Vereinte Nationen

»Wir müssen Brücken bauen«

Miguel Ángel Moratinos Foto: pr

Vereinte Nationen

»Wir müssen Brücken bauen«

Miguel Ángel Moratinos über Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus und Antisemitismus

von Michael Thaidigsmann  12.11.2020 08:17 Uhr

Herr Moratinos, erleben wir derzeit den von Samuel Huntington vorausgesagten »Zusammenprall der Zivilisationen«?
Huntingtons Theorie ist falsch. Es gibt einen Zusammenprall der Unwissenheit, aber nicht der Zivilisationen. Gewisse Individuen und Gruppen in unseren Gesellschaften schlachten religiöse oder kulturelle Unterschiede für politische Zwecke aus. Genau das war der Grund, warum wir vor 15 Jahren die » Allianz der Zivilisationen der UN« (UNAOC) ins Leben riefen. Wir wussten, wir würden den radikalen Terrorismus nur besiegen, wenn wir an einem Strang ziehen.

Einer der Mitbegründer der UNAOC war der türkische Präsident Erdogan. Ist er inzwischen nicht eher Teil des Problems?
Die Türkei war und ist ein sehr aktiver Partner und Erdogan einer derjenigen, die an die Notwendigkeit eines Dialogs glauben. Wir dürfen bei aller verständlichen Empörung nicht vergessen, dass er in der muslimischen Gemeinschaft weit verbreitete Gefühle in Bezug auf die Mohammed-Karikaturen zum Ausdruck bringt. Wichtig ist doch, dass wir weiter versuchen, Brücken zu bauen zwischen Frankreich und der Türkei, aber auch zwischen anderen Ländern des Westens und der islamischen Welt. Wir brauchen die Zusammenarbeit, wenn wir den Terrorismus wirksam bekämpfen wollen.

Sie haben auch den Auftrag, die Bemühungen der UN im Kampf gegen den Antisemitismus zu koordinieren. Was planen Sie?
Wir wollen einerseits verstärkt mit Organisationen zusammenarbeiten, die bereits in diesem Bereich aktiv sind, um antisemitische Vorfälle zu registrieren und sie klar zu verurteilen. Andererseits müssen wir auch innerhalb der Vereinten Nationen wachsam sein.

Nun scheint gerade die UN ein Problem mit Israel, dem einzigen jüdischen Staat der Welt, zu haben.
Wir dürfen innerhalb des UN-Systems kein antisemitisches Verhalten und keine antisemitischen Äußerungen, Erklärungen oder Handlungen tolerieren. Wir brauchen eine Kultur der Verantwortung. Jeder Mitarbeiter in der UN sowie die Mitgliedstaaten selbst müssen im Kampf gegen den Antisemitismus zusammenarbeiten. Wir haben bereits UN-Initiativen zum Gedenken an und zur Aufklärung über den Holocaust, was eine wichtige Verpflichtung ist. Aber wir müssen noch einen Schritt weiter gehen.

Was meinen Sie konkret?
Ich möchte, dass die UN die IHRA-Arbeitsdefinition zum Antisemitismus annimmt, und ich werde versuchen, die UN-Mitgliedstaaten zu überzeugen, diesen Schritt zu gehen. Wir planen zudem im Dezember ein Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft. Dort will ich meinen Aktionsplan und meine Ideen vorstellen, wie wir versuchen können, in verschiedenen Fragen, darunter auch bei der Arbeitsdefinition, voranzukommen.

Das Interview mit dem Hohen Repräsentanten der »Allianz der Zivilisationen der UN« führte Michael Thaidigsmann.

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald bittet um Spenden für Kyryl Romantschenko

Die Familie Romantschenko ist der Gedenkstätte Buchenwald seit Jahrzehnten eng verbunden. Nun benötigt der 18-jährige Kyryl Romantschenko Unterstützung

 18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026

Tel Aviv

Shin-Bet-Chef Zini: Wir finden alle Hamas-Terroristen vom 7. Oktober

»Wir haben euch verfolgt, wir verfolgen euch und wir werden euch bis zum letzten Mitverschwörer verfolgen«, sagt Shin-Bet-Chef David Zini

 18.09.2026

Jerusalem

Warum ein Ex-Shin-Bet-Chef Israelis dazu aufruft, zu Jom Kippur in der Synagoge ihre Waffen zu tragen

Die Verantwortlichen der Synagogen sollten dafür sorgen, dass bewaffnete Menschen kommen, sagt Arik Barbing

 18.09.2026

Erinnerungspolitik

Weimer wirft AfD »Frontalangriff« auf Integrität der Republik vor

In den Positionen der Rechtsaußenpartei sieht der Kulturstaatsminister einen Angriff auf das moralische Selbstverständnis der Bundesrepublik

von Corinna Buschow, Karsten Frerichs  18.09.2026

Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, nimmt vor dem Rathaus Neukölln an der Aktion „Berlin trägt Davidstern“ teil.

Berlin

Solidarität nach Angriff auf Frau mit Davidstern

Stadtweit waren Berlinerinnen und Berliner zum Tragen eines Magen David aufgerufen. In Neukölln kam es auch zu Pöbeleien

 18.09.2026

Sachsen-Anhalt

Jurist hält Bundeszwang »nicht für abwegig«

Falls eine AfD-geführte Landesregierung Verfassungsrecht oder Bundesgesetze missachten sollte, könnte der sogenannte Bundeszwang zum Einsatz kommen

 18.09.2026

Reaktionen

»Dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos«

Der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh ist einer von vielen Menschen, die sich zum Brandanschlag auf die Synagoge geäußert haben. Die Reaktionen im Überblick

 18.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

Umfrage: SPD überholt AfD - CDU rutscht weiter ab

Nur noch wenige Tage bis zur Landtagswahl: Eine neue Umfrage liegt vor - mit teils überraschenden Ergebnissen

 18.09.2026