Meinung

Wien: Hochstapler und Scharfmacher

Hanno Loewy Foto: Arno Gisinger

Ich lebe seit bald 15 Jahren in Österreich. Vor zwei Jahren hat das Land ein paar Hunderttausend Flüchtlinge nach Deutschland durchgewunken. Und hat fast 100.000 von ihnen erst einmal selbst behalten. Selbst der Außenminister Sebastian Kurz hat von »Willkommenskultur« geredet. Aber schon bald ging das Trommelfeuer der Boulevardpresse los. Kurz begann sich damit zu brüsten, er habe »die Balkanroute geschlossen«. Die meisten haben ihm diese Aufschneiderei geglaubt. Und der Boulevard erklärte ihn zur neuen Lichtgestalt, zum größten politischen Talent des Landes.

Der Mann ließ sich das nicht zweimal sagen, scharte eine Gruppe von treuen Glücksrittern um sich und begann, an der ungeliebten Koalition zu sägen. Seit dem Frühjahr durfte die ÖVP nun dabei zusehen, wie sich ihr Führer wie das Oberhaupt einer Sekte inszenieren ließ. Deren Mantra heißt »Veränderung«. Und das Gebet seiner Anhänger lautet: »Der Basti weiß schon, was am besten für Österreich ist.«

persilschein Natürlich hat auch Sebastian Kurz längst »seine Juden« gefunden, etwa den Herausgeber einer jüdischen Zeitschrift, die sich schon länger für die Verteidigung des christlich-jüdischen Abendlands einsetzt. Der kandidierte nun für ihn für den Nationalrat, als Persilschein für die türkisblaue Koalition mit einer FPÖ, die seit Haiders Zeiten noch weiter nach rechts marschiert ist. Fast die Hälfte der Nationalratsfraktion gehört nun rechtsradikalen, deutschnationalen Burschenschaften an. Deren einziges Thema ist: Flüchtlinge und Migranten raus, zunächst aus dem Sozialsystem, und dann aus dem Land.

Das ist nun auch das Programm der kommenden »national-liberalen« Regierung: Migranten schlecht behandeln, Steuern senken, Sozialleistungen kürzen. Und natürlich »lieben« sie jetzt auch Europa, vor allem das Europa Orbáns und Kaczynkis, das Europa der »nationalen Identitäten«.

Viele Posten werden jetzt zu besetzen sein. Dafür halten sich die »freiheitlichen« Scharfmacher gerne eine Weile zurück. Kreide ist in Österreich jedenfalls derzeit ausverkauft. Und wenn die ganze Hochstapelei auffliegt, geht das Spiel von vorne los.

Der Autor ist Direktor des Jüdischen Museum Hohenems.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

 01.10.2026

Aufruf

Rapper Danger Dan: Man darf sich von Angst nicht lähmen lassen

Das ZDF untersagte im Sommer den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit mit ihrem Song »Keine Angst« in der Satire-Sendung »Die Anstalt«. Doch das Lied motivierte andere, aktiv zu werden gegen Neonazi-Umtriebe

von Barbara Just  01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Terrorismus

Sicherheitsbehörden verhindern Mordanschläge auf jüdische Ziele in Deutschland

Die Hintergründe

 01.10.2026

Washington D.C.

Keith Sonderling als US-Arbeitsminister bestätigt

In den Vereinigten Sraaten ist der in New York geborene Anwalt bereits der vierte Jude, der dieses Amt ausübt

 01.10.2026

Der RAF-Stützpunkt Fairford, im Hintergrund ein B1-Bomber

London

Vorfall bei US-Militärbasis: »Hinweise« auf Beteiligung eines Drittstaates

Nach dem Vorfall an einem US-Luftwaffenstützpunkt in Großbritannien kommen immer mehr Details ans Licht. Andy Burnham bestätigt nun eine mögliche Verbindung zu einem ausländischen Akteur.

 01.10.2026

Berlin

Linken-Politiker Ferat Koçak gibt Sitz im Innenausschuss ab

Der Wahlsieg der Linken lässt die Linken jubeln. Doch Fotos werfen Fragen zu Mitfeiernden auf. Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete steht besonders in der Kritik und zieht nun Konsequenzen

 01.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD reden über Antisemitismus

Die drei potenziellen Koalitionspartner diskutieren nach der Wahl gemeinsam über Judenhass und organisierte Kriminalität. Warum das offiziell noch keine Sondierungen sind

 01.10.2026