs nicht siegen, lautet unsere Botschaft: Wir sollten jetzt erst recht und mehr als bisher in die Synagogen gehen und unsere Kinder gerade jetzt ganz bewusst auf jüdische Schulen schicken.

Der Autor ist Vizepräsident der jüdischen Dachorganisation CRIF in Paris.

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Studie

Judenhass ist »alltagsprägend« - auch in Baden-Württemberg

Antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg wurden 2025 erstmals systematisch ausgewertet. 335 wurden registriert. Es gab sie im Alltag von Jüdinnen und Juden wie in Sozialen Medien - und sogar im Bildungssektor

von Norbert Demuth  13.07.2026

Berlin

Studentenparlament der Humboldt-Universität fordert akademischen Boykott Israels

In einem Antrag wird die Uni aufgefordert, bestehende Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu beenden

 13.07.2026

Interview

»Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Berlin

Sicherheitspolitiker warnen vor iranischen Anschlägen in Deutschland

Eine iranische Tageszeitung ruft einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Unter den gezeigten Köpfen ist auch Kanzler Merz. Mehrere Politiker reagieren besorgt

 13.07.2026

Brüssel

Konferenz in Brüssel bringt fast 900 Millionen Euro für Gaza

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist katastrophal. Kann eine Gebergruppe helfen?

 13.07.2026

London

Großbritannien plant härteres Vorgehen gegen Revolutionsgarden

Mit einem neuen Sicherheitsgesetz will London härter gegen von feindlichen Staaten gelenkte Gruppen vorgehen. Auch lebenslange Haftstrafen sind möglich

 13.07.2026

Bericht

Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der antisemitischen Straftaten 2025 auf einen Höchststand gestiegen. So verzeichnete die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität 786 Straftaten, die offenbar aus Hass gegen Juden verübt wurden

 13.07.2026